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"Germany's next Topmodel": Baywatch-Nixen ohne Silikon

Episode zehn von "Germany's next Topmodel": In L.A. wohnen die Kandidatinnen in einer Luxusvilla, posieren wie Baywatch-Nixen in knallroten Badeanzügen, jammern über ihre Komplexe und zeigen wenig Biss. Die strenge Chefin Heidi ist schwer enttäuscht - und Sarah fliegt raus.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Wo bitte geht es denn hier zum nächsten Silikon-Busen? Nichts gegen naturbelassene Brüste, aber sie eignen sich einfach nicht für jeden Job. Wenn eine Frau zum Beispiel vor der ausgesprochen anspruchsvollen Aufgabe steht, in einem knallroten Badeanzug und mit einem kalifornischen Lächeln durch Meereswellen zu springen, dann ist sie gut beraten, wenn sie obenherum mit XXL-Formaten ausgerüstet ist. Anders wird sie wohl nie in die Fußspuren einer original Baywatch-Nixe treten können. Trotzdem, in Episode 10 von "Germany's next Topmodel" nahmen die noch übrig gebliebenen acht Mädchen die Herausforderung an. Unter der fachkompetenten Regie von Baywatch-Star Erika Eleniak traten die Nachwuchs-Schönheiten am Strand von Los Angeles im Baywatch-Outfit zu einem Fotoshooting an. Ist ansonsten deren knabenhafte Figur ein absoluter Pluspunkt, denn viele Modemacher sind quasi allergisch gegen eine Extraportion Brüste, so zeigte sich diesmal: wenig Busen ist ein schlechtes Argument. Als wäre die Angelegenheit nicht schon tragisch genug, kommt auch noch die gestrenge Oberlehrerin Heidi Klum daher und will "mehr Kurven im Körper" sehen.

Soll sich da noch einer auskennen. Wenn jedes Gramm Fett eine Todsünde ist, woher dann die weiblichen Rundungen nehmen? Okay, Heidi Klum, die ja irgendwie alles kann, ist dieses Kunststück geglückt, kaum ein Topmodel hat eine weiblichere Figur, aber die Heidi, die ist ja diesmal nicht dran. Quälen muss sich beispielsweise Kandidatin Jennifer mit ihren 16 Jahren, die als Baywatch-Weibchen ähnlich überzeugend wirkt wie, sollte sie es je versuchen, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Okay, zugegeben, der Vergleich ist übertrieben, aber es bleibt dabei: mit Sexappeal tun sich die jungen Damen dieses Mal schwer, aber wenigstens macht Janina, wie Chefin Heidi lobt, "immer das richtige Gesicht."

"Ich habe Angst, dass mein Gesicht macht, was es will"

Was ja auch ein Thema ist, denn zu oft muss Heidi Klum bekritteln, dass die Mädchen "Fragezeichen" auf der Stirn tragen, unschöne Falten also. Kein Wunder, dass Christina sich sorgt: "Ich habe Angst, dass mein Gesicht macht, was es will und nicht was es soll." Bleibt nur zu hoffen, dass sich diese Angst nicht zu einer schwer behandelbaren Phobie auswächst. Am besten man hört auch da wie üblich auf die Chefin, die zu folgender Präventivmaßnahme rät: "Denke immer: I am beautiful."

Das sagt sich so einfach daher, dabei werden die bildhübschen Damen längst von allerlei Komplexen geplagt. Glaube aber ja niemand, dass irgendeine ihre Unsicherheiten vertuschen kann, denn Heidi, die, wie sicher bereits erwähnt, alles kann, kommt garantiert dahinter. Und wenn sie es herauskriegt, dann ist mit der Chefin nicht zu spaßen. Kann man nur von Glück sagen, dass sie keine Peitsche in der Hand hält. Größten Frust bereitet ihr diesmal Sarah, die, welch Faux-Pas, vor der Jury in Tränen ausbricht, nachdem sie hinter den Kulissen mit Oberzicke Gisele einen saftigen Streit vom Zaun gebrochen hatte. Heidi ist fassungslos: "So etwas darf nicht passieren." Professionalität bedeute, und darauf besteht Heidi, seine Probleme aus dem Job raus zu lassen. Und überhaupt, so das Urteil der Jury über Sarah: "Dein Catwalk war total daneben. So etwas haben wir noch nie gesehen."

Heidi schwingt enttäuscht die Peitsche

Gut, wenn man in solchen Situationen Nerven wie Arnold Schwarzenegger hat. Hat Sarah aber nicht, ihr Selbstvertrauen rutscht weiter ab, bis in die dunkelste Kellerecke, das Aus lässt sich nicht mehr vermeiden - Sarah fliegt raus. Heidi kommentiert dazu mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldet: "Sarah hat sich keine Mühe mehr gegeben, sie hat nichts geleistet." Auch sonst brodelt es in Heidi, sie vermisst die Entschlossenheit und den festen Willen bei einigen Kandidatinnen: "Ehrlich, ich bin enttäuscht."

Über Heidis diktatorisches Regiment ist schon viel geschimpft worden, das heißt aber nicht, dass es nicht angebracht ist. Viele Mädchen zeigen tatsächlich zu wenig Kampfgeist, es fehlt der Biss, man begnügt sich damit, schön auszusehen. Geheult wird sowieso viel zu viel. Da schadet es den Hübschen sicher nicht, wenn ein paar Kakerlaken durch das Modelappartement laufen wie in Sydney. Doch das ist erstmal vorbei, denn die neue Behausung ist eine Luxusvilla in den Hollywood Hills, was die Kandidatinnen mit hysterisch-begeisterten Rufen bejubeln: "Ach, du Scheiße", "Ach, du meine Fresse." Heidi sorgt sich bereits in Übermutter-Manier: "Nicht, dass die Villa den Mädchen zu Kopf steigt."

Gedämpft ist nur die Stimmung bei Carolin, die ausgerechnet mit Spielverderberin Gisele in einem Bett schlafen muss. Lagerkoller-Gefahr droht übrigens noch nicht, auch wenn die Mädchen andeuten: "Wir sind 24 Stunden zusammen, das kann sich zuhause keiner vorstellen, was das bedeutet." Immerhin, die Konkurrenz wird kleiner und kleiner: nicht nur Sarah ist raus, auch Vanessa kommt nicht mehr zurück. Über Telefon teilt sie der Jury mit, dass sie sich nach ihrem gefährlichen Sturz nicht fit genug fühle, um weiterzumachen.

Statt Ellbogen-Mentalität waltet Mutter-Teresa-Milde

Weil es immer noch zu harmonisch läuft zwischen den Kandidatinnen, muss, verflixt noch mal, irgendeine Gemeinheit her. Also wird das Achtergespann damit beauftragt, zu diskutieren, wer zu einem Casting bei "Odd Molly" gehen darf - nur fünf Bewerberinnen sind erlaubt. Doch der ersehnte Zickenkrieg bleibt aus. Statt Ellbogen-Mentalität waltet Mutter-Teresa-Milde. Janina, Wanda und Jennifer verzichten freiwillig. Ihr Argument: sie hatten bisher ohnehin die meisten Jobs. Wer jetzt denkt, ach, wie süß, diese Mädels, der hat leider immer noch nicht begriffen, wo der Hase beziehungsweise die Heidi langläuft. Rücksichtnahme ist nur sentimentaler Quatsch! Vielleicht noch unter Kuschelrock-Fans gefragt, aber sonst: schlag die Konkurrenz gefälligst raus wie Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren aus dem Spiel! Folgerichtig wird Jennifer von der Chefin getadelt: "Du musst mehr an dich denken."

Fazit: harte Tage für die Mädels, noch härtere Tage für Heidi. Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens Ehemann Seal sie mit einem seiner Lovesongs in Schmusekätzchen-Stimmung bringt. Und wenn die Krallen dann erstmal eingefahren sind: Keine Angst, das ist nur vorübergehend.

  • Sylvie-Sophie Schindler