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"Dirty Dancing"-Premiere in Oberhausen: Paris Hilton statt Gesang

Als Kinofilm war "Dirty Dancing" vor allem dank der Musik ein Supererfolg. Auf die Musical-Bühne lässt sich das nur bedingt übertragen. Daran krankt auch die Oberhausener Neuinszenierung, die viel Tanz und Musik, aber kaum Gesang bietet.

"Dirty Dancing" füllte in den 80er Jahren die Kinokassen und brachte Tanzschulen einen Mambo-Boom. Doch als Musical hat die Romanze um den muskulösen Tanzlehrer Johnny und das tapfere Landei Frances ein Problem: Hochleistungstanzen und Gesang vertragen sich nicht, weil man keuchend keinen Ton trifft. Darunter leidet auch die ansonsten engagierte Musical-Inszenierung, die am Mittwoch in Oberhausen Premiere feierte. Als Sprechstück mit Orchester, tollen Tanzeinlagen, aber nur wenigen Liedern entfaltet sich der Glanz des Schmachtfetzens nicht so recht.

Daran änderten auch bekannte Premierengäste wie Paris Hilton wenig. Sie habe den Film schon oft gesehen und kenne ihn sehr gut. Sie würde sich wünschen, auch so toll tanzen zu können, gab sie am roten Teppich in Netzstrümpfen und mit geschätzten 15-Zentimeter-Absätzen zu Protokoll.

Intime Textkenntnis bewiesen auch die übrigen - zum Gutteil weiblichen - Premierenzuschauer. Mancher aus dem Film bekannte Satz wurde mit Szenenapplaus oder einem wohligen Seufzen begrüßt - allen voran die Schlüsselszene: Als Underdog Johnny dem abweisenden Vater Doktor Houseman die Tochter Richtung Tanzfläche entführt und dazu sagt: "Mein Baby gehört zu mir", jubelt das Publikum.

Lange Beine, schnelle Schritte, holpriges Baby

Dann folgt der berühmte Sprung in die starken Arme des Geliebten und die Hebefigur hoch über dem Kopf, die Amateure im Ruhrgebiet inzwischen schon in organisierten Schwimmbad-Wettbewerben einstudieren. Ein Traum - der aber in der Erinnerung an den Kinofilm süßer war. Auf der Bühne fehlen einfach die schnellen Zwischenschnitte, die dem Film Dynamik geben, und auch der Raum der großen Halle: Als Johnny im Musical vom runden Podest herunterspringt, um später seine Partnerin in Empfang zu nehmen, landet er gefährlich nahe am Bühnenrand.

Am Ende gibt es viel Applaus. "Johnny" Dániel Rákász war vielleicht ein bisschen hölzern im Dialog, dafür ein toller Macho-Mambo-Tänzer. "Frances" Jenny Bach spielte die idealistische Bürgertochter überzeugend, konnte ihrem Partner tänzerisch aber nur bedingt folgen. Das Orchester unter der aufwendigen Dreh- und Hebebühne spielt dynamisch und knackig auf den Punkt, und für wirkliche Begeisterung sorgt "Penny" Alisa Nikolaus, die mit Dynamik, Gelenkigkeit und unfassbar langen Beinen alle anderen Akteure an die Wand tanzt.

Von Rolf Schraa/DPA / DPA