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Infantin Cristina vor Gericht: Entweder Dummchen oder Betrügerin

Neuer Tiefpunkt für das spanische Königshaus: Nachdem Infantin Cristina im Skandal um ihren Ehemann ausgesagt hat, rätselt das Land, ob sie einfach nur strohdumm oder verlogen-kriminell ist.

Die empörten Schreie hat Cristina wohl nicht gehört. Während sich die Königstochter am Samstag im Landgericht von Palma de Mallorca vor einem großen Bild ihres Vaters Juan Carlos den bohrenden Fragen von Richter José Castro stellte, schimpfte vor dem Gebäude eine Frau vor TV-Kameras: "Wir wollen nicht länger für die Launen dieser Frau bezahlen!" Aber nicht nur die beschuldigte 48-jährige Infantin - der eine offizielle Anklage wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche droht - steht in der Korruptionsaffäre um ihren Ehemann Iñaki Urdangarín, 46, am Pranger.

Schäden für die Monarchie

Die angeschlagene Monarchie, noch vor ein paar Jahren eine der geachtetsten Institutionen Spaniens, werde "so oder so schwere Schäden davontragen", kommentierte Kolumnistin Victoria Prego am Sonntag in der rechtsliberalen Zeitung "El Mundo". Unabhängig davon, ob Castro Cristina neben Urdangarín auf die Anklagebank setze oder nicht, habe die öffentliche Meinung ihr Urteil bereits gefällt, meint sie. Dazu gehört auch der 86-jährige Miguel, der vor dem Gericht in Palma ein Plakat mit einer Fotomontage von Cristina hinter Gittern bei sich trug und der Zeitung "El País" sagte: "Ich bin sehr verärgert. Diese Demokratie funktioniert nicht, wir brauchen ein anderes System ohne Monarchie."

Umfragen zufolge unterstützen nach einer umstrittenen Elefantenjagd des Königs in Afrika, den zunehmenden Gesundheitsproblemen des 76-Jährigen und der Korruptionsaffäre um Cristina nur noch knapp 40 Prozent der Spanier die Royals.

Sogar "Vorzeigevertreter" der Krone wie Königin Sofía, 75, und Kronprinz Felipe, 46, wurden dieser Tage bei öffentlichen Auftritten ausgebuht. Die Vereinigte Linke (IU), drittstärkste Kraft im nationalen Parlament, forderte am Samstag sogar ein Referendum über die Abschaffung der Monarchie.

Nur Skandale in der Zeit der Krise

Vor dem Hintergrund von Krise und Arbeitslosenrate wird überall immer mehr über Sinn und Zweck des Königshauses diskutiert. "Viele Spanier müssen zur Zeit überlegen, wie sie die Heizung und das Essen bezahlen sollen, und dann sehen sie so etwas", sagte Ökonom und Zentrumspolitiker Miguel Angel Revilla in einer der vielen TV-Sondersendungen über die Affäre. "El País" schrieb in Zusammenhang mit dem Skandal um Cristina und den Ex-Handballstar Urdangarín, der als Präsident der gemeinnützigen Stiftung Nóos mehr als fünf Millionen Euro staatlicher Gelder unterschlagen haben soll, gar von einem "Abstieg zur Hölle".

Nach Meinung der meisten Beobachter tat die von Listen offizieller Königshaus-Terminen gestrichene Infantin derweil bei ihrer Vernehmung nicht viel, um die Monarchie zu stärken. "Ich weiß nicht", "Kenne ich nicht", "Nicht, dass ich wüsste" und "Ich kann mich nicht erinnern" habe sie immer wieder auf Fragen von Castro geantwortet, berichteten Medien unter Berufung auf Teilnehmer der Befragung. Der Richter habe eine lange Liste von Privatausgaben hochgehalten, die die "Herzöge von Palma" getätigt und als Kosten eines gemeinsamen Nóos-Zweigunternehmens deklariert haben sollen, und gefragt: "Haben Sie wirklich geglaubt, dass das alles durchgeht?" Bislang ist völlig offen, ob es zu einer Anklage gegen die Königstochter kommt.

Privatausgaben über Firma abgerechnet

Bei den mutmaßlich echten und fiktiven Ausgaben, die der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche gedient haben sollen, handelt es sich laut Beschuldigungsbeschluss unter anderem um Zahlungen für Tanzkurse, Luxusgeschirr, Hauspersonal und Geburtstagspartys. Auch Rechnungen von knapp einer halben Million Euro für die Renovierung des Palaishauses des Ehepaars in Barcelonas Nobelviertel Pedralbes werden angeprangert. Laut Medien beteuerte Cristina, sie habe selbst bei Zahlungen mit eigener Kreditkarte nicht gewusst, woher das Geld kommt. "Ich habe meinen Mann vertraut", habe die seit Mitte 2013 in Genf wohnende vierfache Mutter und ranghohe Bankangestellte versichert.

Solche Entschuldigungen ziehen bei den meisten Spaniern nicht: Viele Medienbeobachter und Vertreter von Nebenklägern sprachen von "faulen Ausreden". "Wenn man wirklich glaubt, dass Cristina nicht wusste, was in ihrem eigenen Haus passierte, dann müsste man sie als dumm bezeichnen", meint nicht nur Königshausexperte Jaime Peñafiel.

Emilio Rappold/DPA / DPA