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SCHEIBE: Ein Kreuz mit der Technik

Gleich in den Müll werfen oder aufbewahren, bis sie gebraucht wird - und sie dann wütend entsorgen: Es ist ein Graus mit Gebrauchsanweisungen.

Gebrauchsanweisungen zu neuen technischen Geräten werfe ich gleich in den Müll, weil sie in der Regel nichts taugen und nur meine Zeit verschwenden. Beim Kauf meines neuen Monitors war ich allerdings gerne bereit, den Mülleimer noch einmal mit beiden Händen zu durchsuchen, um das Handbuch wiederzufinden. Allein - es hat auch nichts mehr genutzt.

Der DDR-Scanner erspart das Handy

Man hat so seine Befindlichkeiten. Meine steigen mit den Jahren zunehmend an. Erst habe ich mit dem Rauchen aufgehört, weil ich irgendwann den Glauben daran verloren habe, dass mein mit Cola und Schokolade gestählter Körper unzerstörbar ist. Seitdem glotze ich Tag für Tag über zehn Stunden lang auf meinen 21-Zoll-Röhrenmonitor. Handy-Strahlung und zerkochte Strahlenohren? Vergiss es! Ein Röhrenmonitor soll viel mehr Elektrosmog ausstoßen und mehr Röntgenstrahlen emittieren als die heimlichen DDR-Autoscanner an der ehemaligen Grenze.

Bin ich gerettet?

Also habe ich trotz hypochondrischer Strahlungsleiden ausgeharrt und noch ein bisschen gewartet, bevor ich die Redaktionskasse leer machte und zum Kauf blies. Immerhin so lange, bis die Preise für LCD-Bildschirme der Größe 21 Zoll auf ein verträgliches Level gefallen waren. Die Monitore der neuen Generation sind ultraflach und erlauben es, endlich einmal frontal davor zu sitzen als aufgrund der immensen Tiefe der Röhrenmonitore immer nur seitwärts auf die schräg gestellte Mattscheibe schielen zu müssen. Die neuen Monitore flimmern nicht. Und sie sind absolut strahlungsarm. Bin ich gerettet?

Als Computerfreak bekommt man irgendwann eine innige Beziehung zu Kabeln und Peripheriegeräten. Jeder Frickler, der etwas auf sich hält, wirft die Anleitung in den Müll und versucht in Eigenregie, die neuen Komponenten mit dem vorhandenen Material zu verbinden. Das gelingt in der Regel auch. Nicht so bei meinem neuen Monitor. Dem Boliden der Pixelkunst liegt ein eigener Koffer bei. Der enthält so viele Kabel und Adapter, dass man mit ihnen jeden HiFi- und Computerladen ausstatten könnte. Klarer Fall: Der superbreite Monitor kann für den PC verwendet werden, zugleich aber auch als Fernseher oder als Bildschirm für die Wiedergabe von DVD-Filmen dienen. Um den LCD-Bildschirm an jedes beliebige Gerät anschließen zu können, müssen halt all die Kabel her. Ich hab schon einen Fernseher und suche mir deswegen alle Kabel heraus, die allein für den PC-Anschluss in Frage kommen.

USB ist nicht VGA

Ein USB-Kabel? Ja, kann man damit denn heute schon Bilder übertragen? Ich schließe den Monitor erst an den Adapter und dann über ein zweites Kabel an die Stromquelle an. Schalte ihn ein. Dann verbinde ich den Computer über das USB-Kabel mit dem Computer. Nichts passiert. Herr Franz kommt rüber und schüttelt den Kopf. So ganz zufrieden ist er mit meinen Hardware-Kenntnissen doch noch nicht. Er greift in die Kiste mit den Kabeln und holt ein normales VGA-Kabel heraus. Aha: Das USB-Kabel ist also nur Staffage. Der Monitor hat zwei zusätzliche leere USB-Ports, so dass man seine Maus oder seinen PDA auch am Monitor anschließen kann. Völlig unsinnig, dieses Durchschleifen der USB-Ports. Das verwirrt mich nur.

Endlich habe ich alles verkabelt und den Monitor über ein OnScreen-Menü auf die VGA-Kabelage aufmerksam gemacht. Umgehend zeigt er meinen Windows-Desktop an. Aber wie! Oh Graus: Alle Buchstaben sind verzerrt, die Fenster sind unscharf und alles sieht fürchterlich aus. Habe ich mich so sehr ver-kauft? Da fällt mir ein, dass LCD-Monitore nur in einer ganz bestimmten Auflösung perfekt funktionieren. In allen anderen Auflösungen werden die benötigten Pixel interpoliert, was zu Qualitätsverlusten führen kann. Ich hole die schmalen Handbücher wieder aus dem Müll und wundere mich, dass ich nicht einmal ein Dutzend deutschsprachige Textseiten finde. Sie zeigen auf, welche Kabel in welche Geräte führen können. Über die perfekte Windows-Auflösung ist da aber nichts zu lesen. Ich installiere erst einmal den Monitor-Treiber. Schade, ein Feineinstellungsprogramm für Windows, wie es dem LCD-Monitor von Frau Junge beigelegen hat, ist hier nicht zu finden. Also probiere ich einfach alle Windows-Auflösungen nacheinander aus. Leider bleibt es dabei: Die Fenster sehen stark verzerrt aus. Das ist kein Zustand. Das Handbuch warnt nur davor, den Monitor nicht mit einem Fensterputzmittel einzusprühen, da dies zu einem Elektroschock führen könnte.

Der Vollbildmodus war's

Nach Stunden finde ich die Lösung. Mein neuer Monitor hat Überbreite, um auch als 16:9-Fernseher herhalten zu können - optimiert für die Wiedergabe von DVD-Filmen. Im OnScreen-Menü kann ich zwischen einer 1:1-Ansicht und einem Vollbildmodus hin und her wechseln. Schon schnurrt mein Fenster rechts und links zusammen. Jetzt habe ich zwar rechts und links einen vertikalen Balken neben meinem Desktop, kann aber den Desktop in gewohnter Schärfe betrachten. Na bitte. Warum wird so etwas im Handbuch nicht explizit erklärt? Mit etwas Mühe regele ich auch noch den Kontrast und die Helligkeit, bevor alle Änderungen gespeichert werden. Cool: Beim Abspielen von DVDs auf meinem PC kann ich wieder in den Vollbildmodus wechseln und das gestochen scharfe und sehr leuchtstarke Bild in voller Breite genießen. Ohne Verzerrungen. Da hat sich die Anschaffung ja doch noch gelohnt. Dass ich bei dem Preis allerdings noch nicht einmal gebrauchsfähige Handbücher vorfinde, die mir in vollständigen Sätzen jedes Detail meines Gerätes erklären, ist allerdings keine Frechheit, sondern ein Skandal.

Carsten Scheibe

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