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"American Idol": Paula Abdul wirft Castingshow Sensationsgier vor

Schwere Vorwürfe an die Macher der Casting-Show "American Idol": Jurorin Paula Abdul beschuldigt die Produzenten, mitverantwortlich am Freitod einer Stalkerin zu sein, die sich vor dem Haus der Sängerin umgebracht hatte. Und lenkt damit von ihrer eigenen Mitschuld ab.

Von Jens Maier

18 Jahre lang hatte sie Paula Abdul vergöttert, ihr Briefe geschrieben, einen Fanclub gegründet. Doch bis zu dem Tag, als sie 2005 in der US-Castingshow "American Idol" vorsingen durfte, war sie ihrem Idol nie persönlich begegnet. Danach fand eine dramatische Wende im Leben der Stalkerin Paula Goodspeed statt, die schließlich bis zum Freitod vor der Haustür ihres Vorbilds Paula Abdul führte. In einem Interview hat Abdul, Jurorin der "DSDS"-ähnlichen Show, jetzt schwere Vorwürfe gegen die Produzenten erhoben: Aus Sensationsgier hätten diese Goodspeed vorsingen lassen.

"Ich sagte, dieses Mädchen ist eine Stalkerin, bitte lasst sie nicht in die Show. Ich war erschüttert", äußerte sich Paula Abdul am Montagabend in der Radio-Show der US-Journalistin Barbara Walters. Obwohl sie die Produzenten vor dem Auftritt gewarnt habe und bekannt gewesen sei, dass Goodspeed sie seit Jahren belästigt habe, hätten diese sich wegen des "Unterhaltungswerts" für ein Vorsingen der damals 27-Jährigen entschieden. "Es hat ihnen Spaß gemacht, mich diesem Druck auszusetzen", sagte Abdul. Sie sei schockiert gewesen.

Jury macht Goodspeeds Aftritt lächerlich

Indirekt wirft Abdul den Produzenten damit eine Mitschuld am Selbstmord Goodspeeds vor, die sich am 12. November diesen Jahres, ihrem 30. Geburtstag, vor dem Haus der Sängerin in Los Angeles in einem Auto das Leben genommen hatte. Denn Goodspeed war in der Casting-Show am Jury-Votum gescheitert und erlangte durch ihren schlechten Auftritt traurige Berühmtheit. "Sie hat vielleicht gespürt, dass ihr bisheriges Leben zu Ende ist, weil sie in der Show kritisiert wurde", erklärte Psychologin Dr. Bethany Marshall den Suizid im US-Fernsehen. Offenbar hatte die harte Kritik Goodspeed psychisch stark belastet und schließlich bis zum Selbstmord getrieben.

Insbesondere Juror Simon Cowell, der bei "American Idol" den gleichen Status wie Dieter Bohlen bei "Deutschland sucht den Superstar" hat, war mit Goodspeed hart ins Gericht gegangen. Zu ihrer Zahnspange sagte er damals: "Ich weiß nicht, wie man mit so viel Metall im Mund singen kann." Anschließend fragte er, wie sie es damit durch den Metalldetektor geschafft habe. Aber auch Abdul saß damals in der Jury und hatte Goodspeed ein "Nein" gegeben. Ein Fakt, an den sie sich heute offenbar nur ungern erinnert.

Abduls eigenes Versagen

Abdul sieht sich lieber selbst als Opfer. Sie sei so schockiert gewesen ihre Stalkerin zu sehen, dass sie während des Vorsingens nicht zu Goodspeed habe aufschauen können, sagte Abdul jetzt im Radio-Interview mit Walters. Ein Video der Sendung auf "Youtube" würde das belegen. Tatsächlich ist darauf zu sehen, wie Abdul erschüttert den Kopf in die Hände legt, wie betroffen sie ihren Mit-Juroren Cowell anschaut, als dieser seine Zahnspangen-Hasstiraden äußert. Abdul verteidigt Goodspeed sogar an einer Stelle: "Ja, Leute können mit Zahnspangen singen", sagt sie zu Cowell. Das Video belegt allerdings auch das komplette Versagen der Sängerin und Jurorin.

Obwohl sie wusste, dass vor ihr eine psychisch kranke Stalkerin steht, hat sie die Show nicht abgebrochen. Niemand hätte sie daran hindern können, aufzustehen und zu gehen. Und auch nach der Ausstrahlung der Show hat Abdul versagt. Goodspeed hatte anschließend immer öfter versucht, Abdul vor deren Haus aufzulauern. Statt ihr psychologische Hilfe zukommen zu lassen, rief Abdul die Polizei, um die kranke Frau zu vertreiben. Wenn die Sängerin den Machern der Casting-Show jetzt eine Mitschuld am Selbstmord Goodspeeds vorhält, muss sie sich damit diesen Vorwurf selbst auch gefallen lassen.