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Emmy-Verleihung: TV-Absturz für Heidi Klum

Model Heidi Klum moderierte in diesem Jahr die Emmy-Verleihung, die wichtigsten Fernsehpreise der USA. Um die Stimmung zu heben, griff Klum zu einem alten Trick: nackte Haut zeigen. Der große Sieger des Abends war allerdings Kino-Star Tom Hanks.

Von Frank Siering, Los Angeles

Emmy-Gewinner Jeremy Piven ("Entourage") fasste die Eröffnungs-Rede der fünf (!) Gastgeber der diesjährigen wichtigsten Fernsehpreis-Verleihung im Nokia-Center in Los Angeles am besten zusammen: "Was ist, wenn ich einfach für zwölf Minuten weiterrede", sagte er nach dem Gewinn seiner Trophäe. "Was würde dann passieren?" Eine kleine unterhändige Anspielung auf den wohl schwächsten Start in eine amerikanische Award-Show. Denn kurz zuvor hatten Ryan Seacrest, Tom Bergeron, Jeff Probst, Howie Mandel und Heidi Klum wie aufgestellten Wachsfiguren auf der Bühne gestanden und mehr oder weniger direkt zugegeben, dass sie nach mehreren gemeinsamen Treffen in Jerry's Deli und im Haus von Seacrest "nichts, aber auch gar nichts für eine gute und witzige Eröffnung der Emmys an Material gefunden hatten". Das Publikum lächelte höflich. Und wartete auf die Pointe. Aber die kam nicht. Drei der fünf Gastgeber verließen mit hochrotem Kopf die Bühne. Klum und Bergeron blieben stehen. Dann huschte plötzlich Captain Kirk auf die Bühne.

Ein bisschen fülliger als noch zu den Zeiten von Raumschiff Enterprise, attackierte William Shatner plötzlich den Smoking von Klum und riss ihr zusammen mit dem anderen Kollegen die Kleider vom Leib. Und schon stand sie in schwarzen Hot Pants auf der Bühne, das deutsche Topmodel und die dreifache Mama aus Bergisch Gladbach.

Wer jetzt dachte, dass die immerhin über drei Stunden angelegte Show endlich in Schwung kommen würde, der hatte sich mächtig getäuscht. Das fünfköpfige Host-Team taumelte wie ein schwer angeschlagener Boxer in Austauschspieler-Manier über die Bühne und kündigte die nominierten Stars und Shows an.

Pleiten, Pech und Pannen

Klum hielt sich im Vergleich zu ihren auch körperlich viel kleineren Kollegen zwar noch ganz tapfer, aber rutschte bei der Ankündigung von David Boranaz ("Bones") dann doch noch einmal aus, als sie seine Show als "The Bones" ausrief. Peinlich war auch weiterhin Trumpf. Da fiel das Mikrofon von Vanessa Williams aus, als sie die beste Schauspielerin in einem Drama benennen wollte (Glenn Close), der begnadete Sänger Josh Groban rappte ein Medley zu den Erkennungsmeldodien von verschiedenen TV-Klassikern wie "MASH", "The Fresh Prince of Bel Air" und "Baywatch". Ein Moment, den gleich mehrere Blogger als einen der "schlimmsten Momente in der Geschichte vom US-Fernsehen" beschrieben. Aber es gab auch einige anerkennungswürdige Höhepunkte. Der gespielte Disput zwischen Ricky Gervais ("Extras") und Steve Carell ("The Office") zum Beispiel war amüsant. Carell hatte den Emmy von Gervais unter seinem Sitz versteckt und wollte ihn nicht herausrücken.

Oder der Moment, da Late Night Talker Conan O'Brien mit ernster Miene auf der Bühne erschien und dem Publikum erklärte, dass er an dieser Stelle eigentlich ein paar nette Witzen reißen wollte, die Schauspielerin Katherine Heigl ("Grey's Anatomy") ihm hinter der Bühne allerdings gesagt hatte, dass seine Witze nicht "emmywürdig" seien.

Eine Anspielung auf die Tatsache, dass Heigl nach ihrer Emmy-Nominierung in diesem Jahr ihren Namen von der Liste entfernen ließ, weil sie der Meinung war, dass ihre Leistung diesmal nicht "emmywürdig" gewesen sei. Zu den großen Gewinnern des Abends zählte wieder einmal der Pay-TV-Sender HBO. Mit zehn Emmys zog der in jüngster Zeit ob mangelnder neuer guter Shows in die Kritik geratene Sender allen anderen Mitstreitern davon. Vor allem die von Tom Hanks produzierte Miniserie "John Adams", die Comedy-Serie "Entourage" und auch das Drama "In Treatment" räumten ordentlich ab.

Aber auch die Networks, also die unverschlüsselten öffentlichen Sendeanstalten, waren mit einigen Emmyerfolgen gut vertreten. Die Komödie "30 Rock" gewann bereits zum zweiten Mal in Folge in der Comedy-Kategorie. Die Stars der Show, Tina Fey und Alec Baldwin, gewannen für beste Comedy-Darsteller. Heidi Klum übrigens, sowohl in der Kategorie "Best Reality-TV Show" wie auch in der Kategorie "Best Rerality-TV-Host" nominiert, musste eine empfindliche Niederlage in beiden Rubriken einstecken. "The Amazing Race", eine Show, in der unterschiedliche Paare in einem Rennen gegen die Zeit um die Welt rasen müssen, gewann in der Kategorie "Best Reality Show". Und Jeff Probst, langjähriger Host der Mutter aller Reality-Shows "Survivor" siegte als bester Gastgeber. Die Klum trug die Niederlage mit Fassung und zeigte den wartenden Fotografen in der anschließenden After-Party im LA Convention Center ihren blauen Fleck am rechten Oberschenkel. Den hatte sie sich wohl während der Show eingefangen. Ein blauer Fleck, der als Symbol für eine verkorkste Darbietung als Gastgeberin bei den 60. Emmys ein leider allzu deutliches Zeichen setzte.