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Interview Ed O'Neill: "Ich habe mit Al Bundy Frieden geschlossen"

Ed O'Neill ist nach langer TV-Abstinenz in den USA wieder in einer Serie zu sehen. "Modern Family" ist ein Quoten-Hit. Im Interview mit stern.de erklärt Ed O'Neill inwiefern dieser Erfolg ihm hilft, endlich einen Schlussstrich unter seine dunkle Al-Bundy-Vergangenheit zu ziehen.

Mr. O'Neill, stört es Sie, wenn Sie heute, zwölf Jahre nach dem Ende der Serie "Eine schrecklich nette Familie" auf der Straße noch immer als Al Bundy angesprochen werden?
Nein, heute komme ich damit besser klar. Aber es hat lange gedauert.

Was meinen Sie damit?
Nun, ich gebe gerne zu, dass es mir schon lange Zeit auf die Nerven ging, wenn ich als Al Bundy bezeichnet wurde. Die Rolle hing mir unendlich lange nach. Wie ein dunkler Schatten. Ich konnte sie nicht abschütteln, egal, was ich auch anstellte.

Nun, Kritiker würden an dieser Stelle wohl sagen, Sie seien undankbar. Immerhin hat Ihnen Al auch über viele Jahre ein anständiges Gehalt eingebracht, oder?
Ja, das stimmt natürlich. Der Job hat mich reich gemacht. Aber er hat mir auch viele Nerven gekostet. Stellen Sie sich einmal vor, Sie gehen als Schauspieler durchs Leben und werden immer nur ob einer Leistung von den Anhängern erkannt.

Das ging anderen auch so. Ich denke da an Captain Kirk, Spock oder auch Columbo.
Da ist was dran. Aber von einigen, die Sie hier nennen weiß ich persönlich, dass Sie auch so ihre Probleme damit hatten, andere Jobs zu finden. Hollywood ist da sehr schnell mit der Schublade.

In Ihrem Fall war es dann also so, dass die Bosse immer gleich den albernen Familienvater sahen?
So ungefähr. Aber es ist ja nicht so, dass ich in den letzten Jahren nicht gearbeitet habe. Es war angenehm für mich, nur die Jobs anzunehmen, die mir auch zusagten. Ein schönes Gefühl.

Und was haben Sie mit der vielen Freizeit gemacht, die Sie in den letzten Jahren hatten?
Ich habe niemals wirklich Langeweile gehabt. Meine beiden Kinder haben mich genauso beschäftigt wie mein Ju-Jitsu-Training.

Ju-Jitsu?
Ja, ich habe mittlerweile den Schwarzen Gürtel.

Al Bundy, eine gefährliche Waffe?
Sehr nett. Sehen Sie, es sind genau diese Witze, die mir nach Abschluss der Serie Bauchschmerzen bereitet haben.

Sie haben in diesem Jahr erstmals nach "Eine schrecklich nette Familie" wieder bei einer Komödie angeheuert. Warum?
Ja, das stimmt. Nun, als ich das Skript zu "Modern Family" in die Hand bekam, konnte ich es nicht mehr zur Seite legen. Ehrlich. Ich habe gleich geahnt, dass das was werden könnte.

Sie hatten einen guten Riecher. "Modern Family" ist ein Hit im US-Fernsehen. Können Sie sich vorstellen nochmals zehn Jahre für eine Show vor der Kamera zu stehen?
Nein, zehn Jahre mache ich nicht mehr. Das kann ich Ihnen garantieren. Vielleicht fünf, aber dann hört es auch schon auf.

Wie sieht für Sie ein guter und erholsamer Nachmittag aus?
Die Zeitung, Ju-Jitsu-Training, ein gutes Essen bei meinem Lieblingsitaliener in Santa Monica und ein netter Abend mit meiner Frau. Ganz einfach.

Mal ehrlich, Mr. O'Neill, hätten Sie sich jemals erträumt, durch einen TV-Charakter solch internationalen Ruhm zu erreichen?
Wissen Sie, als junger Bursche habe ich davon geträumt, als Football-Spieler Karriere zu machen. Dieser Traum wurde zerstört, als ich aus dem Team der "Pittsburgh Steelers" geschmissen wurde, bevor die Saison anfing. Heute bin ich mehr als zufrieden, durch meine Rolle als Al Bundy meine Zukunft und die meiner Familie gesichert zu haben. Ich bin Al Bundy, und habe mit dieser Identifikation meinen Frieden geschlossen.

Frank Siering
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