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Hollywood: Das Paar, das jeder gerne hasst

Hollywoods Promis tun normalerweise alles, um lauernden Paparazzi zu entkommen. Ganz anders verhalten sich Heidi Montag und Spencer Pratt. Wer bitte? Wie zwei unbekannte Schauspieler mit einer plumpen Marketingstrategie die amerikanische Klatschpresse erobern.

Von Frank Siering, Los Angeles

Heidi Montag und Spencer Pratt sind Stars in Amerika. Klatschzeitschriften wie "US Weekly", "People" oder auch "OK" und "In Touch" berichten häufig und gern über die Reality-Schauspieler der MTV-Serie "The Hills". Selbst die "Los Angeles Times" widmete den beiden unlängst eine ganze Seite im Feuilleton – was auf den ersten Blick eigentlich verwundern dürfte. In "The Hills" spielen die beiden ein Paar, das sich immer mal wieder trennt, um dann doch wieder zueinander zu finden. Spencer Pratt ist dabei der böse Bube, der sich meist daneben benimmt. Heidi Montag ist der blonde Engel, der sich trotz der miesen Methoden einfach nicht von Pratt lösen kann. Teenage-Drama trifft auf "The OC". Sicher, das Doku-Drama ist ein Quotenrenner für MTV, aber "Speidi" - unter diesem Kürzel laufen Pratt und Montag in den USA – sind eben nicht Tom Cruise und Katie Holmes. Oder David Beckham und Posh Spice.

Warum aber erscheinen sie seit einigen Monaten fast wöchentlich direkt neben diesen Superstars auf den Titelblättern der einschlägigen Entertainment-Magazine? Harvey Levin, Gründer der Klatsch-Website tmz.com, glaubt, die Antwort zu kennen: "Montag und Pratt wirken so aufgesetzt, ihr Auftreten ist so offensichtlich gekünstelt und gestellt, dass es einfach Spaß macht, sich über sie lustig zu machen." Und dann fügt er hinzu: "Das Brillante an dem Speidi-Phänomen ist, dass die beiden genau wissen, was sie tun."

Willkommener Medienrausch

Sei es nun ein Auftritt beim Kentucky Derby, Dreharbeiten für Heidis neues Musikvideo am Strand von Malibu oder auch nur ein Shopping-Ausflug auf den Robertson Boulevard in Hollywood – die bestellten Paparazzi sind immer dabei. Montag und Pratt, die gern auch mal als "Promo-Huren" bezeichnet werden, machen keinen Hehl aus ihren Ambitionen. "Wir sind Entertainer. Wir wollen von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, das ist doch ganz selbstverständlich", sagt der 24-jährige Pratt, der sich gleichzeitig auch als Manager seiner 21-jährigen Freundin Montag bezeichnet.

Ob offensichtlich oder nicht – es ist den beiden gelungen, ihren begrenzten Ruhm bis aufs Letzte auszuschöpfen. Für Auftritte in Diskotheken oder ihre Anwesenheit bei der Eröffnung von Einkaufszentren verlangen Speidi heute nach eigenen Aussagen 50.000 Dollar pro Kopf. Einladungen in diverse Talkshows, unter anderem auch in die "David Letterman Show", waren die bisherigen PR-Höhepunkte. Natürlich wurde längst mit Cindy Guagenti, die Stars wie Leo DiCaprio, Reese Witherspoon und Adam Sandler repräsentiert, ein raubeiniger PR-Profi angeheuert. Und selbstverständlich sind auch schon neue Projekte angeschoben. Eine Designermarke soll aus dem Boden gestampft werden, verrät Manager Pratt – "mit dem Namen Heidiwood". Außerdem stehe ein neues TV-Projekt bevor.

Lächerlich? Na und?

Einer, der sich auf seiner Website in aller Regelmäßigkeit über Speidi amüsiert, ist Perez Hilton, der berühmte Blogger aus Hollywood. Gleichzeitig betont er: "Die beiden wirken zwar oftmals sehr lächerlich, haben aber eine fast schon geniale Art und Weise, die Seichtheit in Hollywood auszunutzen." Und genau hier unterscheiden sich die beiden im Moment noch von Cruise und all den anderen A-Listern: Montag und Pratt umarmen die Klatschpresse. "Wenn Janice Min, die Chefredakteurin von 'US Weekly', und meine Mutter gleichzeitig anrufen, dann nehme ich natürlich erst einmal den Anruf von Janice entgegen", gibt Pratt zu. In Zeiten, in denen Promis gern auch mal rabiate Leibwächter anheuern, um lästige Reporter abzuwehren, ist das durchaus ungewöhnlich.

"Spencer und Heidi verkörpern in den USA ein kulturelles Phänomen", sagt Janice Min. "Sie sind das Paar, das jeder gern hasst." Dass die zwei Reality-Schauspieler auch diejenigen an sich heranlassen, die sie nur aufs Korn nehmen wollen, macht sie wiederum sympathisch. Speidi sind sich nicht zu schade, über sich und den ertrommelten Erfolg zu lachen. Damit gelingt es ihnen, Hollywood die oftmals gespielte Ernsthaftigkeit wie eine Maske vom Gesicht zu reißen. Vielleicht braucht die Welt tatsächlich mehr Speidis und weniger Brangelinas und Tomkats.