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Brasilianischer Präsident: Amazonas-Brände: Bolsonaro erhebt Vorwürfe gegen Leonardo DiCaprio

Brasiliens ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro geht keinem Streit aus dem Weg - jetzt greift er Leonardo DiCaprio an. Der Schauspieler soll Umweltschützer unterstützen, die im Amazonasgebiet Feuer legen. Die Aktivisten sehen eher Bolsonaro selbst als geistigen Brandstifter.

Jair Bolsonaro (li.) hat es auf Leonardo DiCaprio abgesehen

Jair Bolsonaro (li.) hat es auf Leonardo DiCaprio abgesehen

Brasiliens rechter Präsident Jair Bolsonaro hat den US-Schauspieler und Umweltaktivisten Leonardo DiCaprio für die jüngsten Brände im Amazonasregenwald mitverantwortlich gemacht. "Leonardo DiCaprio ist ein netter Kerl, oder?", sagte der Staatschef vor der Präsidentenresidenz in Brasília zu Anhängern. "Geld geben, um den Amazonas in Brand zu stecken." Beweise für seine schweren Vorwürfe legte Bolsonaro zunächst nicht vor.

Der 64-Jährige spielte damit auf die fünf Millionen US-Dollar (rund 4,5 Millionen Euro) Spenden an, die DiCaprio über seine Stiftung "Earth Alliance" verschiedenen Nonprofit-Organisationen zukommen ließ. Die Hilfsgelder sind dazu gedacht, die Folgen der Brände zu bekämpfen.

Zuvor warf Bolsonaro bereits Nichtregierungsorganisationen vor, die Brände gelegt zu haben, um wegen der dramatischen Bilder dann mehr Spendengelder einsammeln zu können. "Was haben die NGO-Leute getan? Was ist einfacher? Lege ein Feuer, mache Fotos, filme, starte eine Kampagne gegen Brasilien, kontaktiere Leute wie Leonardo DiCaprio und Leonardo DiCaprio gibt dir 500.000 Dollar", sagte Bolsonaro kürzlich. "Ein Teil ging an die Leute, die Feuer gelegt haben, stimmt's? Leonardo DiCaprio hat mit den Bränden im Amazonasgebiet etwas zu tun." 

Die brasilianische Polizei hatte zuvor Büro-Räume der NGOs wegen dieses Verdachtes durchsucht. Auch wurden mehre freiwillige Helfer festgenommen, befragt und später wieder entlassen.

Bolsonaros Sohn Eduardo legte auf Twitter noch einmal nach. "Leonardo DiCaprio hat 300.000 Dollar an eine NGO gespendet, die im Amazonasgebiet Feuer gelegt hat", schrieb der Abgeordnete. "WWF hat 70.000 Dollar für Fotos des brennenden Waldes gezahlt." 

Der Schauspieler und Umweltschützer teilte mit, er habe den von Bolsonaro angegriffenen Gruppen kein Geld gespendet, stehe aber hinter ihnen. "Die Zukunft dieser nicht zu ersetzenden Ökosysteme ist in Gefahr, und ich bin stolz, an der Seite jener Gruppen zu stehen, die sie schützen", schrieb er auf Instagram. "Auch wenn sie es wert sind, unterstützt zu werden, haben wir diese Organisationen nicht finanziert."

Umweltschutzorganisation WWF weist Vorwürfe zurück

Die Umweltschutzorganisation WWF wies die Vorwürfe ebenfalls zurück. "Korruption war und ist die Hauptursache für die Zerstörung des Amazonasgebiets, für Landraub, Gewalt gegen lokale Gemeinschaften und indigene Völker, illegale Aktivitäten und Holzdiebstahl", hieß es in einer Stellungnahme. "Was wir von der Regierung erwarten, ist der Mut, das Problem der Brandstiftung und der Bodenspekulation anzugehen."

Bolsonaros Regierung war wegen ihrer Umweltpolitik zuletzt international in die Kritik geraten. Die heftigen Waldbrände in der Trockenzeit hatten auf der ganzen Welt für Bestürzung gesorgt. Bolsonaro sieht den Regenwald vor allem als wirtschaftliches Potenzial und will mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Kritiker werfen ihm vor, Holzfäller und Farmer zur Abholzung und Brandrodung zu ermutigen.

Zuletzt waren in der Region Pará vier freiwillige Feuerwehrleute festgenommen worden, weil sie angeblich Brände gelegt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft stellte später klar, dass es keinerlei Grundlage für diese Vorwürfe gebe. Die Männer wurden daraufhin wieder auf freien Fuß gesetzt.

jum/DPA