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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 6.7.: "Das Konzert": Wenn das ganze Orchester falsch spielt

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen ein Konzert, und das ganze Orchester besteht aus Hochstaplern. In unserem TV-Tipp des Tages geschieht genau das. Vorhang auf!

Anne-Marie Jacquet (Mélanie Laurent) bei ihrem Solo-Auftritt neben Dirigent Andrei Filipov (Alexei Guskow).

Anne-Marie Jacquet (Mélanie Laurent) bei ihrem Solo-Auftritt neben Dirigent Andrei Filipov (Alexei Guskow).

"Das Konzert"
23.45 Uhr, ZDF
KOMÖDIE Die russische Seele, verriet mir ein Geschäftsmann aus Moskau einmal, sei einfach nicht für Ehrlichkeit geboren. Schwindelei, Betrügereien, sich im Leben durchwurschteln - das gehöre in Russland einfach dazu. Bei denen, die ganz oben stehen, genauso wie bei denen ganz unten. Niemand erwarte, dass es fair zugehe. Gleichzeitig käme niemand auf die Idee, die Regeln einzuhalten, wenn man sie irgendwie umgehen kann.

Mit Andrej Filipow (Alexej Guskow) wurde alles andere als fair umgegangen. Ehemals Orchesterleiter im weltberühmten Moskauer Bolschoi-Theater, muss er nun die Büroräume seines Nachfolgers putzen. Weil er sich trotz Anordnung der sowjetischen Parteiführung (wir befinden uns in den 1980ern) geweigert hatte, jüdische Mitglieder aus seinem Orchester zu werfen. Doch dann landet durch Zufall ein Fax aus Paris in seinen Händen, das eigentlich für seinen Nachfolger bestimmt war: Ob das Bolschoi-Orchester spontan in Frankreich auftreten könnte? Filipow wagt das Husarenstück: Er trommelt seine alten, ebenfalls in Ungnade gefallenen Orchestermitglieder zusammen und reist nach Paris. Doch kann er eine Scharade derartigen Ausmaßes geheimhalten?

Man merkt der Komödie an allen Ecken und Enden ihren Ursprung in Frankreich an. Wo andere Länder krachend daran scheitern würden, klischeehafte Szenen (betrunkene Russen fallen in ein französisches Hotel ein) nicht über Gebühr zu strapazieren, findet Regisseur Radu Mihăileanus genau die richtige Balance für den Kulturclash Russland-Frankreich. Und hat mit Mélanie Laurent eine bezaubernd spielende Hauptdarstellerin gefunden, deren Lebensgeschichte berührt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Mata, Mata - Spiel des Lebens"
20.15 Uhr, Einsplus


DOKUMENTARFILM Viele brasilianische Jungs eint der Traum von einer Fußballerkarriere. Am besten mit Vertrag in Europa. Gut 1 200 machen sich jährlich auf den Weg. Regisseur Jens Hoffmann nahm Anteil am Leben junger Talente wie Carlos Carlinhos. Einen Tag nach seinem 18. Geburtstag verlässt der die Favela, um in Deutschland zu spielen. Hoffmann schaut ihm bei Vertragsverhandlungen mit Desportivo Brasil über die Schulter, ist beim Abschied aus Brasilien dabei und zeigt den Frust, den Carlinhos im kalten Leverkusen ertragen muss. Keine Stars, nur Spielfiguren: Jenseits des grünen Rasens zeigt "Mata, Mata" Fußball als knallhartes Geschäft zwischen Agenten und Vereinen. (bis 21.45)

"Der kleine Nick"
14.05 Uhr, RBB

KOMÖDIE Als Lausbub Nick glaubt, Mama sei wieder schwanger, steigt Panik in ihm auf. Werden die Eltern (Vater: "Sch’ti"-Star Kad Merad) ihn jetzt im Wald aussetzen, um Zeit für das Baby zu haben? – Bezaubernd altmodische Adaption des französischen Kinderbuchklassikers. (bis 15.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo