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"Ein Mann. Ein Buch.": Gebrauchsanweisung für Männer

Die Männer von heute haben es nicht leicht: Sie sollen emotional sein und gleichzeitig hart im nehmen, Geld verdienen und dennoch genug Zeit für Kind und Kegel aufbringen, kochen, basteln und bügeln. "Ein Mann. Ein Buch." listet auf, was Kerle wissen und können sollten - zumindest aus Männersicht.

Wem das zu viel wird, dem sei hiermit geholfen: Auf knapp 400 Seiten listen die Autoren Eduard Augustin, Philipp von Keisenberg und Christian Zaschke in ihrem Werk "Ein Mann. Ein Buch." alles auf, was Kerle wissen und können sollten - zumindest aus Männersicht. Dass dabei nicht alle Vorschläge erstrebenswert sind, erörtert stern.de-Redakteurin Julia Mäurer, die in der zehn Kapitel umfassenden Männerbibel geschmökert hat.

Der Mann im Haus

Streng genommen sind der Mann und das Haus zwei Dinge, die von vornherein nicht zusammen passen. Es sei denn, es handelt sich um das Bastelbüro im Keller oder die hauseigene Bar. Ein Loch bohren, Regale bauen, anstreichen, lackieren, tapezieren - das sind im Wesentlichen die Tätigkeiten, auf die der Durchschnittsmann im Haus beschränkt ist. Wie gut, dass ihm die drei Autoren das auch noch einmal schriftlich bestätigen. Vor eine Herausforderung stellen sie ihre Geschlechtsgenossen allerdings doch noch: Ein Ei perfekt aufzuschlagen. Die meisten Männer sind nicht mal in der Lage ein Ei richtig zu kochen, geschweige denn es sauber zu trennen.

Der Mann und die Natur

Hier ist er frei, hier darf er's sein. Rasen mähen, einen Baum pflanzen, zelten gehen: alles männliche Tugenden, die die Autoren von einem echten Kerl erwarten - und es wird ein Leichtes sein, sie zu erfüllen. Es sei denn, man ist mit dem Gesicht vorm PC und der Hand auf der Spielekonsole aufgewachsen, anstatt im Freien den Kirschbaum zu erobern und die Schienbeine auf dem Bolzplatz blutig zu spielen. Als besonders männlich gelten den Autoren die Kerle, die sich nach dem Sternenbild orientieren können. Klingt gut. Nur leider sind die wenigsten Männer dazu in der Lage, sondern überlassen das Route planen lieber ihrem besten Freund, dem Navigationsgerät.

Der Mann in Gefahr

Gute Frage, nächste Frage: Denn wann wähnt sich ein Mann jemals in Gefahr? Nie. Es sei denn, er findet sich in prekären Situationen wieder, wie etwa tanzen zu müssen, ohne tanzen zu können. Die Geburt eines Kindes oder der Platz als Beifahrer im Auto sind weitere emotionale Herausforderungen für fast jeden Typen. Einen Zug anhalten oder eine Bombe entschärfen, das muss nun wirklich nicht sein. Denn mal ehrlich: Die meisten Männer würden dabei einfach nicht so cool aussehen wie James Bond.

Der gepflegte Mann

Ein wichtiges Kapitel. Denn immerhin gibt es inzwischen unzählige Typen, die eine größere Auswahl an Kosmetik im Bad stehen haben als eine Frau. Um das direkt vorweg zu nehmen: Ein Mann darf im Bad NICHT länger brauchen als eine Frau. Was er hingegen regelmäßig und gründlich tun sollte, ist sich rasieren. Gegen einen sexy Dreitagebart ist nichts einzuwenden, keineswegs, unheimlich wird es erst dann, wenn das männliche Barthaar so wuchert wie einst bei Murat Kurnaz. Gleiches gilt übrigens für Haare in den Ohren und in der Nase. Die gehören da einfach nicht hin. Über altmodische Accessoires wie eine Fliege oder ein Einstecktuch lässt sich sicher auch streiten, es sei denn man ist Uwe Wesp, der ZDF-Meteorologe im Ruhestand, der ohne Fliege offensichtlich nicht lebensfähig war. Aber welcher Mann will schon sein wie Uwe Wesp?

Der Mann in Gesellschaft

Ein wichtiges Thema, denn hier ist nicht der Mann in Gesellschaft seiner rauchenden und trinkenden Stammtischbrüder gemeint, sondern in Begleitung einer Frau. Da sollte er eine gepflegte Konversation führen, im Restaurant Trinkgeld geben, eine Weinflasche öffnen und einen Hummer zerlegen können. Wenn das alles nicht klappt, sei zur Beruhigung gesagt, ein Flachmann in der Tasche tut’s auch. Dann muss der Herr nur die passende Frau finden, die auch ansetzt.

Der Mann in Bewegung

Viele Typen bewegen sich am liebsten sitzend, in einem teuren Auto oder trippelnd mit dem Ball vor den Füßen fort. Egal wie, Hauptsache, das Gefährt ist groß, laut und auffällig. Da kommt der Traktor gerade so recht wie der Porsche. Oder eben der Fußball. Die meisten Männer werden ja damit geboren. Er klebt ihnen am Bein wie ein Wurmfortsatz. Hat keine richtige Funktion, ist aber für die Laune vieler Kerle immens wichtig. Aber mal ganz ehrlich: Möchte man einen Mann, der Eiskunstlaufen betreibt? Dann doch lieber verschwitzte Bolzplatz-Kerle.

Männer unter sich

Will man wissen, was Männer machen, wenn sie unter ihresgleichen sind? Dinge wie die Bierflasche mit den Zähnen öffnen oder eine Schlägerei möglichst unbeschadet überstehen, fallen wohl unter albernes Kräftemessen, das Männer von klein auf gern betreiben. Im Gefängnis zu sitzen oder katholischer Priester zu werden, wie es die Autoren vorschlagen, sind hingegen Ziele, die es nicht wirklich zu erreichen gilt, um als männlich eingestuft zu werden. Da lobt man sich dann doch die mit den Zähnen geöffnete Bierflasche.

Der Mann und die Frau

Schwieriges Thema. Das in einem Kapitel und auf knapp 40 Seiten natürlich nur angerissen, keinesfalls tiefgründig erörtert werden kann. Da wären grundlegende Sachen, die vielleicht ein wenig altmodisch klingen: Frauen wollen Blumen geschenkt bekommen, man sollte ihnen zuhören, wenn sie etwas erzählen und gegen eine Einladung zum Essen gibt es auch nur selten Widerspruch - es sei denn er ist vorgetäuscht. Einen Vorschlag der Autoren sollten sich die männlichen Leser allerdings zu Herzen nehmen: Ruhig bleiben, wenn SIE am Steuer sitzt. Denn dazu gibt es meist nicht den geringsten Anlass.

Der Mann und die Kultur

Pokern, ein schönes Pils zapfen, einem Amerikaner Abseits erklären - die männliche Vorstellung davon, was unter den Begriff Kultur fällt, ist eine sehr eigene. Immerhin: Bücher, Filme und CD haben es auch in das Ranking der Autoren geschafft. Die Auswahl lässt allerdings etwas zu wünschen übrig. Oder möchten Sie das Werk "Lob der Stiefmutter" auf dem Nachttisch ihres Liebsten liegen sehen?

Der alte Mann

Ja, liebe Männer, so traurig es ist, aber auch ihr müsst die Zeichen der Zeit erkennen und könnt das Altern nicht aufhalten. Generell ist das wohl ein Thema, über das die Herren nicht gern reden. Oder wie ist es zu erklären, das ihm die Autoren gerade mal magere 33 Seiten widmen? Da wird das leidige Thema Haarausfall ebenso schnell abgehandelt wie die Dauerbrenner Krankheit und Midlife-Crisis. Immerhin einige Vorteile bringt der Reifeprozess mit sich, man kann in Ruhe Rosen züchten, Viagra nehmen oder Papst werden - aber will man das alles?

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