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"Trash": Was ist in Madonnas Müll?

Leere Bierdosen, private Fotos, Windeln für Erwachsene - nur weil diese Dinge im Müll landen, ist man sie nicht los. Peinlich wird es, wenn Bruno Mouron und Pascal Rostain in der Tonne kramen.

Von Julia Mäurer

Gummihandschuhe gehören zu den wichtigsten Arbeitsutensilien von Bruno Mouron und Pascal Rostain. Die beiden französischen Fotografen leben von dem, was andere wegwerfen. Das ist gewöhnungsbedürftig und auch nicht ganz ungefährlich. Sollten sie erwischt werden, drohen ihnen bis zu 1.000 Dollar Strafe.

Das liegt daran, dass Mouron und Rostain keine gewöhnlichen Müllkippen nach Unrat durchforsten, sondern im Hausmüll von Prominenten stöbern. Um an den Müll von Stars wie Madonna zu kommen, müssen sie zunächst einmal Mauern und Maschendrahtzäune überwinden und nach bester Paparazzi-Manier das Grundstück entern.

Zunächst wühlten sich die beiden Fotografen durch die Mülltonnen französischer Prominenter - Brigitte Bardot, Yannick Noah, Gérard Depardieu - später bekam man dann auch zu sehen, dass Sharon Stone eine Vorliebe für Birnen aus der Dose pflegt und Bruce Willis Weichspüler mit Zitronenduft benutzt.

Was sie finden, in all den Säcken und Tonnen, wird von Mouron und Rostain akribisch gesäubert, auf schwarzem Samt arrangiert und anschließend abgelichtet. Fertig ist ein Kunstwerk, das sich rahmen und an die Wand hängen lässt. In fast 20 Jahren haben die Fotografen nicht nur jede Menge Müll zusammengetragen, sondern es auch geschafft, dass ihre Müllbilder in Museen als Kunst ausgestellt und für 6.000 Euro das Stück gehandelt werden.

Auf die Idee, den Müll von Prominenten abzulichten, sind Mouron und Rostain gekommen, als sie in der französischen Zeitung "Le Monde" den Aufsatz eines Soziologie-Professors lasen. Tenor: Müll ist nicht einfach nur Müll, sondern spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse und persönliche Vorlieben wieder. "Das Konsumverhalten eines Menschen verrät mehr über ihn als jedes Interview. An seinem Müll sieht man, wie ein Mensch lebt", fasst es Bruno Mouron zusammen.

Dabei lichten die Fotografen niemals intime Gegenstände wie Kondome oder leere Viagra-Schachteln ab. Die Dinge, die Mouron und Rostain aus den Mülltonnen zu Tage fördern sind sehr privat, bisweilen peinlich. Richtig Ärger gab's, als bei einer Ausstellung ein Foto auftauchte, auf dem der Müll von CNN-Talkmaster Larry King dokumentiert war. Darunter: Windeln. Allerdings keine Babywindeln, wie Mouron und Rostain angenommen hatten, sondern Windeln für Erwachsene. King verlangte, dass das Foto umgehend entfernt wird und ließ sich zu dem Kommentar hinreißen, dass er zwei Kinder mit seiner viel jüngeren Frau habe - "ohne Viagra".

Solche Episoden haben Mouron und Rostain bekannt gemacht, doch sie wollen nicht nur als Promimüll-Paparazzi verstanden werden. Vielmehr interpretieren sie das Thema Müll global und aus einer sozialkritischen Sicht. Die Abfalleimer Pekings durchforsten sie ebenso wie die stinkenden Tonnen in den Pariser Vorstädten. Ob diese Bilder allerdings ebenso aufmerksam betrachtet werden wie Madonnas Mülltonne sei dahin gestellt.