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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipps 24.6.: "Shine a Light": Falten, Flirts und Satisfaction

Wer die Rolling Stones auf Tour verpasst hat, kann sich dank "Shine a light" ein Stück Rock 'n' Roll ins Wohnzimmer holen. Und Mick Jaggers Furchen von nahem sehen. Unser TV-Tipp des Tages.

"Shine a Light"
22.10 Uhr, ZDFkultur
KONZERTFILM In der Grundschule war der Stones-Hit "Let’s spend the night together" mein Lieblingssong. Im Poesiealbum sah das dann ungefähr so aus: "Läds bentde nait tugädder". Ich hatte ganz offensichtlich keine Ahnung, was mir da so gefiel, aber der Rhythmus, die Gitarren, das "Badabadabaddabadada" lösten irgendetwas in mir aus.

Später in den 90ern nahmen mich meine Eltern dann mit zu einem Open-Air-Gig der Stones – oder besser gesagt vor das Konzert. Schon damals waren Tickets schnell vergriffen und kosteten ein halbes Vermögen. Es dauerte noch gut zehn Jahre, bis ich Keith Richards, Mick Jagger, Charlie Watts und Ron Wood endlich live erlebte. Ich war begeistert.

Wer es noch nie zu einem Stones-Konzert geschafft hat, kann sich zum Glück ein wenig mit Martin Scorseses "Shine a Light" trösten. Dazu erst einmal den Fernseher aufdrehen, bitte - dieser Film muss laut geguckt werden. Die Rolling Stones geben 2006 ein Konzert in New York und es ist, als stünde man mit Mick Jagger auf der Bühne: Die Gitarren heulen, das Publikum schreit und wir können seine Falten einzeln zählen.

"Shine a Light" ist vor allem ein großartiger Konzertfilm. 14 zum Teil Oscar-prämierte Kameramänner fangen jede Sekunde von Hits wie "Jumping Jack Flash", "Satisfaction" oder "Brown Sugar" eindrucksvoll ein. Aber es ist auch eine Liebeserklärung Scorseses an die Band und ihre unglaubliche Power, die bis ins Rentenalter anhält. Was schön ist: Er würzt das Projekt mit einer guten Prise Humor. Selbstironisch beschreibt Scorsese die Schwierigkeiten, die beim Dreh auftraten - die Stones hatten bis kurz vor dem Auftritt beispielsweise keine Setlist fertig. Oder schneidet Ausschnitte aus alten Interviews zwischen die Songs, in denen Jagger, Richards und Co. über das Älterwerden philosophieren.

Tatsächlich ist es fast schon unheimlich, wie fit und agil Mick Jagger über die Bühne sprintet. Bei der Aufzeichnung war er bereits Anfang 60, das hinderte ihn aber nicht daran, ausgiebig mit Gastsängerin Christina Aguilera zu flirten. Auch der Bluesmusiker Buddy Guy und Jack White von den White Stripes dürfen zu Duetten auf die Bühne kommen - ihnen allen ist dabei die Bewunderung für die Rolling Stones ins Gesicht geschrieben. Denn: "It's only Rock 'n' Roll - but I like it". Und "Shine a Light" bringt ihn uns direkt ins Wohnzimmer.

Ein TV-Tipp von Sarah Stendel, Kulturredakteurin


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Mensch Bio"
22.45 Uhr, ARD

PORTRÄT "Das war ein großes Durcheinander", erinnert sich Alfred Biolek an die Zeit, in der er sich seiner Homosexualität bewusst wurde. Der Meister der Vereinfachung zog sich 2006 ins Privatleben zurück. Davor bewahrten ihn Ehrlichkeit und Nonchalance vor großen Schlagzeilen zu seiner Person. Passend dazu bleiben die stillen Momente seiner TV-Plaudereien im Gedächtnis. Für ein Porträt zu Bioleks 70. Geburtstag (am 10.7.) begleiteten Hendrik Fritzler und Sandra Maischberger den Altmeister zwei Jahre lang durch heimische Gefilde, reisten mit ihm zu seinem ehemaligen Lebensgefährten nach New York. Das intime Porträt ist zugleich eine Zeitreise durch die deutsche Fernsehgeschichte. (bis 0.15)

"Open Range - Weites Land"
20.15 Uhr, Pro Sieben Maxx

EPOS Zwei umherziehende Cowboys (Kevin Costner, Robert Duvall) legen sich mit einem Rancher und seinen Mordgesellen an. - In seiner dritten Regiearbeit erzählt Hollywood-Star Costner mit einem selten gesehenen Realismus vom unrühmlichen Ende des Wilden Westens. (bis 23.05)

"Der Prozess von Budapest"
23.00 Uhr, Arte

DOKUMENTATION Von 2011 bis 2013 dauerte die Verhandlung gegen vier rechtsradikale Ungarn, die sechs Roma ermordeten, darunter ein Kind. Die Geheimdienste scheinen beteiligt gewesen zu sein. Beklemmend die Atmosphäre aus dem Gerichtssaal und die Ohnmacht der Hinterbliebenen. (bis 0.35)