Grammy-Verleihung Amy kam nicht und siegte trotzdem


Amy Winehouse und Kanye West sind die großen Gewinner der diesjährigen Grammy-Verleihung. Die britische Sängerin, die nach dem Hick-Hack um ihr Visum nur aus London zugeschaltet war, schien überwältigt von ihrer Auszeichnung, während sich Preisträger West etwas muffelig zeigte.
Von Frank Siering, L.A.

Die große Gewinnerin des Abends war nicht da. Amy Winehouse saß in London und freute sich zusammen mit ihrer Mutter über die fünf Grammys, die sie gestern gewann. Mit Ausnahme des Albums of the Year - hier ging der Grammy überraschend an Herbie Hancock - hat die mit Einreise- und Drogenproblemen kämpfende Winehouse so ziemlich alles abgeräumt, was man als Musikerin bei den Musik-Oscars abräumen kann.

Kanye West muffelig

Nicht weniger erfolgreich war Kanye West: acht Nominierungen, vier Siege. Aber im Gegensatz zu Winehouse, die sich tatsächlich herzlich über ihre Ehrungen freute, schien Kanye ein bisschen muffelig. Seine Dankesrede überzog er, weil er nicht schnell genug lobende Worte für sich selbst finden konnte. Und der im Vorfeld angekündigte Tribut an seine kürzlich verstorbene Mutter fiel der Pausenmusik zum Opfer. Sehr zum Leidwesen von Kanye. "Wenn ihr mich nicht ausreden lassen wollt, dann stellt wenigstens auch die Pausenmusik ab", so der schwierige Künstler, der nicht nur mit seiner leuchtenden Jacke, sondern auch wegen seiner Frisur auffiel: West hatte sich ein großes "MAMA" in die Haarpracht scheren lassen.

Die Grammys waren aber dennoch in diesem Jahr die Veranstaltung, auf die die Entertainment-Welt das ganze Jahr gewartet hatte. Glanz und Glamour gab es im Staples Center. Viele große Stars waren angereist: von Fergie über Seal bis hin zu Cyndi Lauper, Ringo Starr und Tony Bennett. Sogar Yoko Ono war gekommen, um sich die Beatles-Performance des Cirque du Soleil live anzuschauen. Einer der absoluten Höhepunkte des Abends: Cher kündigte ein Duett von Beyonce mit Tina Turner an. Das Publikum jubelte, als die schon seit einiger Zeit in Rente lebende Turner noch einmal ihre gewohnt feurige Energie auf die Bühne brachte. Mit 68 Jahren sang sie noch einmal "What's love got to do with it". Ganz in Silber gekleidet und fast faltenlos.

Kein Auftritt von Michael Jackson

Mit dem Sieg von Herbie Hancock in der "Best Album"-Kategorie wurde Kanye West übrigens im dritten Jahr hintereinander in der Königsklasse ausgelassen. Ein Umstand, der den Musiker im Anschluss an die Veranstaltung wurmte. "Natürlich habe ich den Grammy in der Klasse verdient. Und ich weiß auch, dass das arrogant klingt. Aber ein Künstler in der besten Zeit seiner Karriere sollte auch als ein solcher Künstler geehrt werden."

Geplant war ursprünglich auch ein Tribut an Michael Jackson. Das hatte der austragende Fernsehsender CBS in Werbepausen im Vorfeld der Veranstaltung immer wieder angekündigt. Zwischenzeitig hieß es sogar, Michael selbst würde bei den Grammys zusammen mit Madonna auftreten. Aber zu diesem Tribut kam es dann doch nicht. Der Fernsehsender CBS war wohl auf massiven Widerstand aus Kreisen von Künstlern und Managern gestoßen. Michael Jackson, einst ein Großer im Musikgeschäft, heute ein Vergessener, der bei den Grammys keinen Platz mehr findet.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker