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TV-Tipp 30.9.: "Das Geheimnis von Kells": Ein Zeichentrick für alle Bücherfreunde

Den Oscar hätte dieser Film redlich verdient gehabt. In "Das Geheimnis von Kells" lassen wunderschöne Zeichnungen die irische Mythologie lebendig werden. Unser TV-Tipp des Tages.

So schön wurde die Natur lange nicht mehr gezeichnet: Brendan trifft bei seinen Streifzügen rund um die Abtei auf das Wolfsmädchen Aisling

So schön wurde die Natur lange nicht mehr gezeichnet: Brendan trifft bei seinen Streifzügen rund um die Abtei auf das Wolfsmädchen Aisling

"Das Geheimnis von Kells"
20.15 Uhr, ZDF Kultur
ZEICHENTRICK "'Kells' läuft im Fernsehen? Den musst du tippen!" Meine Zeichner-Freundin hatte ja so recht. Ich hätte den Film wahrscheinlich übersehen und heute etwas anderes empfohlen. "Die Schlikkerfrauen" vielleicht (weil Katharina Thalbach in der "Guttenberg"-Parodie eine so drollige Kanzlerin abgegeben hat und der Drehbuchschreiber derselbe ist) oder "Fair Game". Aber meine Freundin hatte recht. "Das Geheimnis von Kells" ist ein außergewöhnliches Stück Zeichentrick, wurde völlig zu Recht für einen Oscar nominiert. Und weil sie von der Sache soviel mehr Ahnung hat, überlasse ich ihr ausnahmsweise das Wort. Ein enZeichentrick-Tipp schreibt am besten ein Experte.

"Ich liebe Zeichentrickfilme, schon seit meiner Kindheit. Weniger hat mich allerdings die Handlung der Filme interessiert (die ist bei den meisten auch nicht der Rede wert) als die Art der Animation. "Pocahontas" habe ich deshalb toll gefunden, weil ihre Haare so schön wehten. "He-Man" fand ich witzig, weil die Figuren immer nur von einer Seite zur anderen oder von hinten nach vorne in die Kamera laufen konnten. Mit den digital hergestellten Animationsfilmen konnte ich allerdings nie viel anstellen, zu hektisch, zu nervös waren die mir. Doch dann kam 'Brendan und das Geheimnis von Kells'.

Wir befinden uns in Irland im 8. Jahrhundert. Ort der Handlung: die Abtei Kells, ein Kloster, dessen Abt Cellach davon besessen ist, die Mauern um sich und sein Kloster immer höher und fester zu errichten - zum Schutz vor den heranrückenden Wikingern. Cellachs Neffe Brendan gefällt das gar nicht. Gerne würde er erkunden, was hinter den Mauern liegt. Die Chance erhält er, als eines Tages der berühmte Buchmaler Aidan und seine Katze Pangur Bán an die Tore der Abtei klopfen, im Gepäck eine unvollendete Handschrift, das Buch von Iona.

Im Verlauf der Geschichte wird Brendan auf Waldgeister treffen, auf Wölfe, Gottheiten, die Wikinger - und auf ein ganz besonderes Auge. Dabei nimmt sich der Zeichenstil des Films, obwohl digital erstellt, die insulare Buchmalerei zum Vorbild - und strotzt nur so vor Anspielungen auf die keltische und kunsthistorische Geschichte. Alles ist verziert, voller Ornamente, sehr detailreich gezeichnet und wirkt beinahe wie Tinte auf einem Pergament. Manchmal fürchtet man gar, die Farbe könnte direkt aus dem Fernseher tropfen. Doch auch der Rest stimmt: Die Charaktere überzeugen, die Handlung ist spannend, mythisch, und witzig inszeniert und dümpelt niemals vor sich hin. Kurz: Dieser Film ist sich bewegende Kunst - eine perfekte Symbiose aus Inhalt und Form. Und die Musik ist es definitiv wert, noch einmal ohne Bild gehört zu werden."

PS: Wenn Sie es humoristisch etwas derber mögen, sollten Sie dranbleiben oder um 21.40 Uhr direkt zum dänischen Animationsfilm "Ronal, der Barbar" einschalten. Vokuhila und metrosexuelle Elfen sieht man nicht oft gemeinsam auf dem Bildschirm.

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