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TV-Tipps 17.5: "Die Anonymen Romantiker": Sind wir nicht alle ein bisschen unsicher.. ?!

Die Franzosen mal wieder. Die Komödie "Die Anonymen Romantiker" ist schönes Plädoyer dafür, weniger Angst im Leben zu haben. Unser TV-Tipp des Tages.

Mitarbeiter aus der Schokoladenmanufaktur.

Mitarbeiter aus der Schokoladenmanufaktur.

"Die anonymen Romantiker"
21.55 Uhr, Bayern
KOMÖDIE Die Gesellschaft will uns perfekt - deswegen lernen wir schon ziemlich früh, unsere Ängste, Nöte und Sorgen zu verstecken. Bloß keine Schwäche zugeben, immer den besten Eindruck machen. Unsicherheit zu zeigen ist verpönt. Vor allem in der Arbeitswelt - und in der Liebe. Schließlich sind die anderen, unsere Chefs, Freunde und Arbeitskollegen doch auch so verdammt selbstbewusst, so unglaublich tough und durchsetzungsstark. Oder?

Angélique (Isabelle Carré) ist Chocolatière, mehr noch: eine Meisterin ihres Fachs. Doch sie hält ihr Talent geheim, weil sie nicht glaubt, mit dem Trubel klarzukommen, den diese Enthüllung mit sich bringt. Nur in einer Selbsthilfegruppe kann sie offen über ihre Gefühle sprechen. Der Mann, der Angélique zu Filmbeginn beim Vorstellungsgespräch gegenüber sitzt, ist noch gehemmter als sie selbst: Jean-René (Benoît Poelvoorde) nimmt Angélique nur deshalb, weil er Menschen gegenüber und Frauen im Speziellen so gehemmt ist, dass er die unangenehme Situation möglichst schnell beenden will.

Und weil sie diese eine Sache verstanden hat, die ihm so wichtig ist. Schokolade ist keine Süßigkeit, der "bittere Geschmack" ist wichtig, weiß Angélique. Mit einer guten Komödie verhält es sich ganz ähnlich. Sie darf uns nicht nur zum Lachen bringen wollen, mit Haudraufhumor und billigen Furzwitzen. Sie muss uns berühren, einen wunden Punkt treffen, über den wir Lachen UND Weinen können.

"Die anonymen Romantiker" macht das ganz gut. Der Film erfindet die Komödie sicher nicht neu. Aber er ist eine befreiende Erinnerung daran, dass jeder Mensch Unsicherheiten mit sich trägt. Und ein schönes Plädoyer dafür, weniger Angst im Leben zu haben.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Sex & Music"
22.10 Uhr, Arte
DOKUREIHE Im 3. Teil forschen Chloé Mahieu und Lila Pinell nach den Einflüssen schwul-lesbischer Subkultur auf die Musikszene. Die wiederum veränderte durch Künstler wie den androgynen David Bowie die sexuelle Wahrnehmung der Fans. Stars wie Suzi Quatro erinnern sich. (bis 23.05)

"Insider"
00.45 Uhr, ARD

THRILLER TV-Produzent Bergman (Al Pacino) will mit dem Chemiker (Russell Crowe) eines Zigarettenherstellers kriminelle Praktiken der Firma ans Licht bringen. Bald wird es dunkel um sie her. - Michael Manns Thriller ist die denkbar beste Alternative zur Zigarette vorm Schlafengehen. (bis 3.13)

"Die Reise des jungen Che"
20.15 Uhr, Servus TV

ROADMOVIE Medizinstudent Ernesto Guevara (Gael García Bernal) und Freund Alberto (Rodrigo de la Serna) starten 1952 von Buenos Aires zu einer Motorradreise durch Südamerika. – Nach den Tagebüchern des späteren Revolutionärs Che Guevara, warmherzig und ohne Pathos (bis 22.30)

"Die Braut trug Schwarz"
22.30 Uhr, Servus TV

THRILLER Ein Querschläger macht Braut Julie (Jeanne Moreau) schon auf den Stufen der Kirche zur Witwe. Die trauert nicht lang und knöpft sich von den fünf Verdächtigen einen nach dem anderen vor... Gilt trotz François Truffauts Dementi als Hommage an Alfred Hitchcock. (bis 0.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo