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Auf dem Königsweg Bürgerliche Bräute in Europas Adelshäusern – ein Erfolgsmodell mit Hindernissen

Charlène und Albert bei ihrer Hochzeit im Juli 2011
Charlène und Albert bei ihrer Hochzeit im Juli 2011
© Carsten Rehder / Picture Alliance
Ob in Monaco, Spanien oder den Niederlanden: In vielen europäischen Adelshäusern haben die Thronfolger bürgerliche Frauen geheiratet. Was wie im Märchen klingt, ist allerdings mit einigen Einschränkungen verbunden.

Mit skandalträchtigen Gerüchten um ihr Leben und Wirken ist Fürstin Charlène von Monaco nach mehr als zehn Jahren Ehe mittlerweile bestens vertraut. Ob sie sich allerdings je daran gewöhnt hat, diese teils hässlichen und oft auch von Yellow Press-Blättern oder Social Media-Usern schlicht erfundenen Geschichten und Spekulationen ungerührt an sich abgleiten zu lassen, weiß man nicht. Aber der meist traurige Gesichtsausdruck, mit dem die 43-Jährige in den letzten Jahren bei öffentlichen Termin an der Seite ihres Mannes Albert auftrat, scheint nicht dafür zu sprechen. Denn seit die ehemalige Olympia-Schwimmerin 2011 ihrem 20 Jahre älteren Fürsten das Jawort gegeben hat, steht sie zwangsläufig im Licht der Öffentlichkeit. Jeder ihrer Schritte wird beobachtet, kommentiert und analysiert.

Charlène von Monaco seit Monaten in Südafrika

Aktuell ist es da natürlich ein gefundenes Fressen für ihre Kritiker im Fürstentum und anderswo, dass die Landesmutter mittlerweile bereits seit März dieses Jahres ihrer Wahlheimat Monaco ferngeblieben ist. Die Pressestelle des Palastes wird zwar nicht müde zu betonen, dass Charlène selbst am meisten unter der medizinisch bedingten Situation – und vor allem unter der Trennung von ihren beiden Kindern, dem sechsjährigen Zwillingspärchen Gabriella und Jacques – leidet.

Fürst Albert ließ sich sogar kürzlich anlässlich seiner Teilnahme an Terminen im Rahmen der Kieler Woche gegenüber der Illustrierten "Gala" zu einem seltenen persönlichen Statement herab. Darin betonte er, dass nur noch einige Nachuntersuchungen im Zusammenhang mit der letzten in Südafrika durchgeführten HNO-Operation ausstünden und dann wisse man, wann die Fürstin nach Europa zurückfliegen könne. Ob diese allerdings tief im Innersten überhaupt Lust hat, in die Heimat ihres Mannes, die wohl nie so recht die ihre geworden ist, zurückzukehren, scheint fraglich. Die ehemalige, mit immerhin drei Goldmedaillen prämierte Leistungsschwimmerin mag sich ihr Leben an der Seite eines echten Fürsten vielleicht anders vorgestellt haben.

Fürst Albert II. hat zwei uneheliche Kinder

Zwar war sie schon gut zehn Jahre mit ihm liiert, bevor es zu der Eheschließung 2011 kam. Und schon in dieser Zeit brodelte die Gerüchteküche. Von Affären Alberts und zwei bis drei unehelichen Kindern war immer wieder die Rede, zwei davon musste er bisher tatsächlich als sein Fleisch und Blut anerkennen. Man könnte meine, Charlène hätte gewusst, worauf sie sich einließ, selbst wenn es vielleicht auf beiden Seiten mehr eine Vernunftehe als eine Liebesheirat war.

In vielen Fällen geht es ja auch gut, wenn Prinzen eine Bürgerliche zur Frau nehmen: Die Thronerben von Dänemark, Norwegen sowie der Zweite in der britischen Thronfolge, Prinz William, sind gute Beispiele dafür. Bei diesen allesamt auch nach vielen Jahren sichtbar glücklichen Ehen ist es den jeweiligen royalen Verwandten offenbar gut gelungen, die jungen Frauen, die mit völlig anderer Erziehung und in einem normalen Umfeld aufgewachsenen sind, an ihre neuen Aufgaben heranzuführen und sie erfolgreich in das "Biotop Palastleben" zu integrieren.

Ob und wenn ja welche Probleme, gar Tränen und Konfrontationen es vielleicht im Spannungsfeld zwischen alten Traditionen und moderner Lebensführung hinter verschlossenen Türen trotz allem gegeben haben mag, kann man nur erahnen. Wie beispielsweise Kate Middleton, inzwischen verheiratete Catherine Herzogin von Cambridge, damit umgegangen ist, in den sieben Jahren vor ihre Hochzeit in den britischen Medien immer wieder als "Waitie Katie" geschmäht zu werden, blieb immer unklar, da sie eisern dazu schwieg.

Hinweise darauf gab es erst, als ihre Schwägerin Meghan Markle und Schwager Prinz Harry begannen, öffentlich darüber zu klagen, wie kalt und überheblich offenbar manche Hofbeamte mit bürgerlichen Neuankömmlingen in der royalen Hofhaltung umspringen. Und dass selbst die Queen, eine bekanntermaßen liebevolle Großmutter, zu aller erst immer Monarchin ist und erst dann Familienmensch. Konfliktreiche Themen lässt sie gerne erst einmal über ihre Privatsekretäre lösen oder äußerst sich notfalls brieflich. Für persönliche Aussprachen auch mit engsten Angehörigen steht sie allerdings wohl nur selten und ausschließlich nach wochenlanger vorheriger Anmeldung zur Verfügung. Auch das lernte man mittlerweile von Quellen, die den Sussexes nahestehen wie etwa Omid Scobie, der das Buch "Finding Freedom" mitverantwortete.

Ein Lied vom Kampf gegen verkrustete Palaststrukturen und traditionelle Erwartungen an Prinzen-Bräute kann auch Königin Letizia singen. Die ehemals erfolgreiche TV-Journalistin, die bereits eine kurze (später dann annullierte) Ehe hinter sich hatte, als sie 2004 Felipes Frau wurde, war und ist die große Liebe des damaligen Thronfolgers und jetzigen Königs von Spanien. Doch sehr willkommen war sie seinen Eltern als Braut des Sohnes und künftige Königin von Spanien nicht. Das kann man unter anderem einer Juan Carlos-Biografie der spanischen Adelsexpertin Pilar Eyre entnehmen.

Letizia und Felipe von Spanien mussten für ihre Liebe kämpfen

Vater König Juan Carlos, dem alten Geschlecht der Bourbonen entstammend, und vor allem die sittenstrenge Königin Sophia, eine gebürtige Prinzessin von Griechenland und Urenkelin von Kaiser Wilhelm II., waren anfangs gegen die Verbindung ihres einzigen Sohnes und Thronerben mit einer Bürgerlichen. Und das nicht nur, weil Letizia ein Vorleben hatte. Am meisten störte das Königspaar neben der unebenbürtigen Herkunft der selbstbewusste Ton der jungen Frau, auch ihrem Verlobten gegenüber, und schlimmer noch, sogar in der Öffentlichkeit. Als das junge Paar im November 2003 vor TV-Kameras seine Verlobung verkündete, unterbrach Letizia den Kronprinzen sogar spontan mit einem ungeduldigen: "Nun lass' mich mal reden."

Prinzessin Leonor hält eine Rede auf einer Veranstaltung zur Verleihung der Prinzessin-von-Girona-Preise.

Ein unerhörtes Verhalten in den Augen der königlichen Familie und auch für viele immer noch stark einer Macho-Kultur verhafteten Spanier. Die kannten es seit Jahrzehnten von Königin Sophia nur, dass sie sich bescheiden zurückhielt und ihren Mann, den Monarchen, gut aussehen ließ. Als Frau des Thronfolgers wurde Letizia noch Jahre nach der Hochzeit in den spanischen Medien als "Eis-Prinzessin" diffamiert, galt als unterkühlt und arrogant, im Gegensatz zum ausgeglichenen und freundlichen Felipe.

Offen wurde in der Boulevardpresse beklagt, warum sie nicht ein so sonniges, angenehmes Naturell haben könne, wie die allseits beliebte Königin Máxima der Niederlande, auch eine bürgerliche Prinzenbraut, die vor ihrer Royal Wedding wie Letizia beruflich erfolgreich gewesen war. Danach stellte die mit hoher emotionaler Intelligenz begabte Investment-Bankerin allerdings ihre Fähigkeiten und ihren Charme sofort und äußerst erfolgreich in den Dienst der niederländischen Monarchie – ohne dabei ihren Mann zu bevormunden – und steht seitdem teilweise in den Beliebtheitsrankings ihres angeheirateten Heimatlandes sogar vor ihrem Gatten, König Willem-Alexander.

Die Argentinierin hatte sich aber auch von Tag eins der Beziehung mit ihrem Prinzen total auf ihre royale Mission eingelassen, dereinst die neue Landesmutter in Holland zu werden. Und das mit voller Unterstützung ihrer Schwiegermutter, der damaligen Königin Beatrix. Schon beim Verlobungsinterview sprach sie erste Brocken Niederländisch, heute parliert sie es schon lange perfekt. Weiterhin tat sie alles, sich niederländische Sitten und Gebräuche zu eigen zu machen. Dass sie die wichtigste Fürstenfrauen-Pflicht, einen oder besser mehrere Thronerben (oder in diesem Fall drei Thronerbinnen) zu gebären, auch wie nebenbei erledigte, versteht sich bei soviel fröhlich-geballtem Einsatz für die Krone von Oranien beinahe von selbst.

Charlène von Monaco spricht bis heute kein Französisch

Anders Charlène von Monaco: Die Untertanen ihres Mannes nehmen ihr bitter übel, dass sie bis heute kaum Französisch spricht, und sich, anders als ihre 1982 verstorbene weltberühmte Schwiegermutter, die frühere Hollywood-Ikone Grace Kelly, nur selten und zögerlich für wohltätige Zwecke im Fürstentum einsetzt. Lieber tritt sie für Wildschutz-Organisationen in Südafrika ein oder vermittelte zuletzt in einem Erbfolgestreit innerhalb der südafrikanischen Zulu-Königsfamilie. Öffentlichkeitswirksam postete sie letzte Woche auf Instagram ein Bild von sich und dem neu inthronisierten Zulu-König Misuzulu kaZwelithini. In der Bildunterschrift dankte der Zulu-Herrscher Charlène für ihren Einsatz. Was auf dem Foto aber vor allem auffiel war, wie erschreckend dünn und gequält die 43-Jährige aussah.

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Zwei gesunde Kinder hat die Südafrikanerin dem Fürstenhaus von Monaco zwar auch geschenkt – aber was war das gefühlt für eine Quälerei, auch wieder auf den Titelseiten der Welt-Boulevardpresse breitgetreten: Drei lange Jahre nach der Traumhochzeit erwartete man quasi täglich von ihr die Ankündigung einer Schwangerschaft. Dann klappte es endlich. Ob die Kinder auf natürlichem Wege oder mithilfe ärztlicher Kunst empfangen wurden, galt es natürlich auch breit zu diskutieren. Immerhin hatte Fürst Albert schon Kinder gezeugt, von Charlène gab es einen solchen Beweis ihrer Fruchtbarkeit nicht (obwohl sie sich Gerüchten zufolge vor der Hochzeit einem entsprechenden Test unterziehen musste).

Fürst Albert ist mit den Zwillingen in Monaco

Nun sind Thronfolger Jacques und seine Schwester Prinzessin Gabriella schon im schulpflichtigen Alter und Vater Albert hat die beiden seit vielen Monaten wie ein alleinerziehender Vater betreut. Auf Twitter-Postings des Palastes von offiziellen Anlässen, an denen der Fürst und seine Kinder zuletzt teilgenommen haben, wirken die drei wie eine harmonische kleine Familie. Außer den Zwillingen scheint Charlène niemandem so recht zu fehlen in Monaco. Und wären ihre Kinder nicht, die sie offenbar nur im Fürstentum oder in Begleitung des Vaters sehen darf – unbegleitet in ihrer südafrikanischen Heimat augenscheinlich nicht –, wer weiß, ob es sie dorthin zurückzöge. Man darf gespannt sein, ob es zu einer fürstlichen Trennung oder gar Scheidung kommt und dann Enthüllungen von Charlène oder ihrem Umfeld folgen, die ihre Gefühle und Motive transparenter machen.

Dem äußeren Anschein nach ist die Ehe des monegassischen Fürstenpaares jedenfalls kein Vorbild für junge Frauen, die gerne "plötzlich Prinzessin" werden möchten und darauf hoffen, mit dieser Entscheidung dann automatisch glücklich und zufrieden zu werden bis an ihr Lebensende. Auch wenn bürgerliche Bräute an Europas Fürstenhöfen im 21. Jahrhundert eher die Regel als die Ausnahme zu sein scheinen, ist der Erfolg einer solchen Verbindung immer noch alles andere als ein Selbstgänger, selbst bei aller Liebe. Zu unterschiedlich sind auch heutzutage noch familiäres Umfeld und persönliche Lebenserfahrungen, die beide Partner mitbringen, und daher vielleicht auch die Erwartungen des Paares aneinander, wie Ehe und Familie zu gestalten sind, wenn das Leben umständehalber unter dem Brennglas eines riesengroßen öffentlichen Interesses stattfinden muss.

Prinz Charles heiratete seine Jugendliebe Camilla

Eine Erfolgsgesichte mit Umwegen ist übrigens ausgerechnet beim vielgeschmähten Prinz Charles von Großbritannien zu vermelden: Nach einer bekanntermaßen unglücklich geendeten Ehe mit der adeligen jungen Schönheit Diana Spencer lebt der Prinz von Wales heute im 16. Ehejahr mit seiner bürgerlichen Jugendliebe Camilla offensichtlich überglücklich zusammen. Und die ehedem als hässliche Ehebrecherin geschmähte Herzogin von Cornwall hat sich durch konsequentes Ignorieren der medialen Hetze gegen sie und unaufgeregtes aber stetiges Bemühen um diverse Charity-Organisationen eine Menge Zuneigung bei den Briten erworben. Es wäre sogar mittlerweile denkbar, dass sie nach der Thronbesteigung ihres Mannes in einigen Jahren tatsächlich den Titel "Königin Camilla" tragen wird. Da kann man direkt bedauern, dass Charles anno 1973 noch die Erlaubnis verwehrt wurde, eine Bürgerliche mit Beziehungsvorerfahrung zu heiraten, auch wenn er sie damals schon liebte und beide ganz offensichtlich immer schon hervorragend zueinander passten.

Der britischen Monarchie wäre mit dieser bürgerlichen Frau für ihren Thronfolger gleich im ersten Anlauf jedenfalls viel erspart geblieben.


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