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Baby-Namen: "Ich heiße wie eine Frucht"

Die Nannys der Hollywood-Stars sind nicht zu beneiden: Sie müssen sich Namen wie "Apple", "Kal-el" oder "Makena'lei" merken. Die kreative Namensgebung der Stars kennt offenbar keine Grenzen mehr.

Wenn die kleine Suri später in der Schule aufgerufen wird, kann sie wohl keiner ob ihres Namens hänseln, den sich ihre Eltern Tom Cruise und Katie Holmes für sie ausgedacht haben. Auch wenn er je nach sprachlicher Interpretation "rote Rose" (hebräisch) oder "Prinzessin" (persisch) oder gar "Taschendieb" (japanisch) bedeutet. Sie befindet sich nämlich in Hollywood in bester Gesellschaft.

"Apple" (Apfel) und "Moses" tauften Hollywood-Star Gwyneth Paltrow und Coldplay-Sänger Chris Martin ihre beiden Sprösslinge. Der kleine Sohn von Nicolas Cage heißt "Kal-el" - nach dem richtigen Namen des Comicbuch-Helden Superman. Helen Hunt ließ sich bei dem Namen ihres Töchterchens "Makena'lei" von dem Ort auf Hawaii inspirieren. Und legendär sind bereits Namen der Töchter von Rocker Bob Geldof, Peaches Honeyblossom (Pfirsich Honigblüte), Pixie und Fifi Trixibelle.

Keine Peter mehr

Kein Star, der etwas auf sich hält, würde seine Kinder heute mit langweiligen Namen wie Michael, Eric, Joel und Peter in die Welt hinaus schicken - so etwas traute sich vor Jahrzehnten nur der Hollywood-Star Kirk Douglas. Prominente sind die Aristokraten des 21. Jahrhunderts und was wäre ein besserer Ritterschlag als einen exotischen Namen für das Neugeborene.

Für Psychologen bieten dagegen die Namensverirrungen der Stars einen wunderbaren Einblick in die Seele der Eltern. Schauspieler und andere Künstler sähen es geradezu als ihre Pflicht an, bei ihren Sprösslingen erfinderisch zu sein: "Sie drücken dadurch ihre Kreativität aus und gleichzeitig ihre Angst. Ein normaler Name wäre eine Art intellektuelle Kapitulation", sagte Jenn Berman, eine klinische Psychologin in Beverly Hills, die regelmäßig mit Stars arbeitet, der "New York Times" vor kurzem.

Der Druck, sich mit dem Namen seines Kindes aus der Masse hervorzuheben ist bei dem derzeitigen Babyboom in Hollywood allerdings besonders groß. "Als Star muss man noch härter daran arbeiten, sich durch Spezialwissen oder einen ausgewählten Geschmack von der Masse zu distanzieren. Auf eine gewisse Weise ist es so etwas wie Magersucht. Jeder kann schlank sein. Wenn man berühmt ist, muss man noch schlanker sein", sagte die Autorin eines Buchs für Babynamen. Deshalb hat wohl auch die Schauspielerin Shannyn Sossamon ("Ritter aus Leidenschaft") ihren ersten Sohn "Audio Science Clayton" genannt.

"Ich heiße wie eine Frucht"

Dass die Hauptdarsteller des modernen Starkults dabei oft Realität und Fantasie nicht mehr auseinander halten könnten, beweist die Genese der Namensgebung für "Romeo", den zweiten Sohn von Fußballstar David Beckham und seiner Frau Victoria: Nicht der Held der Shakespearschen Tragödie "Romeo und Julia" stand für den Namen Pate, sondern eine Fernsehpersiflage, in der zwei stark an die Beckhams erinnernde Figuren ihren Sohn Romeo tauften. Auch für den jüngsten Beckham-Sohn "Cruz" musste das Paar Gespött einstecken: Der Name bedeutet im Spanischen Kreuz und wird eigentlich nur für Mädchen verwendet.

Ob diese kreative Namensflut Fluch oder Segen für die Kinder ist, sei dahin gestellt. Öffentlich gemeckert hat zumindest Peaches Honeyblossom Geldof bereits. Sie sei in der Grundschule wegen ihres Namens oft ausgelacht worden. "Ich heiße wie eine Frucht. Das macht doch keinen Sinn", beschwerte sich die heute 17-Jährige vor einiger Zeit schon. Die Erwachsenen sehen das anders: "Jeder mit einem ausgefallenen Namen, den ich kenne, liebt das sehr. Nur die Langweiler, die 'Dave' heißen, finden das schlecht", sagte der amerikanische Komiker und Magier Penn Jillette. Deshalb lehnte er sich auch weit aus dem Fenster und nannte sein Töchterchen Moxie CrimeFighter (etwa: Verbrechensbekämpfer). Vielleicht freundet sie sich später mal mit dem Sohn von Schauspieler Jason Lee ("Vanilla Sky") an, der heißt nämlich Pilot Inspektor Riesgraf-Lee. Kann sein, dass er seinen Vater eines Tages hassen wird.

Carla S. Reissman, DPA / DPA