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Geburtstag: "Miss Tagesschau" wird 60

Mehr als zwei Jahrzehnte war sie das perfekte Aushängeschild der „Tagesschau“, seriös, diszipliniert und stets charmant. An diesem Sonnabend wird die ehemalige Chefsprecherin 60 Jahre alt.

Mehr als zwei Jahrzehnte war sie das perfekte Aushängeschild der „Tagesschau“, seriös, diszipliniert und stets charmant. Von „Miss Tagesschau“ avancierte Dagmar Berghoff zu Deutschlands Nachrichtenlady. An diesem Sonnabend wird die ehemalige Chefsprecherin der ARD-Sendung 60 Jahre. Schlagzeilenträchtige Eskapaden wie die ihrer Ex-Kollegin Susan Stahnke wären bei Berghoff nie denkbar gewesen. Nicht einmal kommentieren mag das die perfekte Blonde aus dem kühlen Norden, meint nur zurückhaltend: „Manches, was da über Kollegen auf den Titelseiten von Boulevardblättern zu lesen war, finde ich sehr bedauerlich. Ich würde mich nie so darstellen wollen. Aber jeder muss selber wissen, was er sich leisten kann“.

Ihrem makellosen Image ist Dagmar Berghoff auch nach ihrem Abschied von der „Tagesschau“ am letzten Tag des Jahres 1999 treu geblieben. Frisch frisiert, perfekt geschminkt und elegant erscheint sie - stets ganz Dame - bei Hamburgs großen Premieren und Kulturevents und moderiert noch immer mit gewohnter Freundlichkeit und Professionalität Reise- und Musiksendungen in Radio und Fernsehen. Ihr einziges kleines Laster: das Rauchen.

Auch nach ihrem Abschied bei der „Tagesschau“ wird Dagmar Berghoff noch oft auf der Straße erkannt. Ihre große Popularität empfindet sie durchaus als zweischneidig. „Für mich überwiegt allerdings meistens das Positive, weil mir die Leute sehr nett begegnen. Die Schattenseite ist, dass viele einen als Allgemeingut betrachten, da ich über das Fernsehen sozusagen täglich in ihr Wohnzimmer kam. Früher wurde alles kommentiert: die Kleider, die ich trug, meine Frisuren.“

Sie hat zwar keine Angst vor dem Altern, betont Berghoff. Aber an Falten kann sie nichts Schönes entdecken. „Die, die behaupten, sich über jede Falte zu freuen, lügen meiner Ansicht nach.“ Als 1997 nach einer Augenoperation hämische Schlagzeilen über ein angeblich missglücktes Lifting durch den Blätterwald rauschten, fühlte Berghoff sich „furchtbar verletzt“. Heute ist das für sie „Schnee von gestern“.

Keineswegs verkraftet hat sie allerdings den Tod ihre Mannes im Jahr 2001. „Darüber möchte ich nicht sprechen. Ich weiß nicht, ob ich das je verkraften werde“, wehrt sie jede Frage ab.

Eigentlich wollte die gebürtige Berlinerin, die bereits 1946 mit ihrer Familie nach Ahrensburg bei Hamburg zog, Schauspielerin werden. Nach dem Abitur verdiente sich Dagmar Berghoff, die ihre Mutter schon im Alter von sieben Jahren verloren hatte, das Geld für die Ausbildung selber: Sie trug Briefe aus, jobbte in einer Käsefabrik und in einer Bar. Heute würde sie sich keine Theaterrolle mehr zutrauen. „Ich habe mir bei der „Tagesschau“ ein Kurzzeitgedächtnis angewöhnt und die Schauspielersprache abtrainiert.“

Ihre erste „Tagesschau“-Ausgabe las sie am 16. Juni 1976 um 16 Uhr. Sie war auf Empfehlung von „Tagesschau“-Legende Karl-Heinz Köpcke, der sonst gegen Frauen im Nachrichtengewerbe plädierte, vom Südwestfunk zu „ARD aktuell“ gestoßen.

Seit einigen Jahren engagiert sich Dagmar Berghoff für das Kinderhilfswerk Terre des Hommes. Bei ihren Reisen zu Hilfeprojekten in Südafrika oder Kambodscha wurde Berghoff mit großem Leid und Armut konfrontiert. „Das Schlimme ist dieses Gefühl der Ohnmacht, weil man immer nur wenigen helfen kann. Aber es ist besser, aktiv zu werden, als den Kopf in den Sand zu stecken oder in Tränen auszubrechen.“