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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick Karl, der Grusel-König


Robbie Williams findet Lagerfeld furchteinflößend, der hat's also leicht mit seinem Halloweenkostüm. Die Beckham geht als Klappergestell, Thommy und Flori als Kuschel-Duo - das reinste Gruselkabinett.
Von Stefan Mielchen

Nur noch wenige Tage bis Halloween, doch für manche unserer Lieblingspromis ist eigentlich immer Geisterstunde. Süßes oder Saures? Egal, denn einige brauchen nicht einmal ein Kostüm, um ihre Mitbürger nachhaltig zu erschrecken. So gestand Superstar Robbie Williams in dieser Woche, dass es ihn besonders vor Modezar Karl Lagerfeld grusele. Der zirka 79-Jährige scheint für den Sänger eine Art Hui Buh der Laufstege zu sein: "Als er einmal in eine Hotellobby kam, wo ich mich auch gerade aufhielt, musste ich mich hinter einem Stuhl verstecken – solche Angst jagt er mir ein", gestand Robbie den Spiritismus-Experten von "TV Spielfilm". Dabei ist Karl der Große eigentlich nur ob seiner flinken Zunge gefürchtet. Doch auf Williams wirkt er "wie der Bösewicht aus einem Disney-Film." Immerhin haben die in der Regel ein Happy End.

Ein solches zelebrierten auch die Schreckgespenster der deutschen Fernsehunterhaltung in dieser Woche. Thomas Gottschalk und Florian Silbereisen trafen sich auf Mallorca und haben sich ab sofort wieder lieb – auf die Verhöhnung folgt die Versöhnung. Der Show-Titan hatte den Schunkel-Titan in einem Vortrag vor Studenten zuvor als "größten Irrtum der Fernsehgeschichte" tituliert. "In so einer Situation verkaufst du als Entertainer für einen Gag auch deine Großmutter", entschuldigte der 62-Jährige seine Hammer-Pointe. Offenbar kann man an der Seite von Dieter Bohlen auch im Alter noch etwas lernen.

Im Zentralorgan jener Wahrheiten, die sich nur Mutige auszusprechen trauen, fand die verbale Freakshow nun ihr friedliches Ende. "Wenn man so klar wie ich zu Schlager und Volksmusik steht, muss man Lästereien aushalten können", erklärte Silbereisen ganz männlich seinen Hang zur musikalischen Marter. Viel schlimmer wäre es gewesen, von Gottschalk nicht erwähnt zu werden, glaubt der Flori. Thommy wiederum zeigte sich von Silbereisens Sanftmut beeindruckt: "Da kam ein ziemlich cooler Geselle, der mir erst erklärte, dass er keine Schunkel-Shows macht und dann ein paar Wodka Tonics spendierte", so Gottschalk. Manches lässt sich eben nur im Suff ertragen.

Die Wiedergeburt der Doro Pesch

Das gilt auch für die jüngsten Einlassungen der als Rockstar firmierenden Doro Pesch. Die Sängerin erschreckte zur Verkaufsförderung ihrer neuesten Schallplatte in dieser Woche zunächst das greise ZDF-Publikum bei "Volle Kanne". Dann setzte sie die verängstigte Nation in einem Zeitungsinterview ins Bild: Doro glaubt an Wiedergeburt und Übersinnliches! "Ich habe schon mehrmals gelebt", beschrieb die 48-Jährige, was in Rockerkreisen Standard ist – zumindest sehen Angehörige dieses Berufsstandes in aller Regel auch so aus. Doch bei ihr geht die Geschichte wesentlich tiefer: "Im Mittelalter war ich in Ungarn eine Magd zur Zeit des Krieges mit den Österreichern." Während es andere angesichts solcher Umstände immerhin noch zur Wanderhure bringen, ging die Geschichte der drolligen Düsseldorferin schlecht aus: "Ich wurde geschlagen und litt schrecklichen Hunger. Mit nur 30 Jahren starb ich an Unterernährung." Das ist wirklich dumm gelaufen, Doro. Oder wie man im Rheinland sagt: Pesch jehabt!

Die Karriere von Rock-Kollege Rod Steward begann gefühlt ebenfalls im Mittelalter. Seit rund 40 Jahren röhrt Rod, als habe er Terpentin gefrühstückt. Nun legt der 67-Jährige endlich seine Biografie vor und plaudert aus dem Nähkästchen einer männlichen Wanderhure: "Wir dekorierten nach jedem Konzert unser Hotelzimmer zum OP, trugen Arztkittel und Stetoskop", beschreibt Steward in schönster Altherrenmanier seine fürsorgliche Ader gegenüber weiblichen Fans. "Dann boten wir den Mädels an, sie zu untersuchen." Doch der musikalische Medicus offenbart für 22,99 Euro noch andere Vorlieben: "Unter künstlerischen Gesichtspunkten waren die 70er meine Pimmelphase", so Steward. "Ich war damals ein großer Freund gezeichneter Pimmel und malte überall einen hin." Tja, die guten alten 70er. Was haben wir da nicht alles geraucht...

Marianna Sägebrecht für Poligamie

Verständnis für die amouröse Vielseitigkeit in Künstlerkreisen kam in dieser Woche von einer Frau, von der man dergleichen eher nicht erwartet hätte. Schauspielerin Marianne Sägebrecht erklärte, dass Männer am besten zwei Frauen haben sollten – eine junge fürs Bett und eine gleichaltrige für den geistigen und seelischen Austausch. "Wenn ein Mann älter wird, bekommt er biologisch noch einmal einen Fortpflanzungsdrang", dozierte die 67-Jährige Bayerin, die in "Omamamia" in Kürze wieder aufs Kinopublikum losgelassen wird. "Da ist es ganz natürlich, dass er sich mit jungen Frauen einlässt, die ihm vielleicht noch ein Kind schenken könnten", glaubt Sägebrecht. "Dafür muss eine Ehefrau Verständnis haben." Fritz und Angela Wepper dürfte es in den Ohren geklingelt haben.

War sonst noch was? Na klar: Vorzeige-Gattin Victoria Beckham wurde in dieser Woche in einer extrem engen Jeans angetroffen, was die Bulimie-Begeisterung bei "Bunte.de" offenbar befeuerte: "Sie hat die Figur einer 16-Jährigen", jubelten die Diätexperten angesichts der völligen Fettlosigkeit der vierfachen Frau Mutter. Die 38-Jährige sei ein gutes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter bereits wieder total durchtrainiert. "Ich bin viel gelaufen. Ich habe das sechs Mal die Woche gemacht", erklärte die Spielerfrau ihre sportliche Besessenheit. Bereits früher war Davids dürre Gattin mit allerlei schlauen Sprüchen auffällig geworden: "Ich bin glücklich, dünn zu sein", hatte sie in einem Interview bekannt. "Ich bin im Modebusiness und ich mag es, alles tragen zu können, was ich will." Schön für Vic. Dumm nur, wenn auch der Verstand über süße 16 nicht wirklich hinausgekommen ist.


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