HOME

Dieter Wedel: Schmidt ist nicht Christus

Regisseur Dieter Wedel kriegt die Krise, wenn er "stotternde deutsche Schauspieler" hört - und sieht Harald Schmidt mit nachlassender Begeisterung.

Regisseur Dieter Wedel kriegt Zustände, wenn er bei Preisverleihungen die Dankesreden von Schauspielern hört. Die "stotternden deutschen Schauspieler" seien im Gegensatz zu den amerikanischen Stars nicht einmal in der Lage, einen vollständigen Satz zusammenzubringen, sagte der 62-Jährige in der N24-Sendung "Was erlauben Strunz" am Montagabend. Wedel sagte, die Verachtung der Schauspieler "für alles, was mit PR zu tun hat, ist dumm."

"Wir müssen unsere Filme nicht nur machen, sondern auch an die Zuschauer bringen", betonte der Regisseur erfolgreicher Mehrteiler wie "Der große Bellheim" oder "Der Schattenmann". Er behandelt in seinem aktuellen Projekt fürs ZDF, "Papa & Mama", das Scheidungsdrama zweier Ehepaare.

"Tatortisierung" des Fernsehens

Wedel warnte außerdem vor einem Niedergang des deutschen Fernsehens. "Man darf nicht nur dem Massengeschmack nachgeben", sagte er. Ihn stört eine "Inflation von Krimis", eine "Tatortisierung", wie er es nannte. Mit Unterhaltungsfilmen habe er in letzter Zeit große Probleme, sagte Wedel. Die TV-Produzenten dürften nicht nur nach der Quote schielen. "Man kann eine Rieseneinschaltquote haben, und am nächsten Tag ist der Film vergessen." Für ihn sei ein Film nur dann ein Erfolg, wenn er es schaffe, dass die Leute noch am nächsten Morgen darüber reden. An der mangelnden Qualität des Fernsehprogramms seien aber auch die Zuschauer Schuld: "Die Leute haben Zukunftsängste und fliehen abends in TV-Traumwelten", sagte Wedel.

Die Show von Harald Schmidt sieht er "mit nachlassender Begeisterung". Bei Schmidts Rückkehr auf den Bildschirm habe man den Eindruck gehabt, "als ob die Jünger schrien, Christus sei wieder da", sagte Wedel. "Das kann außer Christus keiner erfüllen." Schmidt arbeite unter einer Erwartungshaltung, "der keiner mehr standhalten kann", meinte der Regisseur und sagte: "Das muss auch den Mann beschädigen." Man lasse im Fernsehgeschäft heute niemandem mehr die Zeit, zu sich selbst zu finden.

AP / AP