Haft für Paris Hilton Ihr hilft auch keine Berufung mehr


Frühstück wird zwischen sechs und halb acht morgens serviert, auf Mahlzeiten mit Rind und Schwein wird sie ebenso verzichten müssen wie auf ihr Handy. Dennoch ist die Gefängnisstrafe für Paris Hilton mehr als angemessen, sagt Rechtsanwalt Peter Koch im Interview mit stern.de.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Paris Hilton wirklich ins Gefängnis kommt?

Unter den gegeben Umständen ist das sehr wahrscheinlich. Frau Hilton wurde im September vergangenen Jahres unter Alkoholeinfluss angehalten und wegen Trunkenheit am Steuer angeklagt. Sie hat Bewährung gekriegt, das heißt, der Erlass eines Urteils, das wahrscheinlich auch Gefängnis bedeutet hätte, wurde erstmal ausgesetzt - unter gewissen Bedingungen.

Welche Bedingungen waren das?

Sie durfte nicht ohne gültigen Führerschein Auto fahren. Der war eingezogen - sie war mit 0,8 Promille erwischt worden - und ein Fahrverbot erteilt worden. Das wäre Ende März ausgelaufen. Und sie sollte an einem Alkoholprogramm teilnehmen - was sie nicht getan hat. Nachdem das alles ausgesprochen war, ist sie am 15. Januar wieder angehalten worden. Allerdings hat die Polizei da noch nichts unternommen, sondern sie nur belehrt, dass sie nicht fahren darf. Am 27. Februar wurde sie zum dritten Mal gestoppt - nachts, ohne Licht und mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Daraufhin forderte der Staatsanwalt, dass die Bewährung nur unter gewissen Voraussetzungen aufrecht erhalten werden kann. Und die beinhalten eben auch eine bestimmte Zeit im Gefängnis.

Sie will ja in Berufung gehen...

Unter all diesen Umständen kann ich mir nicht vorstellen, dass der Richter auf den Berufungsantrag des Rechtsanwalts eingehen wird.

Die Schuld an dem Debakel gibt sie ihrem PR-Berater, der ihr fälschlicherweise gesagt haben soll, ihr Fahrverbot gelte nur 30 statt 45 Tage und nicht für berufliche Fahrten. Wird man über so ein Verbot nicht persönlich informiert?

Doch, als sie im Januar gestoppt wurde, wurde sie darüber informiert. Sie hat sogar schriftlich bestätigt, dass sie darüber belehrt worden ist. Die Kopie der schriftlichen Bestätigung lag noch im Handschuhfach ihres Autos.

Ist eine Gefängnisstrafe von 45 Tagen nicht sehr hoch?

Es ist eine Strafe, mit der man rechnen kann. Sie war ja bereits zuvor durch merkwürdiges Fahrverhalten aufgefallen, als sie im September angehalten wurde. Damals war sie nicht einmal in der Lage, den Nüchternheitstest zu bestehen: Finger an die Nase und auf einem Bein stehen.

Wo liegt die Promillegrenze in den USA?

Die ist von Staat zu Staat verschieden; in Kalifornien liegt sie bei 0,8 Promille. Wenn sie nur wegen eines kaputten Rücklichts angehalten worden wäre und diesen Promillewert gehabt hätte, wären 45 Tage Gefängnis sicherlich sehr viel. Aber in der Summe ihrer Vergehen ist die Strafe gerechtfertigt.

Es heißt ja, Hilton habe keinen Promi-Bonus bekommen. Hat sie einen Promi-Nachteil?

Würde ich nicht sagen. Wenn man schon eine Bewährungsstrafe kriegt und sich dann so eklatant nicht an die Auflagen hält, dann muss man immer damit rechnen, dass man zumindest eine gewisse Zeit im Gefängnis verbringen muss. Das wäre jedem anderen, der sich so daneben benommen hat, auch passiert.

Wie wird Hiltons Zeit im Knast, darf sie dort mit einer Sonderbehandlung rechnen?

Es ist davon auszugehen, dass sie eine Einzelzelle bekommt. Wenn Prominente eine Strafe abzubüßen haben, dann werden sie für gewöhnlich von der normalen Gefängnis-Population getrennt. Eine weitere Sonderbehandlung wird es wohl nicht geben. Beim Essen wird sie mit dem Vorlieb nehmen müssen, was dort serviert wird.

Wie kann man sich ein amerikanisches Gefängnis vorstellen?

Frau Hilton kommt ja nicht in ein Zuchthaus, sondern in ein County Jail. Dort sitzen zumeist Menschen, die nur kurze Strafen abzusitzen haben. Ein echtes amerikanisches Gefängnis ist eine ganze Ecke härter, als wenn man in der Hamburger Strafanstalt Fuhlsbüttel einsitzt. Aber in einem County Jail sitzen Häftlinge, die eine Freiheitsstrafe von maximal einem Jahr zu verbüßen haben.

Wird Paris Hilton dort arbeiten müssen?

Nein, soweit ich weiß nicht.

Interview: Claudia Pientka


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