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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp des Tages für den 8.4.: Interview mit einem Serienkiller

Was für ein Knüller: Ein Journalist trifft einen flüchtigen Serienkiller zum Exklusiv-Interview. Doch was hat der Mörder wirklich vor? Der Kurzfilm "Interview" ist unser TV-Tipp des Tages.

Einmachen à la Hannibal: Tillmann (Stephan Grossmann, r.) hat dem Journalisten Lennart (Florian Panzner, l.) ein Ohr mitgebracht.

Einmachen à la Hannibal: Tillmann (Stephan Grossmann, r.) hat dem Journalisten Lennart (Florian Panzner, l.) ein Ohr mitgebracht.

"Interview"
22.45 Uhr, EinsPlus
KURZFILM Der Mörder hat ein Ohr mitgebracht. Als Beweis dafür, dass er wirklich Tillmann (Stephan Grossmann), der Serienkiller, ist. 13 Frauen soll der Mann umgebracht haben, dem der ambitionierte Journalist Lennart (Florian Panzner) in einem Hotelzimmer gegenüber sitzt. Lennart hofft auf das ganz große Ding, das Exklusiv-Interview, das seine Karriere in ungeahnte Höhen katapultieren wird. Doch dann entwickelt sich das Gespräch zu Tillmanns ganz persönlichem Alptraum.

Der Moment, in dem du merkst, dass dir ein Interview entgleitet, gehört zu den frustrierendsten Erlebnissen als Journalist. Ich muss dann immer an diese Szene auf Youtube denken, in der Klaus Kinski eine junge Reporterin zusammenstaucht. Ganz so schlimm war es bei mir glücklicherweise noch nie. Aber manchmal passiert es einfach: Dein Gegenüber verliert das Interesse am Gespräch, fühlt sich durch eine Frage persönlich beleidigt, macht plötzlich dicht. Am schlimmsten ist es, wenn man sich dabei ertappt fühlt, selbst viel zu schlecht vorbereitet zu sein. Weil man dachte, man wüsste schon genug über die Person. Oder weil man schlicht nicht genug Zeit hatte.

Eine gewisse Spannung ist also in jeder Interviewsituation angelegt. Regisseur Sebastian Marka und Drehbuchautor Michael Proehl ("Tatort") treiben sie mit dieser Figurenkonstellation auf die Spitze. Das Angenehme: Mehr als 19 Minuten brauchen sie nicht, um ihre Geschichte zu erzählen. So entstand 2009 dieses wahnsinnig dichte Kammerspiel, in dem die beiden deutschen Filmemacher gekonnt mit den Klischees des Thrillergenres spielen. Einerseits bedienen sie die Erwartungen der Zuschauer (Sichwort "Sieben"), andererseits werden eben diese Erwartungen gekonnt unterlaufen.

Einziges Manko: Einen sanften Schlaf werden Sie nach erfolgreichem "Interview"-Konsum garantiert nicht haben. Aber welcher Thriller weckt schon gute Träume?

PS: Wer mehr über die Hintergründe zum Film erfahren will - in diesem Beitrag für Arte stehen die Macher von "Interview" Rede und Antwort. Und wer erst einmal hereinschnuppern möchte - auf Vimeo gibt es einen fünfminütigen Ausschnitt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo