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TV-Trend: Internet-Shows erobern das Fernsehen

Immer öfter schaffen ursprünglich fürs Internet produzierte Formate den Sprung ins Fernsehen. Für die Programmgestalter eine gute Sache: Schließlich liefern die Online-User auf diese Weise Inhalte zum Nulltarif.

Von Till Frommann

Da kann man noch so lange winken - niemand winkt auf dem Fernsehbildschirm zurück. Und Tuba spielen kann der Zuschauer noch so laut - "Tagesschau"-Sprecher Jens Riewa stört das beim Verlesen der Meldungen nicht im Geringsten. Denn das Fernsehen ist ein passives Medium: Man sitzt davor und guckt. Eigenbeteiligung ausgeschlossen. Ganz im Gegensatz zu Internet- und Videoplattformen wie "Youtube", "Myvideo" und "Clipfish". Wenn der Internetnutzer dort ein Machwerk hineinstellt, auf dem er beispielsweise Tuba spielt, kann dies von den Zuschauern kommentiert werden - und animiert diese vielleicht dazu, ihre eigenen Künste ins Netz zu stellen.

Vom Internet - dem aktiven Medium - zurück ins Fernsehen: Seit dem 22. Dezember zeigt Sat 1 freitags "Die MyVideo-Show". Internetvideos, die auf "Myvideo.de" veröffentlicht wurden, kommen nun ganz groß raus. Im Fernsehen. Dieser anitquierten Flimmerkiste, vor der der Zuschauer passiv sitzt und glotzt. Und Videoclips à la "Pleiten, Pech und Pannen" aus dem Internet konsumiert: Ein Junge balanciert auf einer Stange, rutscht ab und landet auf der Stelle, die bei solchen Unglücken ganz besonders schmerzt. Lustig? Nun ja. Das kennt man bereits seit Jahrzehnten aus dem Fernsehen.

Die "MyVideo-Show" zeigt außerdem Menschen mit besonderen Fähigkeiten: Jemand kann zum Beispiel ein ganzes Handy vollständig in sein Mund hineinfriemeln. Ganz, ganz großartig. Einige dieser beneidenswerten Menschen kommen in die "MyVideo-Show", um ihr Können dort noch einmal vor Publikum vorzuführen.

"JUH"-Show" auf Sat 1 Comedy

Auch die "Jens-Uwe Hansen Show" hat den Sprung ins Fernsehen geschafft: Der digitale Abosender Sat 1 Comedy zeigt die von der Ufa produzierte Internet-Show, in deren Mittelpunkt eine charismatische Stoffpuppe namens Jens-Uwe Hansen steht. Hansen erzählt viel aus seinem fiktiven Leben und präsentiert nebenbei lustige Videos aus dem Internet, die von den Zuschauern eingeschickt werden. Die "JUH-Show" ist seit ein paar Tagen bei stern.de zu sehen.

Ab dem 18.1. wird Super RTL mit der Sendung "Webmix - Das Lustigste aus dem Internet" ebenfalls die wunderbare Welt des Word Wide Web in die Fernsehwelt hineinquetschen. "Nach Eigenproduktionen wie 'Upps! Die Pannenshow', in der wir Homevideos gezeigt haben und 'Witzig, spritzig', in der wir Werbespots präsentierten, zeigen wir jetzt lustige Filme aus dem Internet", erklärt Carsten Göttel, Programmdirektor von Super RTL.

ProSiebenSat.1 ist an "MyVideo.de"

Das klingt konsequent: Ähnliche Filme und eine ähnliche Masche für verschiedene Fernsehsendungen. Nun also Filmchen von überall aus dem Internet - womöglich vom Videoportal Clipfish.de, welches zur Sendergruppe von RTL gehört? Bei den ersten drei Sendungen werde es, so Göttel, keine Kooperation mit dem Videoportal geben, obwohl Clipfish die Sendungen präsentieren werde. "Aber das kann ja noch werden", sagt Göttel. Anders verhält es sich mit Sat 1 und der "MyVideo-Show": Mit 30 Prozent ist die ProSiebenSat.1 Media AG an "MyVideo.de" beteiligt.

"Die Fernsehsendung wirbt für die Videoplattform und umgekehrt", sagt Medienwissenschaftler Steffen Büffel. Er ist Mitarbeiter an der Universität Trier. Sein Fachgebiet ist das "Web 2.0" - also die interaktiven Komponenten des Internets wie eben diese Videoportale, bei denen Nutzer ihre eigenen Inhalte ins Internet stellen können. Diese Seiten werden laut Büffel gerade von "jungen Internetnutzern" besucht.

"Genau diese Zielgruppe steht in der Gunst der Werbetreibenden an vorderster Stelle und ist somit auch für die Fernsehmacher von großem Interesse", sagt er. "Deshalb ist es nur konsequent, zu versuchen, den wachsenden Erfolg der Videoplattformen im Web auch für das klassische Fernsehen zu erschließen und über solche Sendeformate weiter zu verstärken." "Einen Trend im Internet, der einen so großen Zuspruch findet und auch noch mit bewegten Bildern zu tun hat, sollten wir als Fernsehmacher nicht ignorieren", bestätigt Edda Kraft, vormals Sat1-"Show"-Leiterin, jetzt Unterhaltungschefin des Senders. "Wir wären dumm, wenn wir das nicht aufgreifen würden."

Show und Videoportal würden voneinander partizipieren, sagt sie: "Myvideo.de ist eine erfolgreiche digitale Plattform, von der 'Die MyVideo-Show' ihre 25 besten Clips bezieht und so vielleicht unentdeckten Talenten einen Weg in eine Fernsehkarriere ermöglicht."

Inhalte zum Nulltarif

Genau dies kritisiert Medienwissenschaftler Steffen Büffel: "Als Lockmittel wird die Illusion gegeben, dass man selbst im Rampenlicht stehen kann", sagt er. "Das Kalkül dahinter ist aber ein ganz anderes: Die User liefern Inhalte zum Nulltarif, inklusive der Verwertungsrechte, was zu verschwindend geringen Produktionskosten für die Fernsehsendung führt." Gleichzeitig würden die Video-Communities zu einem idealen Umfeld für zielgruppenspezifische Werbung heranwachsen.

Videos aus dem interaktiven Internet im passiven Couchkartoffelmedium Fernsehen - nur ein kurzer Trend, der schnell wieder verwehen wird? Super RTL-Programmdirektor Carsten Göttel verneint: "Internet- und Fernsehangebote sollten Hand in Hand gehen: Wenn es etwas gibt, was im Internet funktioniert, sollte man schauen, wie dies als Fernsehsendung laufen könnte - und umgekehrt."

"Ich denke, dieser Trend befindet sich erst am Anfang", sagt auch Edda Kraft. "Da werden wir mit Sicherheit nicht die einzigen bleiben, die das erkennen - und zum Teil auch schon erkannt haben." Medienwissenschaftler Steffen Büffel hingegen ist sich nicht sicher, ob dies dauerhaft funktionieren werde. Er hält diese Sendungen für "billig hergestelltes Fernsehen". Sein Fazit: "Das hat mit Qualität nichts mehr zu tun".

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo