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RTL-Moderator "Mir fehlt jedes Verständnis": Günther Jauch schimpft über Ungeimpfte

Günther Jauch
Moderator Günther Jauch
© Soeren Stache / Picture Alliance
RTL-Moderator Günther Jauch hat in einem Interview Impfverweigerer kritisiert. Sie würden "eine ganze Gesellschaft in Geiselhaft" nehmen, sagte der 65-Jährige. Auch zum Impfwirbel um Harald Schmidt äußerte sich Jauch.

Moderator Günther Jauch hat kein Verständnis für Menschen, die eine Impfung gegen Covid-19 ablehnen. "Im Prinzip wäre die Impfung die Lösung, wenn sich alle konsequent impfen lassen würden. (...) Die Impfverweigerer nehmen eine ganze Gesellschaft in Geiselhaft, denn es ist ja unfassbar, wie viele Tote es gibt, wie unser Gesundheitssystem überfordert wird, wie Leute, die dringend Operationen brauchten, nicht drankommen. Und ganz wichtig: die ökonomischen Folgen für Millionen Menschen. Mir fehlt jedes Verständnis für Leute, die sich nicht impfen lassen wollen", sagte der 65-Jährige im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung".

Jauch selbst erkrankte im vergangenen Jahr an Corona. Als seine Infektion publik wurde, erschien fast zeitgleich eine Werbekampagne der Bundesregierung für die Impfung. Jauch wollte seine Beteiligung an der Aktion deshalb zurückziehen, weil er Sorge hatte, unglaubwürdig zu erscheinen. "Ich habe gesagt: Ihr müsst mich aus der Kampagne rausnehmen. Da hieß es, dass das technisch nicht mehr gehen würde. Das führte über Wochen zu einem Wahnsinns-Shitstorm. (...) Aus dieser Nummer kam ich nicht mehr raus", erzählte er. 

Über Harald Schmidt, dessen Impfstatus seit mehreren Monaten für Schlagzeilen sorgt, sagte Jauch: "Ich akzeptiere, dass er nicht sagen will, ob er geimpft ist. Es besteht schließlich keine Auskunftspflicht. Die Annahme, dass er ein chronischer Impfgegner ist, würde mich allerdings irritieren."

Günther Jauch schwärmt von Freundschaft mit Thomas Gottschalk

Wohlwollende Worte verlor er in dem Interview über seinen langjährigen Kollegen Thomas Gottschalk. "Wir sind seit fast einem halben Jahrhundert befreundet, obwohl wir sicher unterschiedlich ticken. Er ist einfach extrovertierter und im Kopf oft auch schneller als ich. Er nimmt die Welt mehr von der heiteren Seite, während ich doch zuweilen feststelle, dass das Glas statt halb voll eher halb leer ist. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich zum Weltuntergangspropheten tauge." Den enormen Erfolg der "Wetten, dass ..?"-Jubiläumsfolge erklärte Jauch mit einer gewissen Sehnsucht nach Nostalgie im Fernsehen. "Da sitzen die Kinder im Schlafanzug vor dem Fernseher, zusammen mit Eltern und Großeltern, bei Gummibärchen und Goldfischlis. Diese Art von 'Inklusionsfernsehen' hat Thomas für meine Begriffe immer perfekt bedient."

An seine eigene Talkshow bei der ARD hat Günther Jauch hingegen nicht so gute Erinnerungen. "Ich wollte das Beste aus der Welt des privaten Fernsehens und des öffentlich-rechtlichen zusammenführen und den Politikbegriff erweitern. Das ist mir aber nicht dauerhaft gelungen. Mir haben zu viele Menschen aus dem Sender reingeredet. (...) Das war so mühsam, dass ich oft ein Drittel meiner Kräfte gar nicht mehr in die Vorbereitung, sondern nur noch in die Verteidigung von Themen und Gästen stecken musste. Das hat mit der ARD zu Konflikten geführt, weil die mir vertraglich zugesicherte journalistische Unabhängigkeit nicht im für mich notwendigen Maß gegeben war. Ich habe meinen Vertrag nach drei Jahren mit Bauchschmerzen noch einmal verlängert, aber bei der nächsten Verlängerung klargemacht, dass ich so nicht weiterarbeiten möchte", schilderte Jauch die Situation.

Er moderierte die Talkshow "Günther Jauch" am Sonntagabend von 2011 bis 2015. Den Sendeplatz übernahm anschließend wieder Anne Will, die zuvor wegen Jauch auf den Mittwoch ausweichen musste.

Quelle:  "NZZ"

jum

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