HOME

70. Geburtstag: Großverleger Hubert Burda will nicht in den Ruhestand

Er verlegt mehr als 260 Zeitschriftentitel weltweit, ist Kunstkenner, Mäzen und Stifter zahlreicher Preise. Das Haus ist gut bestellt und das Familienerbe enorm gewachsen: Hubert Burda könnte sich mit seinem 70. Geburtstag am Dienstag (9. Februar) eigentlich zur Ruhe setzen und den verdienten Lebensabend genießen.

Er verlegt mehr als 260 Zeitschriftentitel weltweit, ist Kunstkenner, Mäzen und Stifter zahlreicher Preise. Das Haus ist gut bestellt und das Familienerbe enorm gewachsen: Hubert Burda könnte sich mit seinem 70. Geburtstag am Dienstag (9. Februar) eigentlich zur Ruhe setzen und den verdienten Lebensabend genießen. Doch erwartet das niemand wirklich von dem agilen Badener, der als einer der ersten die Chancen des Internetzeitalters erkannt hat und seit Jahren Präsident der deutschen Zeitschriftenverleger ist.

"Ein Verleger muss immer mit den neuen Ideen gehen", heißt sein Motto - und so stieg er mit seinem Konzern ("Focus", "Bunte", "Elle", "Freundin", "Chip", "Playboy", "Superillu") früh in den Medienwandel ein. Im Jahr 2000 bündelt Hubert Burda Media die Internet-Unternehmen unter dem Dach der Focus Digital AG und geht an die Börse. "Wir leben in einer Schwellenzeit von den analogen zu den digitalen Medien", zitierte ihn das "Manager-Magazin" vor zwei Jahren anlässlich seiner Aufnahme in die "Manager Magazin Hall of Fame". Gleichwohl stellte Burda bei dem von ihm ins Leben gerufenen Kongress "Digital Life Design" (DLD) in München im Januar klar, dass es vor allem noch ökonomische Bremsen gibt: "Die Werbung im Internet gehört Google, und wir machen ein langes Gesicht."

Mutlos werden lässt dies einen wie Hubert Burda nicht. So wie die Seeleute seinerzeit die Kaufleute und ihre Handelsrouten zu Land nicht verdrängten, so werde das Internet nicht die Zeitschriften überflüssig machen, warnte Burda die digitale Branche vor allzu hochfahrenden Erwartungen. "Ihr seid Matrosen", ließ er sie wissen.

Burda Media ist aktuell Spitzenreiter bei der Gesamtreichweite nach Verlagsgruppen auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt (MA 10/I). Verleger Hubert Burda hat nie die Herausforderung gescheut. Nach Misserfolgen wie einer deutschen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes" oder der als "Bild"-Konkurrenz geplanten Boulevardzeitung "Super" gelang ihm ein in der Branche für unmöglich gehaltener Coup: Gemeinsam mit Chefredakteur und Freund Helmut Markwort nahm er 1993 den Kampf gegen den "Spiegel" auf und platzierte mit dem "Focus" erfolgreich ein zweites deutsches Nachrichtenmagazin.

Sein Gespür für Markt und Mode, Bambi und Boulevard, Kunst und Kommerz ist ebenso anerkannt wie sein gesellschaftliches Engagement. Der promovierte Kunsthistoriker ist Träger vieler Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz mit Stern, das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, der Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden, der Bayerische Printmedienpreis, die Jakob-Fugger-Medaille sowie die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Mit ausgelobten Preisen und Stiftungen, etwa der nach dem tragischen Tod seines Sohnes aus erster Ehe 2001 gegründeten Felix-Burda-Stiftung zur Prävention von Darmkrebs, engagiert sich Burda seit Jahren für Kunst und Gesellschaft.

Mehr als 100 Jahre ist die Familie Burda im Mediengeschäft, Hubert machte das Unternehmen zum Weltkonzern. Großvater Franz Burda startete die Dynastie - zunächst in Philippsburg und dann 1908 in Offenburg, wo bis heute der Stammsitz des Medienkonzerns ist. 1929 ging die Druckerei an den späteren Senator Franz Burda über, der zunächst vor allem mit einer Radioprogrammzeitschrift Erfolge feierte. Nach dem Krieg gründet auch seine Frau Aenne Burda einen Verlag und landet mit den legendären "Burda Moden" einen Dauererfolg.

Als jüngster von drei Söhnen zieht es Hubert 1960 zunächst zum Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie nach München. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1986 und einer Erbschaftsteilung mit seinen älteren Brüdern Franz und Frieder übernimmt Hubert Burda das Stammgeschäft mit den Verlagen, die damals 15 Zeitschriften in Deutschland publizieren. Ende 2009, kurz vor dem 70. Geburtstag, hat Burda die Nachfolge geregelt. Bis die beiden Kinder aus der Ehe mit Schauspielerin Maria Furtwängler, Jacob und Elisabeth, alt genug zum Einstieg ins Unternehmen sind, liegt der Vorstandsvorsitz bei Paul- Bernhard Kallen. Hubert Burda behält jedoch als Verleger und geschäftsführender Gesellschafter die Fäden weiter mit in der Hand. (Internet: www.hubert-burda-media.de)

Jutta Steinhoff, dpa / DPA