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TV-Tipp 30.6.: "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" Frivol, schrill - und urkomisch


Filme des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar sind immer sehenswert. Und die Komödie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" mit Antonio Banderas gehört zu seinen besten. Unser Tipp des Tages.

"Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs"
21.45 Uhr, EinsPlus

KOMÖDIE Pedro Almodóvar gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Ich habe fast alle seiner Filme gesehen, viele sogar mehrmals. Dass mich die Werke des Spaniers so faszinieren, ist alles andere als selbstverständlich: Ich habe keine besondere Affinität zur spanischen Kultur, interessiere mich nicht übermäßig für homosexuelle Sujets, mag keine grelle Ästhetik und meide melodramatische Stoffe. All das zeichnet aber das Werk Almodóvars aus. Und doch entwickeln seine Filme einen Sog, dem ich mich nur schwer entziehen kann.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Pedro Almodóvars Filme sind zwar sehr kunstvoll, sind aber gleichzeitig immer unterhaltsam. Seine Bilder sind vielschichtig: Auf der Oberfläche ähneln sie in ihrer knalligen Buntheit billigen Telenovelas, gleichzeitig sind sie aber klug komponiert und von Filmgeschichte gesättigt. Die Geschichten sind unglaublich vital, man merkt dem Regisseur seine Herkunft aus der madrilenischen Underground-Szene an, die sich an dem Erbe des faschistisch-katholischen Franco-Staats abgearbeitet haben. Diese Energie pulsiert in jedem seiner Filme. Vor allem aber sind Almodóvars Geschöpfe widersprüchlich und voller Schwächen, sie decken die komplette Gefühlspalette ab - von still bis schrill.

Das zeichnet auch den Film aus, mit dem der Regisseur seinen Durchbruch feierte. Mit "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" wurde die Filmwelt 1988 schlagartig auf den eigenwilligen Spanier aufmerksam. Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde er für sein Drehbuch ausgezeichnet, und bis heute genießt die Komödie Kultstatus. Zu sagen, der Film sei grell, ist untertrieben. In der Geschichte der Synchronsprecherin Pepa (Carmen Maura), die von ihrem Freund verlassen wird und deren Wohnung zur Anlaufstelle allerlei Gescheiterter wird, ist wirklich alles überdreht. Situationskomik, spritzige Dialoge, Gags, aber auch tieftraurige und ernste Momente folgen hier im irren Tempo aufeinander. Im europäischen Kino der 80er Jahre war ein solcher Film ein Novum. Und aus einem weiteren Grund lohnt es sich, heute Abend einzuschalten: Ein gewisser Antonio Banderas startete seine Weltkarriere in Filmen Almodóvars. Mit seiner 50er-Jahre-Frisur und der braven Brille ist das spätere Sexsymbol nur zu erahnen.

Ein TV-Tipp von Carsten Heidböhmer, Kulturredakteur




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