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TV-Tipp 1.10.: "Mukha - Die Fliege": Erwachsen werden auf Russisch

Filme aus Russland sind äußerst selten im deutschen TV zu sehen. Aber warum eigentlich? "Mukha - Die Fliege" zeigt junges, russisches Kino, das sich vor US-Produktionen nicht verstecken muss.

Ist Fjodor (Alexei Krawtschenko) tatsächlich "Mukhas" (Alexandra Tyuftey) Vater?

Ist Fjodor (Alexei Krawtschenko) tatsächlich "Mukhas" (Alexandra Tyuftey) Vater?

"Mukha - Die Fliege"
20.15 Uhr, Arte
DRAMA Wenn es um Filme und Serien geht, scheint der Eiserne Vorhang niemals gefallen zu sein. Russisches Kino findet in Deutschland praktisch nicht statt. Stattdessen ist unser Blick auf das Land und seine Einwohner geprägt durch Vorurteile: Russen, die es in heimischen Produktionen - Krimis zumeist - auf die Leinwand schaffen, werden fast immer als zwielichtige Gestalten, Mafiosi, Turbokapitalisten oder Besoffskis dargestellt.

Dabei wäre es viel spannender zu sehen, ob und wie junge russische Filmemacher die sozialen Probleme im Land angehen, wie sie die Kriege in Tschetschenien und Georgien verarbeiten, die Stellung Putins bewerten oder die generelle Stimmung in einem Land einfangen, das vor gar nicht allzu langer Zeit noch Supermacht war.

Deswegen bin ich wahnsinnig gespannt auf "Mukha - Die Fliege", der heute Abend auf Arte läuft (und bis zum 8.10. in der Mediathek des Senders zu sehen sein wird). Der Plot erinnert an Sofia Coppolas "Somewhere". Dort wie hier tritt eine unbekannte Tochter (Alexandra Tyuftey) in das Leben eines Mittdreißigers, der seine Einsamkeit durch Machogehabe, Alkohol und One-Night-Stands zu betäuben versucht. Bei Coppola ist es ein Schauspieler, bei Kott der LKW-Fahrer Fedor Mukhin (der frühere sowjetische Kinderstar Alexei Krawtschenko). Doch während Coppola eher leisere Töne anschlägt, darf es beim Langfilmdebüt des 41-jährigen Wladimir Kott etwas lauter und dramatischer zugehen. Die 16-jährige Vera boxt, ist eine notorische Pyromanin und hat sich zudem mit dem örtlichen Tycoon angelegt.

Ich kann nichts versprechen, aber: "Mukha" klingt wie eine dieser Perlen, auf die man erst gestoßen werden muss. Sicher - einige Anspielungen und Motive werden dem deutschsprachigen Publikum wohl verborgen bleiben. Aber irgendwo müssen wir ja mal anfangen, ein bisschen mehr von der russischen Seele zu verstehen.

PS: Wer nach dem Film etwas mehr zum Hintergrund erfahren möchte, dem sei diese ausführliche Rezension und Analyse von Olga Mesropova auf KinoKultura.com ans Herz gelegt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo