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TV-Tipps 2.5: Neue Serie "Orphan Black": Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Stellen Sie sich vor, Sie begegnen sich selbst - und das gleich mehrfach. Die Serie "Orphan Black" spielt dieses Szenario mit der gnadenlos guten Tatiana Maslany durch - unser TV-Tipp des Tages.

In wenigen Sekunden wird sich das Leben dieser Dame einschneidend verändern: Sarah Manning (Tatiana Maslany) begegnet einer Frau, die ihr frappierend ähnlich sieht

In wenigen Sekunden wird sich das Leben dieser Dame einschneidend verändern: Sarah Manning (Tatiana Maslany) begegnet einer Frau, die ihr frappierend ähnlich sieht

"Orphan Black"
22.00 Uhr, ZDFneo
SCIFI-SERIE Irgendwo in Deutschland lebt ein Mensch, der genauso aussieht wie ich. Ich habe meinen Doppelgänger noch nie persönlich getroffen. Aber viele meiner Freunde wollen mich an Orten gesehen haben, an denen ich niemals war. Wildfremde Menschen grüßen mich auf Partys wie einen alten Bekannten. Selbst ein Foto gibt es, allerdings mit einer urig-alten Handykamera geschossen. Das klingt zwar gruselig, macht mich aber neugierig: Wer ist dieser Typ? Hat "Jens-2" Familie? Ist er arm, reich? Was arbeitet er? Manchmal stelle ich mir dann vor, wie es wäre, für ein paar Tage die Rollen zu tauschen.

Der Rollentausch von zwei Menschen, die sich ähnlich sehen und doch grundverschieden sind, ist ein bewährtes Mittel in der Filmgeschichte, um Drama und Komik zu erzeugen. Doch so harmlos wie beim "Doppelten Lottchen" geht es in der kanadischen Scifi-Serie "Orphan Black" ganz und gar nicht zu.

Das beginnt schon damit, wie die Sarah Manning (Tatiana Maslany) von ihrer eigenen Doppelgängerin erfährt: Für einen kurzen Moment blicken sich die beiden auf einem Bahnsteig in die Augen - dann springt die Unbekannte vor einen Zug. Sarah, noch geschockt von dem gerade Erlebten, schnappt sich den Koffer, den ihr Lookalike zurück gelassen hat und beschließt, das Leben der Anderen anzunehmen. Doch plötzlich tauchen noch mehr Menschen auf, die Sarah frappierend ähnlich sehen ...

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Es macht einfach zu viel Spaß, dieser Serie dabei zuzusehen, wie sie Stück für Stück ihre Mysterien preisgibt und gleichzeitig neue schafft. Dass sich "Orphan Black" so wohltuend von dem bisweilen etwas lieblos produzierten Scifi-Serienstoff der vergangenen Jahre abhebt, ist aber vor allem Tatiana Maslany zu verdanken: Der 28-jährigen Schauspielerin gelingt es, jedem einzelnen ihrer Doppelgänger ein ganz eigenes Wesen aufzudrücken. Selbst in Szenen, in denen sie mit sich selbst spielen muss, kommt Maslany überzeugend rüber und verzettelt sich nicht in ihren multiplen Persönlichkeiten.

PS: Direkt im Anschluss an die Pilotfolge "Natürliche Selektion" zeigt ZDFneo die zweite Episode "Instinkt". Die restlichen zehn Episoden der ersten Staffel folgen immer freitags um 22.00 Uhr im Doppelpack.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die Spiegel-Affäre"
20.15 Uhr, Arte
POLITDRAMA Er predigt die atomare Aufrüstung und trinkt Bier mit dem Volk. Grund genug, um in Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (Francis Fulton-Smith) eine Gefahr für den Frieden zu sehen. 1962 lässt "Spiegel"-Herausgeber Augstein (Sebastian Rudolph) Infos aus dem Verteidigungsministerium beschaffen. Nach einem ersten Artikel schlägt Strauß zurück. Die Hamburger Redaktion wird besetzt, Augstein wegen Landesverrat verhaftet... Roland Suso Richter ("Mogadischu") verdichtet die Affäre zum Privatkrieg zwischen dem in die Enge getriebenen Strauß und einem kalt agierenden Augstein. Ein Rückblick ohne Dämonisierung des einen oder Idealisierung des anderen. (bis 21.55)

"Zwischen uns das Paradies"
21.45 Uhr, ZDFkultur

DRAMA Als der bosnische Fluglotse Amar seinen Job verliert, mutiert er zum strenggläubigen Muslim. Für Freundin Luna ändert das alles... Regisseurin Jasmila Zbanic beobachtet die Wandlung aus Lunas Sicht. Das bringt die Frauenfeindlichkeit des radikalen Islam zum Vorschein. (bis 23.20)

"Esmas Geheimnis"
23.20 Uhr, ZDFkultur

DRAMA Ihr Vater ist ein gefallener bosnischer Kriegsheld - das glaubt zumindest die 12-jährige Sara. Aber Mama scheint ihr etwas zu verschweigen. - Ein aufwühlendes Mutter-Tochter-Drama wider das Vergessen, das auf der Berlinale 2006 mit dem Goldenen Bären geehrt wurde. (bis 0.45)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo