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AIDS-GALA: Halbe Million Euro für guten Zweck

Glanzvoller Promi-Auflauf in Berlin: Fast 2.000 Menschen zahlten 250 bis 650 Euro Eintritt für den guten Zweck und drängten sich zur ausverkauften neunten Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung.

Selbst Guido Westerwelle konnte während der Aids-Gala in Berlin seine Sorgen vergessen. »Es ist ein ganz wundervoller Abend. Die eigenen Probleme sind banal im Vergleich zu den Menschen, die an HIV und Aids erkrankt sind«, sagte der FDP-Vorsitzende in der Nacht zum Sonntag in der Deutschen Oper. Fast 2.000 Menschen zahlten 250 bis 650 Euro Eintritt für den guten Zweck und drängten sich zur ausverkauften neunten Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung.

Tennisstar Boris Becker sprach gegen seine sonstige Gewohnheit kein Wort in die Mikrofone der Reporter, sondern zog sich in den VIP-Bereich zurück. Dafür war seine angeblich neue Liebe, die Schauspielerin Mariella Ahrens, um so redseliger: Die 32-Jährige gab den ganzen Abend ein Interview nach dem anderen. Becker und Ahrens wurden in der Deutschen Oper zwar nicht Hand in Hand gesichtet, aber gleich zwei Boulevardzeitungen berichteten am Sonntag über die junge Beziehung.

Großes Bedauern über Ausscheiden von Loriot

Das Blitzlichtgewitter um die Schauspielerin stieß bei anderen Prominenten nicht unbedingt auf Gegenliebe. »Aufgeblasen«, murmelte ein Opernbesucher, und auch Ex-Bundespräsident Roman Herzog - in Begleitung von Alexandra Freifrau von Berlichingen - schien pikiert. Mürrisch reagierte er auf die Frage einer Reporterin, ob Deutschland in schwierigen Zeiten derartig auf die Pauke hauen solle: »Ist doch lächerlich. Wir haben in viel schlechteren Zeiten viel schönere Feste gefeiert als heute.« Gekommen waren auch Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Susanne Juhnke.

Eine eindringliche Rede über die Bedrohung durch Aids hielt der Vorstandsvorsitzende von Mitsponsor Daimler-Chrysler, Jürgen Schrempp. »Auf dieser Opernbühne wurde tausendfach theatralisch der Tod dargestellt. HIV und Aids führt draußen millionenfach zu qualvollem Tod«, sagte er und appellierte an die Gäste: »Nutzen Sie ihre einflussreiche Stellung, Ihre Popularität, das Geschenk, dass man Ihnen zuhört!«

Mit großem Bedauern nahmen viele Besucher die Botschaft auf, dass Vicco von Bülow, besser bekannt unter dem Namen Loriot, das Event im Zeichen der roten Schleife zum letzten Mal moderieren wollte. »Es ist traurig. Loriot gehört zu dieser Aids-Gala«, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der gerade von einem Besuch aus Los Angeles zurückgekehrt war und gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Jörn Kubicki in der Oper erschien.

Mit feinsinnigem Witz führte der 79-Jährige Loriot durch das klassische, von Generalmusikdirektor Udo Thielemann dirigierte Programm, und brachte das illustre Publikum immer wieder an den Rand der Lachtränen. Seine Anspielungen richteten sich auch an diejenigen, die während des Jahres nicht unbedingt zu den regelmäßigen Besuchern der drei Berliner Opern zählen. »Seitdem die Gewerkschaft ver.di sich unter diesem Namen zusammenschließt, hat dieser Name auch in Deutschland eine gewisse Bekanntheit erlangt«, merkte Loriot etwa bei der Einführung zu einer Arie aus dem »Maskenball« von Giuseppe Verdi an.

Großzügige Sponsoren

Die Bundesrepublik könne anders als das Werk von Franz Lehar nicht »Land des Lächelns« genannt werden, fand Loriot - aber auf der Tanzfläche der Hauptbühne, nach dem Ende der klassischen Gesänge, bewies das Publikum genau das Gegenteil. Gegen drei Uhr morgens drehten die Tänzer noch einmal richtig auf, als die Chicagoer Band von Tony Linares den israelischen Ohrwurm »Hava nagila« spielte. Und als eine Stunde später die Kerzen in den silbrigen Leuchtern fast heruntergebrannt waren, hatten viele Besucher immer noch nicht genug.

Für die Deutsche Oper als eigenständige Institution könnte es die letzte Aids-Gala gewesen sein, denn die am Rande des Bankrotts stehende Hauptstadt will sich auf Dauer nicht drei Opernhäuser leisten. Dafür zeigten sich Sponsoren und Spender um so großzügiger. Ein anonymer Bieter ersteigerte zu Gunsten von Aids-Kranken einen gestifteten Mercedes-CLK für das Höchstgebot von 50.000 Euro. Von 1994 bis 2001 hat die Operngala der deutschen Aids-Stiftung als deren wichtigste Einzelveranstaltung 2,8 Millionen Euro erbracht. Dieses Jahr wollen die Veranstalter die Drei-Millionen Marke deutlich überschreiten. Schätzungsweise seien an diesem Abend 500.000 Euro gesammelt worden, teilte ein Sprecher mit.