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Germany's Next Topmodel: "Langweilige Bohnenstangen interessieren keinen"

In einer neuen Fernseh-Show sucht Heidi Klum Deutschlands neues Topmodel. Juror Armin Morbach verrät im stern.de-Gespräch, warum selbst ein eher dickes Mädchen Chancen hat.

Topmodel sucht Nachfolgerin - so könnte Heidi Klums erste Fernsehshow-Reihe heißen. Tatsächlich hat die zehnteilige ProSieben-Reihe wie ihr US-Vorbild einen englischen Namen: In "Germany's Next Topmodel - by Heidi Klum" wetteifern 32 junge Frauen um einen Modelvertrag. Von diesem Mittwoch an werden die Sendungen immer mittwochs um 20.15 Uhr ausgestrahlt.

11.637 Frauen hatten sich um die Teilnahme an der Casting-Show beworben. Von ihnen hat Heidi Klum 32 in ihre erste Sendung eingeladen, in der zwölf Kandidatinnen für die nächsten Folgen ausgewählt werden. In ihrem Wettbewerb geht es unter anderem darum, wer das sicherste Körpergefühl vermittelt und am wandelbarsten ist. Auch Disziplin, mentale Stärke und Selbstbewusstsein sind gefragt. In jeder Folge müssen sich eine oder zwei Kandidatinnen von ihrem Traum verabschieden, bevor drei für das Finale übrig bleiben. Die Siegerin gewinnt neben einem Modelvertrag ein Foto-Shooting für den Titel der deutschen "Cosmopolitan".

stern.de sprach mit Armin Morbach über die neue Show. Er sitzt als Experte für Haar und Make-up in der Jury.

Herr Morbach, wer wird Deutschlands neues Top-Model?


Es sollte ein Mädchen sein, das international bestehen kann. Also keine Miss Germany oder Miss Deutschland, sondern wirklich jemand, der die neue Gucci-Kampagne machen könnte.

Was ist der Unterschied zu einer Miss Germany?
Eine Miss Germany muss den Geschmack des Volkes treffen, ein Super-Model den Geschmack einer gewissen Industrie - das ist ein riesiger Unterschied. Ich glaube, bei den Miss-Wahlen suchen irgendwelche Männer eine Frau, die sie zur Freundin haben möchten. Unser Model, das wir küren, will bestimmt niemand zur Freundin haben.

Weil ihr eine Zicke als Topmodel sucht?


Zicke nicht, aber es muss ein Gesicht der Zeit sein, und die sind nicht immer die, die den Geschmack des breiten Volkes treffen.

Aber sollen bei der Show denn nicht die Zuschauer über das neue Model entscheiden?


Nein, das wird von Anfang bis Ende die Jury übernehmen. Ich glaube nicht, dass Tante Winkler aus Paderborn entscheiden soll, wer das neue Gesicht von Chanel ist. Das ist eine Sache, die man Profis überlassen muss. Deshalb habe ich gesagt, sobald das Publikum mitmacht, steige ich aus.

Wer sitzt in der Jury, und wer entscheidet am Ende?


Heidi Klum natürlich, Peyman Amin, Model-Agent bei der weltgrößten Model-Agentur IMG, Bruce Darnel, Choreograph von zahlreichen Mode-Shows, einige Gast-Juroren und ich. Jeder hat eine Stimme, und wenn wir uns mal wieder nicht einig sind, entscheidet die Mehrheit.

Wie war die Zusammenarbeit mit Heidi?


Ich komme mit Heidi super klar, sie ist ein wahnsinniger Profi. Sie ist hart im Nehmen, kennt das Business und weiß natürlich auch, dass sie uns als Jury braucht, denn ich arbeite zum Beispiel in einem ganz anderen Bereich als sie.

Wie muss Ihrer Meinung nach das perfekte Model aussehen?


Wir wollen nicht nur die perfekten, langweiligen Gazellen. Uns ist es lieber, wenn ein Mädchen vielleicht etwas zu dick ist, langweilige Bohnenstangen interessieren keinen. Wir haben für uns die Aufgabe gesehen, die Mädchen auch zu formen. Wer ein tolles Gesicht hat und die Grundvoraussetzungen stimmen, wie zum Beispiel die Größe, dann kann man an allem arbeiten.

Verraten Sie uns Ihre Favoritin?


Ich habe eine Favoritin, bei der die breite Masse bestimmt niemals denken würde, dass sie das Zeug dazu hätte. Mehr verrate ich aber nicht. Wer bis Folge sieben guckt, wird wissen, wer es ist.

Wird denn wirklich eine neue Heidi Klum bei der Show rauskommen?


Ich glaube, wir haben die schönsten Mädchen aller internationalen Staffeln. Das Mädchen, das bei uns gewinnt, wird auf jeden Fall etwas erreichen. Wir wollen keine aus Mitleid gewinnen lassen. Da haben wir keine Lust zu.

Was raten Sie Teilnehmerinnen, die es nicht geschafft haben?


Stellt Euch vor den Spiegel und seid ehrlich zu euch. Es nützt nichts, nur weil irgendeine Freundin mal gesagt hat, du siehst gut aus, weiter vom Modeln zu träumen. Sicherlich gibt es überall kleinere Jobs als Model, doch zum großen Durchbruch gehört sehr viel mehr. Man muss sehr realistisch sein, da draußen gibt es keine gute Freundin, die einem hilft. Da draußen ist es sehr, sehr hart.

Kein Mitleid mit kleinen weinenden Mädchen?


Ich bin ein Weichei, und mir tun die Mädchen sehr, sehr leid. Aber das wird ihnen auf Dauer nichts nützen. Deshalb muss man ehrlich zu ihnen sein, so hart das klingt.

Das Gespräch führte Jens Maier