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Interview: "Körperöffnungen erzeugen keine Scham mehr"

"Körperöffnungen erzeugen keine Scham mehr"

Ob in Doku Soaps, im Internet oder in Psycho- Sendungen im Radio - viele breiten heute in einem Ausmaß Privates über sich in der Öffentlichkeit aus, das vor einigen Jahren noch undenkbar war. Jo Reichertz (54), Professor für Kommunikationswissenschaft in Essen, hat die Motive von Menschen untersucht, die sich beispielsweise im Fernsehen präsentieren.

Warum lassen sich normale Menschen auf dem Hunde-Platz, im Krankenhaus, sogar im eigenen Schlafzimmer von TV-Kameras begleiten?

Reichertz: "Dieses Verhalten erscheint für viele Menschen unverständlich, aber die Kandidaten solcher Shows wollen damit Probleme lösen. Sie wollen beispielsweise öffentlich um Verzeihung für etwas bitten oder jemandem die Größe der eigenen Liebe demonstrieren."

"Warum bezeugen diese Leute sich ihre Liebe nicht einfach wie früher auf einer Parkbank?"

Reichertz: "Privatpersonen reagieren mit ihrem Gang in die Öffentlichkeit auf die Unübersichtlichkeit der Gesellschaft. Woher erkennt der Einzelne, was er wert ist? Wir leben in einer Kultur der Unübersichtlichkeit; in der es für viele wichtig ist, von vielen aufmerksam angesehen zu werden. Wenn einen nicht nur zehn Leute ansehen, sondern hunderte oder hunderttausende, scheint der Wert des Angesehenen automatisch zu steigen."

Wie weit fallen die Schamgrenzen denn noch?

Reichertz: "Die Grenzen fallen im Grunde ja gar nicht. Das Verhältnis von Individuen und Gesellschaft, von Privatheit und Öffentlichtlichkeit wird vielmehr zur Zeit neu austariert. Die Kultur des Bürgertums mit ihren Schamgrenzen war ja auch nicht 'natürlich' oder der Endpunkt der Entwicklung, sondern die damals herrschende Ansicht und somit gesellschaftlich bestimmt. Heute beziehen sich die Schamvorstellungen eben nicht mehr so sehr auf Körperöffnungen und Sexualität, sondern zum Beispiel auf Armut und Krankheit. Hierüber spricht man öffentlich heute so gut wie nicht mehr."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(