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Dodge Caliber: Buddy aus Amiland

Passend zur Fußball-WM will Dodge mit dem Caliber Männer-Herzen glücklich machen und präsentiert den Ami als "best buddy" des starken Geschlechts. Doch wie bei allen Machos stellt sich die Frage: Harte Schale, weicher Kern?

Von Frauke Hansen/Ibiza

Was ist ein Mann ohne seinen besten Kumpel? Ohne einen echten Kerl, mit dem man nach der Maloche entspannen kann, der eine Party erst vollkommen macht und der einem das Bier gut gekühlt serviert? Für bisher hoffnungslos freu(n)dlose Fälle holt Dodge jetzt den Caliber aus der Auto-Wundertüte und will mit ihm Europa auf die Hörner nehmen. Im Mutterland USA ist Dodge die Marke für harte Kerle und war in den Jahren bis zur Caliber-Geburt vor allem auf Trucks und große Vans spezialisiert (selbst der härteste aller Schuhverkäufer - Al Bundy – fuhr Dodge!). Pünktlich zum Großereignis Fußball-WM soll ab 10. Juni auch das starke Geschlecht in Deutschland mit einem Wagen des passenden Kalibers ausgerüstet werden. Endlich also kümmert sich einer um die Bedürfnisse und Wünsche harter deutscher Männer. Hallelujah.

Auch beim Blind Date mit dem Caliber ist der erste Eindruck entscheidend. Der potentielle neue beste Freund sei genau das, worauf Männer "um die 40" gewartet hätten und präsentiere sich "maskulin und expressiv", weiß Thomas Hausch, internationaler Verkaufsleiter der US-Marke. "Wie ein Macho", will der Betrachter beim ersten Blick auf das Ami-Geschoss still hinzufügen. Mit seinem Körperbau macht der Caliber einen auf dicke Hose. Ganz nach dem Motto "big ist beautiful" rollt der Dodge auf breiten Reifen durch die Autowelt, die noch breiteren Bodybuilder-Schultern verstärken den bulligen Eindruck. Der typische Fadenkreuz-Kühlergrill ist amerikanisch gewaltig, wenn auch nicht so wuchtig wie bei seinen Konzern-Geschwistern Chrysler und Jeep. Trotzdem ist von vorne die Familienzugehörigkeit unverkennbar, beim Gesicht war Mama Chrysler am Werk.

Ja, was will er denn?

"Mutig" soll es sein, das jüngste Kind der Chrysler-Gruppe. Mutig ist vor allem das Design. Ecken mischen sich mit Rundungen, Kanten mit Kurven. So richtig mag sich der Caliber nicht entscheiden, was er denn nun sein will. Coupé, SUV oder doch eher Mittelklassewagen? Dodge selbst steckt den 5-Türer in letztere Gruppe. Doch die 1,50 Meter Höhe und die 17 Zoll großen Räder erinnern mehr an die SUV-Kollegen denn an die anvisierte C-Klasse. Auch mit seiner Länge von fast 4,42 Metern überragt der Caliber seinen größten Konkurrenten VW Golf um gute 20 Zentimeter. Dank kleiner Fenster, Keilform und einem von der A-Säule über den integrierten Heckspoiler bis zum Heck durchlaufenden schwarzen Rahmen drängt sich dem Betrachter der Eindruck auf, er habe es hier mit einem Möchtergern-Coupé zu tun. Will so etwas das Männer-Herz? Von jeden dieser Zutaten ein bisschen? Eins jedenfalls ist sicher: Mutige Deutsche werden mit diesem Schrei nach Aufmerksamkeit erhört werden, der Caliber hebt sich optisch deutlich von seinen Konkurrenten ab.

Gibt sich der Multikulti-Wagen von außen männlich-kantig und aufregend anders, zeigt er von innen sein zweites Gesicht. Harte Schale, weicher Kern? "Luxus und Extravaganz sind mir egal, Funktionalität heißt das Zauberwort", scheint das von Hartplastik überzogene Cockpit zu schreien. Funktionalität ist nicht schlecht, aber langweilig ist das schon. Kein Holz, kein Leder, weit und breit nur Plastik. Selbst die "Zierringe in Alu-Optik" der typisch amerikanischen runden hervorstehenden Anzeigeninstrumente sind aus demselben Material. Bei der Preisklasse ist aber nichts anderes zu erwarten. Die Sitze sind etwas kurz geraten, aber durchaus gemütlich. Gepflegt entspannen kann man(n) in dem Ami-Schlitten also. Die Mittelkonsole präsentiert sich unaufgeregt übersichtlich mit großem Display und nur drei Drehreglern. Schnick-Schnack ist nichts für echte Kerle. Eine Menge Platz dafür umso mehr. Besonders auf den Rücksitzen erhält der Begriff "Beinfreiheit" eine neue Bedeutung, selbst lange Kerls können sich hier relaxt zurücklehnen. Ein Grund zum Jubeln für alle Handwerker ist das Kofferraumvolumen. 534 Liter freuen sich darauf, mit Kisten, Koffern und Gerätschaften gefüllt zu werden, bei umgeklappten Rücksitzlehnen steigt das Volumen auf 1339 Liter.

Chillen und grillen mit dem Ami-Buddy

Der wahre Charakter liegt im Detail und da zeigt sich der Caliber durchaus innovativ: Abenteurer-Herzen werden bei der herausnehmbaren hinteren Oberleuchte höher schlagen, das Bier kann auch bei tiefster Dunkelheit zielsicher in die eisblau beleuchteten Cupholder bugsiert werden. Cool und praktisch ist die "Chill-Zone" im Handschuhfach, ein durch die Klimaanlage betriebener Kühler für vier 0,5-Liter-Flaschen (das Bierchen ist da natürlich nur für den Beifahrer). Großer Pluspunkt im Rennen um die Zuneigung des deutschen Mannes. Der Sommer kann kommen! Das Beste zum Schluss beziehungsweise am Wagenende: Weil kein Mann ein richtiger Kerl ist, kann er kein richtiges Barbecue veranstalten, greift der amerikanische Buddy seinem Fahrer unter die Arme und sorgt bei Partys aller Art für die passende Beschallung. Für einen Aufpreis von knapp 422 Euro können an der geöffneten Heckklappe zwei Lautsprecher ausgeklappt werden – yeah man!

Im Fahrtest sammelt der Caliber weitere Pluspunkte. Der 2.0 CRD-Turbodiesel (140 PS) mit Fünfgangschaltgetriebe zieht gut an und lässt ein Limousinen-Gefühl aufkommen. Die Automatik des 2.0-Benziners (156 PS; die Benziner gibt es zurzeit nicht mit Handschaltung) ist von diesem Gefühl meilenweit entfernt, brüllt bei der Beschleunigung vor Schmerzen. Erst nach heftigem Gemecker schaltet der Caliber in einen höheren Gang. Insgesamt liegt der 1,4-Tonner angenehm direkt auf der Straße und schmeichelt durch gute Wendigkeit. Beim Linksabbiegen allerdings zeigt die A-Säule ihr Teufelsgesicht: In engen, scharfen Kurven ist die Sicht dank des Zusammenspiels mit den recht groß geratenen Seitenspiegeln eingeschränkt. Gut zu Fuß ist er, der Dodge: Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h sprintet der Diesel-Caliber in 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und soll laut Hersteller nur 6,1 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Also nix mit amerikanischer Benzinschleuder.

So günstig? Wo ist der Hacken?

Ins Schleudern bringt einen allerdings der Preis: Ein 1,8-Liter-Basis-Benziner mit umfangreicher Serienausstattung schon für 14.990 Euro? Wie günstig! Zum Start des Europa-Angriffs tritt der Caliber in drei Versionen an: S, SE und SXT. Der billigste Diesel beginnt bei 18.500 Euro. Die teuerste Caliber-Version, veredelt mit dem Luxury-Package, kostet rund 22.110 Euro.

Männer, die sich des neuen Freundes noch nicht sicher sind, lockt Dodge mit der 5-Sterne-Garantie. Drei Jahre oder 50.000 Kilometer lang werden alle Wartungs- oder Reparaturarbeiten vom Unternehmen übernommen. Der amerikanische Buddy bringt also nicht nur ein maskulines Äußeres und Männerherz-erfreuende Detaillösungen, sondern auch einen zahlungskräftigen Daddy mit. Hört sich gut an, denn kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – auch die unter echten Kerlen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.