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Revision: Gina-Lisa Lohfink - der Prozess des Jahres geht weiter

Sie wurde im August wegen falscher Verdächtigung verurteilt: zu Unrecht, glaubt Gina-Lisa Lohfink. Doch einen neuen Prozess empfindet sie als "Albtraum". Dem stern sagte sie, wie sie sich trotzdem gegen das Urteil wehren will.

Gina-Lisa Lohfink

Gina-Lisa Lohfink bei ihrer Verurteilung am 8. August in Berlin. Zusammen mit ihren Anwälten Christian Simonis (l.) und Burkhard Benecken legte sie Rechtsmittel gegen das Urteil ein.

Der meistdiskutierte Rechtsstreit des Jahres geht in die nächste Runde. Im August verurteilte das Berliner Amtsgericht Gina-Lisa Lohfink, 30, zu einer Zahlung von 20.000 Euro Strafe. Sie soll zwei Männer fälschlich der Vergewaltigung beschuldigt haben. Der Fall sorgte für viel Aufsehen und löste eine Debatte über die Definition von sexueller Gewalt aus. 

Lohfink und ihr Anwalt Burkhard Benecken haben sich mit ihrer Entscheidung, wie es weiter geht, Zeit gelassen. Eigentlich habe sie in Berufung gehen wollen, sagt das Model dem stern. Sie habe alle Zeugen, die sie schon mal entlastet haben, nochmal vorladen wollen. "Und das Gutachten, das der Sachverständige von mir gemacht hat, das wurde überprüft, von einem Experten, der wesentliche Fehler festgestellt hat", erklärt Lohfink. Aber noch einmal eine Gerichtsverhandlung? Nochmal das ganze Theater, die teils verächtliche Berichterstattung, die Kommentare im Internet, die Pöbeleien auf der Straße? "Das schaffe ich nicht mehr", sagt Lohfink. "Diesen Albtraum will ich nicht noch einmal erleben. Auch wenn ich finde, dass ich zu Unrecht verurteilt wurde."

Gina-Lisa Lohfink will weiterkämpfen

Weiterkämpfen will sie aber trotzdem. Lohfinks Anwalt, Burkhard Benecken, erklärt: "Wir sind deshalb Ende Oktober vom Rechtsmittel der Berufung zum Rechtsmittel der Revision übergegangen, wir nennen das Sprungrevision." Anders als bei der Berufung geht es hier nicht noch einmal um die Feststellung von Tatsachen, sondern das Urteil wird auf Rechtsfehler geprüft. "In der Regel gibt es dabei keine mündliche Verhandlung mehr, sondern das Verfahren ist schriftlich", erklärt der Strafverteidiger.

Er habe die Revision auf über 50 Seiten schriftlich begründet, erklärt Benecken weiter, "und dabei formelle wie materielle Rechtsverletzungen gerügt", unter anderem, dass mehrere Befangenheitsanträge der Strafverteidiger gegen die Richterin abgelehnt wurden und dass Lohfink nach Auffassung ihres Anwaltsteams bei ihrer Vernehmung durch die Polizei den Vorwurf der Vergewaltigung gar nicht erhoben habe. "Dann gibt es noch andere Punkte, die wir gerügt haben, etwa, dass ihr Einkommen einfach geschätzt wurde, obwohl sie einen Einkommensnachweis vorgelegt hat."

Das Kammergericht wird ein Urteil fällen

Die Sprungrevision führt dazu, dass eine Instanz übersprungen wird. Für eine Berufung wäre das Landgericht Berlin zuständig gewesen. Für die Revision ist das Kammergericht Berlin zuständig. Lohfinks Anwalt: "Wir kämpfen weiter für ein gerechtes Ergebnis."


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