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Maria Furtwängler im Interview: Die Lindholm und der Frauenhandel

Im heutigen "Tatort" hat Maria Furtwängler als Kommissarin Lindholm mit Zwangsprostitution und Frauenhandel zu tun - ein Thema, das sie auch privat umtreibt.

Der ARD-"Tatort" am 9. und 16. Dezember dreht sich um Frauenhandel und Zwangsprostitution mitten in unserer Gesellschaft. Auf die Entscheidung für das heiße Thema hatte auch Maria Furtwängler Einfluss, wie die 46-Jährige in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa unterstreicht. Sie ist die Darstellerin der Hannoveraner Ermittlerin Charlotte Lindholm. Die promovierte Ärztin und Ehefrau des Großverlegers Hubert Burda ist auch im Privatleben sozial aktiv - so unterstützt sie ein Projekt gegen Zwangsprostitution auf den Philippinen.

Sie selbst haben das Thema "Frauenhandel aus Osteuropa" für den "Tatort" vorgeschlagen. Warum?

Ausschlaggebend dafür, dass ich das Thema beim NDR ins Gespräch gebracht habe, war ein Artikel in der "Welt am Sonntag", der das für Deutschland sehr genau beschrieben hat. Durch mein Engagement auf den Philippinen bei "Ärzte für die Dritte Welt" war ich für das Thema schon sensibilisiert. Wir unterstützen viele Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Es war also durchaus pro-aktiv von meiner Seite.

Waren bei so viel persönlicher Betroffenheit bei den Dreharbeiten Ihre Gefühle andere als sonst?

Erst einmal habe ich mich mit einem fantastischen BBC-Dokumentarfilm von Michael Palin vorbereitet. Der beschreibt das Schicksal von Mädchen aus einer Zuckerfabrik in Moldawien. Ich habe ihn mir mit meiner Tochter angesehen, die konnte gar nicht bis zu Ende zuschauen, so schockierend war er. Ich muss aber sagen, in dem Moment, wo ich etwas darstelle - also hier die Figur der Charlotte Lindholm -, spielt das inhaltliche, theoretische Wissen keine Rolle mehr. Eine besondere Herausforderung bezog sich in diesem Fall eher auf die beiden Teile. Das ist aufwendiger, man muss den Bogen einer Figur spannen für zweimal 90 Minuten. Das verlangt einen größeren Atem und man schaut schon noch mal genauer hin. Fragt sich, "Lohnt sich das?", "War das nötig?"

Zwangsprostitution ist ein grausiges Verbrechen. Ganz andere Frauenbilder stehen für Sie demnächst auf dem Programm. Einmal in Ihrer ersten Bühnenrolle - zum anderen wollen Sie ausgerechnet Leni Riefenstahl darstellen, wie man hört.

Ich mag die Charlotte Lindholm, kann und will sie noch nicht gehen lassen. Doch gleichzeitig bin ich natürlich neugierig. Das Bühne ist völlig anders als alles, was ich bisher getan habe. Ich glaube, das wird furchtbar aufregend. Theaterspiel ist ja sehr, sehr viel physischer als Fernsehen. Und ich habe auch eine sehr andere Rolle. Die Mrs. Gorman in "Gerüchte, Gerüchte" ist eine extrem naive, völlig von ihrem Mann abhängige, von ihm ferngesteuerte Frau. Die ist auch anrührend, aber eben so vollkommen anders als ich. Es handelt sich um eine Farce, eine Gaudi. Die Rolle der Riefenstahl hingegen möchten wir gern filmisch umsetzen. Ich bin in Gesprächen mit der Produktionsfirma Teamworx und Niki Stein als Autor und Regisseur. Es ist spannend und natürlich auch sehr politisch. Ich finde Riefenstahl sehr aufregend, unfassbar emanzipiert und widersprüchlich - ich habe ihr mal die Hand geschüttelt. Wir wollen sie nicht beschönigen - sie ist den Pakt mit dem Teufel eingegangen, keine Frage. Es könnte eine "Doktor-Faust"-Geschichte auf weiblich werden.

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nw/DPA / DPA