Gülcan & Collien Auf High Heels durch den Kuhmist


Das ist Gülcan Kamps noch nicht passiert: Niemand interessiert sich für ihr Dekolletee. Dabei hatte es die Bäckersfrau extra ausladend zurechtgezurrt. Kein Wunder, denn sie und Freundin Collien Fernandes leben für die kommenden Wochen auf dem Bauernhof, und da ist kräftiges Anpacken mehr gefragt als attraktives Aussehen.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Bauer Konrad hat eine Beobachtung gemacht: Collien Fernandes isst ein Stück Kuchen mit den Fingern. Eigentlich würde er das auch sehr gerne machen, aber Ehefrau Roswitha kommentiert mit gestrenger Stimme: "Das gehört sich nicht." Doch für Bauer Konrad geht es nicht um die Frage guter Tischmanieren, sondern um die Entdeckung einer Gemeinsamkeit zwischen sich und der Viva-Moderatorin. "Ich bin überrascht, dass Promis genauso Menschen sind wie wir", sagt er.

Ob es noch weitere Parallelen gibt? Nun, drei Wochen lang wird der Landwirt Zeit haben, das herauszufinden: Collien Fernandes macht eine Art Praktikum - oder wie immer man es auch nennen mag - auf dem Bauernhof der sechsköpfigen Familie Estermann im bayerischen Grainbach. Zur Verstärkung hat sie Kollegin und Millionärssohn-Gattin Gülcan-"Ich-laber-dir-das-Ohr-ab"-Kamps mitgebracht.

Mistgabel statt Wimpernzange - bereits die Party-Luder Paris Hilton und Nicole Richie haben sich in der US-Show "The Simple Life" auf dieses extrem gefährliche Experiment eingelassen. Nun zieht ProSieben nach und will mit jenem simpel gestrickten Konzept Quote machen.

High Heels und Kuhfladen vertragen sich nicht

In Folge eins von "Gülcan & Collien ziehen aufs Land" am gestrigen Dienstag erfuhr man denn auch, warum man sich nicht die Mühe machen sollte, einzuschalten. Außer man hat ein besonderes Faible für Langeweile wie die 1,75 Millionen Zuschauer (6,8 Prozent Marktanteil), die Gülcan und Collien bei ihrem Einzug auf dem Bauernhof zusahen. Der Faktor Spannung ist selbst bei einem Überraschungsei noch größer. Alles, was man geboten bekommt, hat man auch schon vorher gewusst: High Heels und Kuhfladen vertragen sich einfach nicht.

Auch Bäuerin Roswitha fühlt sich in ihrem Vorurteil bestätigt: "Die beiden sind genauso, wie ich sie mir vorgestellt habe." Das Klischee wird hübsch bedient, wobei die Angelegenheit, und darin liegt die eigentliche Tragik, ja nicht einmal inszeniert zu sein scheint. Die TV-Ladies demonstrieren, dass sie mindestens so lebensfremd sind wie Prinz Charles, dem nachgesagt wird, er wüsste nicht, wie man sein Auto betankt. Wenn die 26-jährige Collien beispielsweise gesteht, sie hätte noch nie in ihrem Leben ein Ei aufgeschlagen, dann könnte man sich ernsthaft Sorgen machen um ihre Generation.

Dass es andererseits Zehnjährige gibt wie den Bauersjungen Thomas, der tatkräftig und ohne zu meckern den Stall ausmistet, lässt dann doch wieder hoffen. Vorbild könnte er sein, gerade für Gülcan und Collien, doch die finden nichts dabei, Thomas alleine zwischen den Kühen schuften zu lassen, obwohl sie eigentlich mitanpacken sollten. Die Sorge um Fingernägel und Haare hat gesiegt!

Niemals ungeschminkt den Kuhstall betreten

Überhaupt, gut auszusehen ist natürlich alleroberste Pflicht. Wo kommen wir denn hin, wenn man ungeschminkt zum Stalldienst um 5:30 Uhr antritt. Die Pseudo-Landwirtinnen präsentieren sich auf dem Stroh, als wären sie auf dem roten Teppich, doch ringsherum stehen keine schreienden Fotografen, sondern lediglich Kühe, und die glotzen nicht einmal besonders interessiert. Auch nicht, als Gülcan mit besonders ausladendem Dekolletee anmarschiert.

Ob es an ihren weiblichen Reizen liegt oder an der Kindchen-Masche, mit der sich die Moderatorinnen vor ihnen besonders unangenehmen Aufgaben drücken wollen, etwa vor jedwedem Kontakt mit Stallmist, Bauer Konrad jedenfalls lässt sich brav um den Finger wickeln. Noch. "Wenn der merkt, dass die Damen seine Gutmütigkeit ausnutzen, dann schlägt er aber andere Töne an", prophezeit Gattin Roswitha, die von Anfang an die undankbare Rolle der herrischen Familienmama zugewiesen bekommt. Und ganz klar die Regeln formuliert: "Eine Kosmetikstunde zwischendurch ist nicht drin."

Wenigstens konnten die mit Make-up zugekleisterten D-Promis ein weiteres Zimmer aushandeln. Collien versetzte es in schiere Panik, als sie sah, dass sie mit Gülcan drei Wochen lang in einem winzigen Zimmer wohnen sollte. Gastbruder Thomas hatte Erbarmen und überließ ihr sein Reich. "Ich hätte das nicht ausgehalten, die ganze Zeit mit Gülcan in einem Zimmer", sagte Collien. Noch dazu musste der Inhalt der 14 Koffer, mit denen die beiden angereist waren, ja irgendwo untergebracht werden. Saublöd, dass hier, anders als zuhause, kein begehbarer Kleiderschrank zur Verfügung steht. Der nächste Schock: Insekten.

Seid lieb zu den Tieren!

Immerhin, man musste die Viecher nicht verspeisen wie es von Kollegen verlangt wird, die sich fürs Fernsehen in den Dschungel hocken. Doch Collien reichte schon der Anblick des Getiers: "Hilfe, da ist eine Vogelspinne über meinen Kosmetiksachen." Soweit zu Colliens Biologiekenntnissen: die angebliche Vogelspinne stellte sich als Weberknecht heraus. Und Bäuerin Roswitha, weit entfernt von jeglicher Franz-von-Assisi-Attitüde, saugte den dünnbeinigen Störenfried mir nichts dir nichts von der Decke hinein in den Schlund des Staubsaugers. Sicher ein Stich ins Herz für Ex-Dschungel-Insasse Bata Illic, der stets predigte: "Seid lieb zu den Tieren."

So belanglos das alles klingt, etwas anderes gibt es nicht zu erzählen über den Auftakt einer Soap, die die Welt nicht braucht. Was bleibt, ist mal wieder die Frage, warum Fernsehzuschauer dauerhaft unterschätzt werden, und wann endlich der Zeitpunkt kommt, an dem das TV-Volk auf die Barrikaden geht. Noch ist es immerhin möglich, dass Menschen wie Quassel-Queen Gülcan 24 Stunden am Tag Blödsinn aus ihrem Mund spucken können, und Leute sich das angucken. Besonders misslungen war übrigens Gülcans Kommentar über das Aussehen der Landbevölkerung: "Alle sehen aus wie aus einem Comic." Man könnte darauf antworten, aber manchmal sollte man sich den Atem lieber sparen.


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