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Transgender-Star bei "Ellen": Caitlyn Jenner war früher gegen Homo-Ehe

Sie kämpft für die Akzeptanz von Transsexuellen - doch als Anhänger der konservativen Republikaner war Caitlyn Jenner früher gegen Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Das verriet sie nun in der Talkshow "Ellen". 

Von Andreas Renner, Los Angeles

Am kommenden Sonntag flimmert die letzte Episode von "I Am Cait" über die Bildschirme in rund einer Million Haushalte, die zuletzt noch einschalteten, wenn Caitlyn Jenner die Probleme von Transsexuellen mit Gleichgesinnten diskutierte. Um das Finale zu bewerben und die eher enttäuschenden Einschaltquoten wenigstens zum Ende hin noch mal etwas in die Höhe zu treiben, trat Caitlyn Jenner erstmals in einer Talkshow auf: Sie war zu Gast bei "Ellen". Gekleidet in einem langen schwarzen Rock und weißer Bluse erklärte Jenner gegenüber Gastgeberin Ellen DeGeneres, sie fühle sich "wunderbar". 

Wie schon zuvor in ihrem Interview mit Diane Sawyer und in diversen Szenen in "I Am Cait" scheute sich Jenner keinesfalls, sehr offen über ihre früheren Identitätsprobleme und den Wandel vom einstmals gefeierten Olympioniken hin zur Poster-Frau der Transgender-Gemeinschaft zu berichten. Jenner verriet etwa, dass sie auch während der 24-jährigen Ehe mit Kris Jenner täglich daran dachte, lieber als Frau leben zu wollen, "denn das war immer meine eigentliche Identität".

Bruce Jenner trug BH's

Jenner bestätigte auch, dass ihre Ex-Frau sie schon zu Beginn der Beziehung, damals noch als Bruce, in Frauenkleidern gesehen habe, "aber wir haben das Thema nicht aufgegriffen, haben Kinder bekommen und hatten alle Hände voll zu tun mit dem Alltag".

Im Gespräch mit DeGeneres erklärte Jenner zudem, dass sie bei ihren Motivationsreden als Bruce Jenner unter dem Anzug stets einen Büstenhalter und Frauenunterwäsche trug. "Anschließend ging ich zurück ins Hotel, zog mir Frauenkleider und eine Perücke an und lief durch die Städte. Erkannt hat mich nie jemand. Ich wurde mit den Jahren immer besser darin mich zu verstellen", sagt Jenner. 

"War gegen Homo-Ehe"

DeGeneres, selbst eine Advokatin für die Gleichberechtigung von gleichgeschlechtlichen Paaren und seit 2008 mit der Schauspielerin Portia de Rossi verheiratet, sprach Jenner auf ihre konservativen Werte als Anhängerin der Republikaner an, die als Partei die Homo-Ehe massiv bekämpfen.

"Ich gebe zu, dass ich vor 15 oder 20 Jahren, als die Sache mit der Homo-Ehe erstmals öffentlich diskutiert wurde, dagegen war. Als Traditionalist war die Ehe für mich immer ein Bund zwischen Mann und Frau. Aber im Laufe der Jahre habe ich realisiert, dass ich mir gar nicht anmaßen darf, dem Glück anderer Menschen im Wege zu stehen. Wenn die Ehe als Bund der Gemeinsamkeit für jemanden so wichtig ist, dann sollte es möglich sein", erklärte Jenner.

"Muss mich erst daran gewöhnen, wer ich bin"

Ob sie sich selbst aktuell wieder in einer Partnerschaft befindet – gemunkelt wird von einer Beziehung zur Transgender-Kollegin Candis Cayne – beantwortete Caitlyn ausschweifend: "Ich hätte gerne einen Partner, mit dem ich mein Leben teilen kann. Und ich bin sicher, ich werde auch irgendwann einen finden. Momentan bin ich einfach zu beschäftigt, auch mit mir selbst. Ich muss mich erst daran gewöhnen, wer ich bin." 

 Jenner verteidigte noch einmal die Entscheidung, nicht früher den Schritt gewagt zu haben, als Frau zu leben. "Ich habe öfter darüber nachgedacht, aber es war einfach nicht die richtige Zeit. In den 80ern bin ich durch eine schwierige Zeit gegangen. Ich habe mich sechs Jahre zurückgezogen und allein in den Bergen von Malibu gelebt. Dann traf ich Kris, gründete eine Familie und es war eine wunderbare Zeit. Nachdem die Ehe in die Brüche ging, war ich plötzlich zurück in Malibu, wieder allein in einem Haus. Und ich haderte noch immer mit den gleichen Problemen, wie ich sie erstmals im Alter von zehn Jahren gefühlt habe. Da wusste ich, dass die Zeit reif war."

Auf die Frage, ob sie Bruce Jenner manchmal noch vermissen würde, antwortete Caitlyn: "Nein, absolut nicht."