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Gülcan & Collien: Der Schmarrn hat ein Ende

Endlich kehrt auf der bayerischen Alm wieder Ruhe ein: Gestern Abend lief bei ProSieben die letzte Folge von Gülcans und Colliens kleinem Landausflug. Zum Abschied waren die beiden einen Tag lang die Chefs auf dem Bauernhof und stellten das Haus noch mal ganz schön auf den Kopf.

Von Carolin Neumann

Ende Juni sind Gülcan Kamps und Collien Fernandes ins bayerische Örtchen Grainbach gezogen, um dort der Bauernfamilie Estermann "unter die Arme zu greifen". Den dreiwöchigen Urlaub der Viva-Moderatorinnen, pardon: ihre harte Arbeit auf dem Bauernhof, dehnte ProSieben zu einem zweimonatigen Reality-Blödsinn aus, bei dem sich Gülcan und Collien von ihrer schlechtesten Seite zeigten: Sie zankten, zeterten und zickten ein bisschen und waren dennoch selbst an ihren besten Tagen höchstens öde statt unterhaltsam.

Das war, wie nicht anders zu erwarten, auch im großen Finale gestern Abend nicht anders. An ihrem vorletzten Tag müssen die Praktikantinnen beweisen, was sie auf der Alm gelernt haben, denn während Roswitha und Konrad sich einen Wellness-Kurzurlaub gönnen, sind die beiden für Heim und Herd verantwortlich. Na, wenn das mal gut geht... Immerhin kann Gülcan jetzt Traktor fahren, Collien hat gelernt, wie man Eier aufschlägt, und beherrscht sogar das Melken nach drei Wochen so gut, dass Oma und Opa sich zu einem Lob durchringen. Auch beim Simulieren scheint sie den Bogen mittlerweile raus zu haben, denn Collien ist einmal mehr "schwer erkältet" und dieses Mal glaubt man es ihr sogar.

Tränenreicher Abschied von den Bayern und ihren Kühen

Zum Abschied hat sich die Familie noch mal richtig in Trachten-Schale geworfen. Wenn wir eins aus dieser Dokusoap gelernt haben, dann das: Auf dem bayerischen Land tragen die Männer stets Lederhosen, und jede Frau hat mehrere Dirndl im Schrank. Außerdem dreht sich alles um Kühe oder um Hühner oder um Pferde. Obendrein ist Grainbach ein Ort, an dem man früh schlafen geht, früh aufsteht, viel arbeitet und Bier nicht aus Gläsern, sondern in Maßkrügen trinkt. Im Übrigen wird übelstes bayerisches Kauderwelsch gesprochen, das niemand versteht und deswegen fast immer einer Untertitelung bedarf.

Haben wir noch irgendwelche Klischees vergessen? Wenn ja: Familie Estermann hat sicherlich auch diese perfekt bedient. Der Zuschauer kommt nicht umher, sich zu fragen, wieso Roswitha und Konrad sich diesen Schmarrn bloß angetan haben: Freiwillig zwei nervige D-Prominente wie Gülcan und Collien aufzunehmen, die zu beherbergen man schon geschäftsschädigend nennen könnte. Selbst beim vermeintlichen Erholungsurlaub im Luxushotel ließ sich das Ehepaar von Kameras filmen, während daheim die Geschirrberge wuchsen und die Bäuerinnen auf Probe den Gästen Salz statt Zucker zum Kaffee reichten.

Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Estermann-Söhne aus der Zeit mit den Möchtegern-Paris-Hiltons keine bleibenden Schäden davon tragen. Am Ende beteuern natürlich alle, wie viel Spaß sie doch mit Gülcan und Collien hatten. "Das war ein super Erlebnis für uns", sagt Konrad und "die haben gut zu uns gepasst". Wer's glaubt. In Wahrheit hält sich die Traurigkeit der Familie beim Lebewohlsagen ganz offensichtlich in Grenzen. Bei Gülcan und Collien hingegen kullern, kaum dass die Dutzend Koffer im Auto verstaut sind, bis zum bitteren Ende kamerawirksam die Mascara-farbenen Tränen.

Alles hat ein Ende, nur bei ProSieben nicht

Wenn Gülcan zum Abschied in die Kamera sagt: "Wir kommen bald wieder", klingt das zwar bedrohlich, eine Fortsetzung der Dokusoap ist jedoch fürs Erste nicht geplant. Ganz egal nämlich, wie eng Frau Kamps ihr Dirndl auch schnürte, und wie viele Wehwehchen die Viva-Girlies vortäuschten, um sich vor der Arbeit zu drücken: Am Ende lag die Quote nur noch im einstelligen Bereich und damit weit unterm ProSieben-Schnitt. Eine Weiterführung wie beim US-Vorbild "The Simple Life", das es auf fünf Staffeln brachte, ist nicht zu befürchten. Wer jedoch dachte, dass er mit dem Ende von "Gülcan & Collien ziehen aufs Land" auch Frau Kamps eine Weile nicht mehr sehen muss, der wird bei ProSieben enttäuscht. In der neuen Celebrity-Doku "Comedy Zoo", die Möchtegern-Promis wie Ross Anthony oder Gina-Lisa als Aushilfen in deutsche Zoos schickt, ist auch Gülcan wieder mit von der Partie. Im Gegensatz zu den Kühen auf der bayerischen Alm haben die armen eingepferchten Zootiere jedoch keine Chance, dem Schwachsinn zu entfliehen.