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ZDF-Film "Kongo": Knallharter Alltag, knallharter Film

Heute abend bietet das ZDF Ungesehenes: deutsche Militäreinsätze im Ausland als TV-Krimi. Der Film "Kongo" erzählt davon, was es heißt, Soldat zu sein. Als Zuschauer muss man einiges ertragen. Aber es lohnt sich.

Von Tobias Schmitz

Der Junge ist auf die Knie gesunken, schwitzt, betet, fleht um sein Leben. Der Soldat schießt trotzdem. Der Körper des Jungen fällt in den Dreck einer ärmlichen Hütte. Nach wenigen Sekunden ist sie da, die erste Leiche. Und bald kommt eine zweite hinzu. Ein Soldat begeht Selbstmord, Kopfschuss, Blut an den Wänden des Feldlagers. Es gibt viel zu ertragen in den ersten Minuten des Fernsehfilms "Kongo", den das ZDF heute zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr zeigt.

Und es geht weiter: ein totes Kind in Großaufnahme, wunderschön, ganz friedlich liegt es da, wie schlafend. Dann eine verzweifelte Frau, die das Auto der Soldaten mit einer Machete angreift, bis sie weinend in den afrikanischen Staub sinkt. Nein, das ist nicht die heile ZDF-Welt der Rosamunde Pilcher, auch nicht die von "Wetten, dass...?". Das ist die Welt von Angst, Verwundung, Tod. Das sind Bilder eines afrikanischen Krieges, in dem eiskalte Warlords Kindersoldaten verheizen. In dem auf der anderen Seite deutsche Soldaten als Angehörige einer Schutztruppe gegen die eigene Hilflosigkeit und Ohnmacht ankämpfen. Ein Lehrfilm über die Bundeswehr sieht anders aus.

"Kongo" ist überall

Mit "Kongo" ist der Alltag deutscher Soldaten in der Primetime des öffentlich-rechtlichen Fernsehens angekommen. Zwar gibt sich der 90-Minüter als gewöhnlicher Krimi - hübsche Militärpolizistin (Maria Simon) soll gegen den Willen eines Hauptmanns (Jörg Schüttauf) den Selbstmord eines Soldaten aufklären und kommt der Erschießung eines jungen Zivilisten auf die Spur. Doch die grundlegenden Fragen, die Regisseur Peter Keglevic und Drehbuchautor Alexander Adolph vor dem Hintergrund einer fiktionalen Handlung verhandeln, gehen viel tiefer: Was fühlt ein Soldat, der - getrennt von Frau, Kind und Freunden - am anderen Ende der Welt für eine abstrakte Sache kämpft?

Erstmals zeigt ein deutscher Fernsehfilm Auslandseinsätze der Bundeswehr aus Sicht derjenigen, die im Ernstfall Kopf und Körper hinhalten. Dabei ist "Kongo" - mit einem Budget von zwei Millionen Euro in Südafrika gedreht - eigentlich ein Film ohne Ort und Zeit. Das Land, um das es geht, fungiert nur als Platzhalter. Denn eigentlich ist jeder Platz auf Erden gemeint, wo deutsche Soldaten im Auftrag anderer kämpfen - zu allererst natürlich Afghanistan, wo inzwischen 44 deutsche Soldaten ihr Leben ließen.

Kein Respekt - nicht mal zu Hause

Und der Alltag jener Männer und Frauen sieht überall auf der Welt so ganz anders aus, als es harmlose Worte wie "asymmetrische Konfliktsituation" vermuten lassen: endlose, zermürbende Routine, permanent unterlegt von Anspannung und Angst. Ein lauernder Feind. Gefechte. Tod und Verletzung. Das Klima heiß oder feucht oder beides. Schlechte Ausrüstung. Diffuse militärische Ziele.

So etwas ist, das müssen auch die jungen Soldaten in "Kongo" feststellen, kein Abenteuer, sondern eine Katastrophe. Zumal, wenn sich in der Heimat kein Mensch für die Strapazen und Entbehrungen der Friedenssicherer und Aufbauhelfer interessiert. "Respekt habe ich ja noch nicht mal zu Hause, wenn ich die Nachrichten anschalte", klagt ein Soldat verbittert.

"Superrealistisch"

"Kongo" will kein Heldenepos sein, sondern den emotionalen Gefechtslagen von Menschen in Uniform nachspüren. Damit das gelingen kann, griff Produzent Christian Granderath auf die Hilfe von aktiven Bundeswehrsoldaten und eines Militärhistorikers zurück. "Vom Bundesverteidigungsministerium gab es eher keine echte Unterstützung", so Granderath, "die mauerten, wie in anderen Fällen auch, und haben uns lediglich PR-Offiziere als Gesprächspartner genannt und keine einfache Soldaten."

Die fanden die Produzenten dann über Umwege aber doch: Feldjägerin Oberleutnant Nadine Hübner erzählte dem Filmteam in langen Gesprächen von ihrem Alltag - auch in Afghanistan. Und sie sagt: "Ich finde mich in 'Kongo' wieder. Die Entbehrungen, die Belastungen, die Kameradschaft - das alles ist superrealistisch dargestellt."

Lob kommt auch vom Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant Ulrich Kirsch: "Die Darstellung des Alltags im Feldlager kommt der Wirklichkeit außerordentlich nahe. Dieser knallharte Film entspricht der knallharten Situation der Soldaten."

"Kongo", heute Abend, 20.15 Uhr, ZDF

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