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Die Mär vom geklauten Laptop Justin Biebers großer Bluff


Alles nur ein Scherz? Gestern fühlte sich Justin Bieber noch erpresst, heute erobert er Youtube. Und zwar mit Musik, statt mit gestohlenen Privatvideos.
Von Oliver Noffke

Mit 13 begann Justin Bieber, dank Youtube, seinen Siegeszug durch die Musikwelt. Fünf Jahre später ist aus dem Kanadier ein ausgefuchster Medienprofi geworden. Für die Premiere seines neuen Videos ließ sich er zu einem Spaß hinreißen, auf den die halbe Medienwelt einstieg.

Am Freitag verbreitete sich die Nachricht, dass Laptop und Kamera des Sängers gestohlen wurden, während er auf einer Bühne tanzte. Anschließend gab es einen verbalen Schlagabtausch auf Twitter, bei dem ein User mit dem kryptischen Kürzel "gexwy" drohte, etwas zu veröffentlichen, was in irgendeiner Weise kompromittierend für Bieber sein könnte. Ein Countdown tickte. Anschließend tauchten vermeintliche Nacktfotos im Internet auf. Bieber ließ aber sofort klarstellen, es wäre nicht sein Penis, der dort in die Kamera schauen würde.

Amerikanische Medien stiegen sofort auf den vermeintlichen Diebstahl ein, deutsche folgten. "Bild.de" spekulierte, dass vielleicht ein privates Sexvideo von Bieber existieren würde. Die Fans sollten gefasst sein. Auch stern.de griff die Meldung auf.

Tra-la-la und Hopp-sa-sa

Heute der Paukenschlag: Statt geklauter, intimer Dateien erschien am Freitag das neue Musikvideo von Justin Bieber. Es beginnt mit dem Hinweis, dass dies ein Zusammenschnitt der gestohlenen Dateien sei. Nach 15 Sekunden voller Belanglosigkeiten strahlt Bieber in die Kamera - wie früher bei Youtube - und tanzt durch einen Wasserpark. Der Rest ist Tra-la-la, Hopp-sa-sa und die kaugummibunte Trash-Rapperin Nicki Minaj ist auch dabei. Innerhalb von 17 Stunden sahen mehr als 4,3 Millionen Menschen das neue Video. Ein Verkaufserfolg ist nur noch Formsache. Biebers Twitter-Account läuft bereits über von der Lobhudelei-Soße seiner Fans.

Nun könnte man Bieber unterstellen, dass er gekonnt auf einen drohenden Skandal reagiert hat, indem er schnell ein Video veröffentlicht, das wohl sowieso kurz vor der Veröffentlichung stand. Aber wie wahrscheinlich ist das schon? Die Machart des Videos spielt mit der Idee, dass Bieber selbst die Kamera hält – was jedoch immer unrealistischer wird, je weiter das Werk voranschreitet.

Andere haben den Spiegel schon eleganter gehalten

Dennoch, Bieber hat mit dieser Aktion der sensationshungrigen Öffentlichkeit, den Medien wie den Konsumenten, einen Spiegel vorgehalten. Wer auch immer voll Schadenfreude auf ein Sexvideo mit 18-jähriger Hühnerbrust gehofft hat, wird sich nun ertappt fühlen. "Bild" ist sauer und versteckt die Auflösung des Scherzes gekonnt auf seiner Homepage. Amerikanische Medien sind ebenfalls wenig begeistert und unterstellen Bieber Berechnung für den schnöden Mammon - was ja die Medien selbst zur Verbreitung der Nachricht angetrieben hat.

Wie man Medien vorführt, wurde allerdings schon weitaus eleganter und ironischer umgesetzt. Der falsche "Wilhelm" im Wikipedia-Eintrag von Karl-Theodor zu Guttenberg schaffte es auf die erste Seite der "Bild" und Schauspielerin Eva Mendes machte sich über die Gier der Öffentlichkeit nach intimen Details von Berühmtheiten mit einem eigenen "S.E.X. tape" lustig. Bei dem Tape handelte es sich allerdings um Klebeband.

Offiziell hat Bieber nicht verlauten lassen, dass alles nur ein großer Scherz war. Das scheint aber auch nicht wichtig. Jetzt geht es darum, Youtube-Rekorde zu brechen.


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