Drachenboot-Fest Im Herz des Drachen


Lust auf Muskelkater? Dann nichts wie hin zum Hamburger Jungfernstieg. Dort findet die dritte Drachenbootregatta statt und wer keine Angst vor spritzendem Alsterwasser hat, ist noch herzlich zum Mitmachen eingeladen.
von Lena Carl

Petrus hat die Stoßgebete scheinbar erhört: Nach windigen und regnerischen Tagen hat sich die Sonne durchgesetzt, zum Glück für die rund 1500 Teilnehmer des diesjährigen Drachbootfests, das diesen Sommer zum dritten Mal auf der Hamburger Binnenalster statt findet. Bereits seit den frühen Morgenstunden sind Teilnehmer wie Organisatoren auf den Beinen, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Ein Meer aus weißen Zelten erstreckt sich entlang der Binnenalster, eines für jede der 59 Gruppen, die in dieser besonderen Regatta um den Sieg paddeln. Alles unter der Schirmherrschaft des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust.

1000jährige Tradition

Die Namen der Teams zeugen bereits von deren Vielfalt: Manche tragen einfach nur den Namen ihrer Sponsoren oder Arbeitgeber wie "Airbus" oder "HaSpa", andere haben fantasievolle Namen wie "Thames Dragons", "Drachentöter" oder "Sauberdrachen" gewählt. Benutzt werden bei diesem Rennen Nachbauten der alten, chinesischen Drachenboote, die in China bereits eine über 1000jährige Tradition haben. Sie bieten Platz für mindestens 15 Paddler nebst Steuermann und Trommler, der den Rundertakt angibt. Wenigstens 6 Paddler müssen Frauen sein - so will es die Regel.

Die Teams, stammen sie auch aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands, teilen eine gemeinsame Leidenschaft: das Paddeln. Ansonsten sind Moral, Zielerwartungen und Trainingsaufwand so vielfältig, wie die Farben der Teamtrikots: Die Taktiken reichen von "laut schreien und alle ablenken" bis zum simplen Vorsatz: "Schneller paddeln als die anderen!".

"Wunderschöne T-Shirts und Freibier"

Die Grundstimmung vor dem ersten Start ist jedoch positiv, man versucht zum Teil noch mit "wunderschönen T-Shirts und Freibier" neue Teamkollegen anzuwerben. Es folgen Aufwärmübungen, die finalen Tipps durch den Trainer und ein letztes Becks zur Motivation. Einmal wird noch das Teammotto laut herausgebrüllt, dann ab ins Boot. Der Schlag der auf dem Boot befindlichen Trommel muss völlig gleichmäßig sein, wie ein permanenter Pulsschlag. Beinahe synchron tauchen die Paddel ins Wasser, reflektieren beim Auftauchen das gleißende Sonnenlicht. Viel Zeit zum Beglückwünschen bleibt nach gelungener Fahrt nicht: Kehrt man nach den 200 Metern Rennstrecke zum Anlegesteg zurück, warten dort schon die nächsten Kandidaten in den Startlöchern.

Das Kurzstreckenrennen geht über 200 Meter, ermittelt wird je ein Sieger für jede der drei Klassen: Sport, Sport-Fun und Fun-Fun - der Fairness halber. Ein Langstreckenrennen über 1500 Meter auf der Außenalster, Lifemoderation, Verkaufsstände für asiatische und Hamburger Köstlichkeiten und ein Rahmenprogramm während der Pausen runden die Veranstaltung ab.

Alternative zur Bundesliga

Svea Zahn von der Eventleitung zeigt sich sehr zufrieden. Sie hat mit ihrer Firma SD-Services vor drei Jahren das Fest ins Leben gerufen. "Wir sind selbst passionierte Drachenbootpaddler", erklärt sie. "Es war uns wichtig, einen solchen Wettbewerb zu veranstalten." Zwar sind nur 60 Teilnehmer wirklich Asiaten, doch Svea Zahn setzt hinzu, dass viele der antretenden Firmen zumindest chinesische, japanische oder taiwanesische Angestellte beschäftige.

Bis zum Ende der Regatta am Sonntag erwarten die Veranstalter bis zu 100.000 interessierte Zuschauer, nicht zuletzt zum großen Finale und der "Paddlers Night" im Stadtparkbad ab 20 Uhr. Wer also Abwechslung zur Bundesliga-Manie sucht - die Paddelteams freuen sich auf Unterstützung.


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