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Eilmeldung stört Zuschauer: Sonntagabend, 20.15 Uhr, "Tatort": Kein Platz fürs echte Verbrechen

Millionen Deutsche schalteten am Sonntagabend den Hannover-"Tatort" im Ersten ein. Dass die echte Welt mit echtem Blut und echten Toten in den TV-Abend platzte, verkrafteten einige Krimi-Liebhaber nicht. Die ARD entschuldigt sich.

"Tatort"-Zuschauer wollen Verbrechen sehen. Platzt das wahre Verbrechen in den TV-Abend, reagieren manche von ihnen verstimmt.

"Tatort"-Zuschauer wollen Verbrechen sehen. Platzt das wahre Verbrechen in den TV-Abend, reagieren manche von ihnen verstimmt.

Sonntagabend, "Tatort" - für Millionen Deutsche ein liebgewonnenes Ritual zum Wochenabschluss. An diesem Sonntag zeigte das Erste "Den Fall Holdt" aus Hannover, Kommissarin Charlotte Lindholm sollte die Entführung der Bankiersfrau Julia Holdt klären (hier lesen Sie ein Interview mit Schauspielerin Maria Furtwängler). Die Geschichte ist angelehnt an den Kriminalfall Maria Bögerl, die Frau eines Sparkassenchefs wurde 2010 in Heidenheim in Baden-Württemberg entführt, ihre Leiche Wochen später in einem Waldstück gefunden. Bis heute ist der Fall ungeklärt. Auch Lindholm konnte ihren Fall nicht lösen.

Für einige Zuschauer war mit diesen Parallelen das verträgliche Maß an Verbindungen zwischen TV-Krimiserie und Verbrechen in der realen Welt offenbar voll. Als die ARD im Laufe des Abends eine Eilmeldung zur tödlichen Schießerei in Sutherland Springs im US-Bundesstaat Texas einblendete - ein Mann hatte in einer Kirche das Feuer eröffnet und mehrere Menschen erschossen (einen Bericht lesen Sie hier) -, machten einige (wenige) "Tatort"-Zuschauer ihrem Ärger auf Twitter Luft: Schießerei? Passiert doch ständig. USA? Zu weit weg - oder, auch eine mögliche Reaktion: eben USA! Bei einer Schießerei in Syrien hätte die ARD sicher nichts eingeblendet.





Reaktionen, die nicht lange auf eines warten ließen: Gegenreaktionen.



Am Ende reagierte dann auch noch eine dritte Partei: der verantwortliche Sender. Auf der "Tatort"-Fanseite auf Facebook entschuldigte sich das Social-Media-Team des Ersten mehrfach bei verärgerten Zuschauern und verwies auf die Webseite der ARD: Dort könne man den Tatort "in voller Länge und ohne Einblendungen" nachgucken.


Social-Media-Tirade ausgestanden? Nicht ganz. Unmittelbar nach dem Statement der ARD meldeten sich auf Facebook weitere Zuschauer, die jetzt wiederum die Entschuldigung des Senders nicht gerne sahen. Die Einblendung sei "eure Pflicht", stattdessen sollten sich die Kritiker der Eilmeldung "für ihre Empathielosigkeit schämen", schrieb ein Nutzer auf Facebook. Ein anderer fasste auf Twitter zusammen: "Eilmeldung: Twitter meckert. Keine Eilmeldung: Twitter meckert."


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pg