"El Dude" Dudamel Dirigent rockt Hollywood


Wilde Frisur, extravagante Kleider und etwas Starallüren gehören in Hollywood zum guten Ton. Kein Problem für Gustavo Dudamel. Der übernimmt zwar erst 2009 die Leitung der Philharmonie in Los Angeles - aber schon jetzt macht er als "Dude" Schlagzeilen wie sonst nur Cruise und Pitt.
Von Frank Siering, L.A.

Sie nennen ihn liebevoll "The Dude", übersetzt heißt das soviel wie "der Kumpel" oder "der Typ". Gustavo Dudamel stört diese kalifornische Liebkosung nicht. Im Gegenteil, der neue Chefdirigent der Los Angeles Philharmonie findet seinen Kultstatus sogar recht amüsant: "Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, was sich hinter diesem Titel verbirgt", schmunzelt das musikalische "Wunderkind" ("LA Times") und klatscht munter in die Hände.

Gustavo Dudamel hat in LA einen Ruf wie Tom Cruise oder Bon Jovi. Ungewöhnlich für einen 27-Jährigen, der Mozart und Bartok statt "Mission Impossible" oder "Have a nice Day" in Szene setzt. Aber "El Dude" ist eben kein gewöhnlicher Dirigent. "Der Typ bewegt sich am Podest wie ein Rockstar", sagt Rudy Wiley, der in der Philharmonie Tickets verkauft. Und auch sonst verkörpert Dudamel nicht gerade den Typ des verkopften und schüchternen Orchesterleiters. Der verheiratete Lockenkopf ist laut und extrovertiert. Zu Empfängen taucht er in Jeans und T-Shirt auf, gern trägt auch mal eine Jacke mit der venezolanische Flagge drauf. Wenn er dirigiert, dann stellen sich Hollywood-Stars in die Schlange, um ein Autogramm zu erhaschen. Eva Mendes findet ihn "faszinierend", Jay Leno "umwerfend". Und Über-Architekt Frank Gehry, der die The Walt Disney Concert Hall in L.A. gebaut, freut sich darüber, dass Dudamel ihn nur "Pancho" nennt.

Der heißeste Newcomer der Klassik-Szene

Kein Wunder, dass "El Dude" auch die Privilegien genießt, die sonst nur einer wie David Beckham in L.A. für sich beanspruchen kann. Erstklassige Tickets für Los Angeles Lakers Spiele, Einladungen zu Privatpartys von Demi Moore oder Milliardär Eli Broad. Und das TV-Nachrichtenmagazin "60 Minutes" sendete vor kurzem einen Beitrag zu Dudamel, der ihn als "heißesten Newcomer der klassischen Musikszene seit Leonard Bernstein" bezeichnete.

Wer aber ist dieser "Dude", der doch erst 2009 die Leitung des Los Angeles Philharmonic Orchestra übernehmen soll und dessen Gastkonzerte schon Monate im Voraus bis auf den letzten Platz ausverkauft sind?

Geboren in Barquisimeto, Venezuela, im Jahre 1981, hatte der wilde Gustavo als Sohn eines Trombonen-Spielers und einer Vokalistin eigentlich kaum eine andere Möglichkeit, als in die Welt der klassischen Musik einzutauchen. Schon als Kind, so die Legende, habe er Spielzeugsoldaten in seinem Kinderzimmer dirigiert. Mit vier Jahren bekam er seine erste Geige geschenkt, mit fünf Jahren den ersten Dirigenten-Stock.

Klassik in L.A. ist eben anders als in Wien

Heute bezeichnet er seinen frühen Einstieg in die Musik als "Geschenk des Himmels". Und genau diese unbeschreibliche Leidenschaft ist es, die sich Dudamel erhalten hat und die ihn von seinen Kollegen unterscheidet. 1996 wurde er zum Musikdirektor des Amadeus Kammer Orchesters ernannt, nur drei Jahre später avancierte er zum Musikdirektor des Simon Bolivar Jugendorchesters. In seiner relativ jungen Karriere dirigierte er schon Orchester in Chicago, Boston, New York und Wien. Im Juni können sich auch die deutschen Klassik-Fans einen ersten Eindruck von "El Dude" machen. Dann nämlich soll er sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern geben. Unlängst dirigierte "El Dude" in der Philharmonie in Los Angeles. Zwei Wochen lang. Jeden Abend vor ausverkauftem Haus. Die Musik war wunderschön, Dudamel extraordinär. Eine One-Man-Show. Beim Presto pumpten seine Fäuste in die Luft, zum Einsatz von Tuba und Trommeln kickten seine Füße wild umher. Nassgeschwitzt drehte sich "El Dude" schließlich zum Publikum, die Arme siegreich in die Höhe gestreckt. Die Gäste, darunter Steven Spielberg, Tom Hanks und Jodie Foster, waren außer sich vor Begeisterung. Keine Frage, "El Dude" passt wunderbar in die Klassik-Szene der Entertainment-Metropole. Denn in Lala-Land haben Mozart und Beethoven halt doch so ein bisschen was von Tom Cruise und Will Smith.


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