HOME

Hydroxychloroquin: Trump bewirbt Arznei gegen Corona – weil er damit Geld verdienen will?

Hydroxychloroquin gilt als einer der Kandidaten zur Behandlung von Covid-19 – und wurde von Donald Trump aggressiv beworben. Nun stellt sich heraus: Er hält Anteile einer Firma, die den Wirkstoff produziert. Doch ganz so eindeutig ist die Situation wohl nicht.

US-Präsident: Trump droht WHO mit Stopp von Beitragszahlungen

Es war eine etwas bizarre Pressekonferenz. Als Donald Trump am Samstag zum Umgang seiner Administration mit Beatmungsgeräten gefragt wurde, reagierte er mit einer Tirade über das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin. Er würde Covid-19-Patienten lieber damit behandeln, als sie mit Beatmungsgeräten zu retten, erklärte er. "Was habt ihr zu verlieren? Probiert es aus, probiert es einfach aus", wiederholte er immer wieder in Bezug auf das Medikament. Nun stellt sich heraus: Trump hat in einen Hersteller des Wirkstoffs investiert.

Über Umwege ist Trump am französischen Pharmakonzern Sanofi beteiligt, berichtete die "New York Times (NYT)" am Montag. Der stellt mit Plaquenil ein Medikament mit dem Wirkstoff her. Laut der Zeitung hatten die drei Treuhandfonds, die Trumps Vermögen während der Präsidentschaft verwalten, alle in den Dodge & Cox Fonds investiert – der wiederum Anteile von Sanofi hält. Auch ein früher vom Finanzminister geleiteter Fonds sowie einer des republikanischen Großspenders Ken Fisher hatten demnach Anteile an dem Unternehmen. Die Implikation: Trump und seine Administration könnten aus finanziellem Anreiz gehandelt haben.

Was ist an den Vorwürfen dran?

Doch ist die Lage wirklich so einfach?

Schon ein Detail der "NYT"-Story macht stutzig: Demnach vertreibt Sanofi zwar tatsächlich noch Plaquenil – aber nicht in den USA. Die "Washington Post" und das Portal "Marketwatch" haben zudem berechnet, wie viel Geld Trump wirklich in das Unternehmen investiert hat – und es dürfte deutlich weniger sein, als man zunächst vielleicht vermuten würde.

Demnach ist es zwar tatsächlich so, dass der Dodge & Cox Fonds Sanofi als größtes einzelnes Investment hält - dennoch betragen die Anteile des Unternehmens nur 3,3 Prozent des Gesamtvolumens des sehr breit aufgestellten Fonds. Hinzu kommt: Die Trump-Treuhandfonds halten laut den letzten Offenlegungen aus dem Mai 2019 nur jeweils zwischen 1000 und 15.000 Dollar an dem Dodge & Cox Fonds. Im Klartext heißt das: Die Anteile des US-Präsidenten an Sanofi betragen insgesamt zwischen 99 und 1485 Dollar. Zumindest, wenn er seine Anteile seitdem nicht drastisch erhöht hätte.

Wahlkampfthema Covid-19

Vermutlich steckt schlicht politisches Kalkül hinter Trumps Werbung für das Medikament. Mit jedem Tag, an dem mehr US-Amerikaner an dem Virus erkranken, wächst auch der Druck auf den Präsidenten. Eine äußert unangenehme Situation, zumal sich Trump im November der Wiederwahl stellen muss. Ein schnell gefundenes Heilmittel könnte da das Pendel schnell wieder zu Gunsten des Präsidenten umschwingen lassen. Kein Wunder also, dass Trump lieber schnell handeln will, als die üblichen, langen Testphasen für Medikamente abzuwarten.

Dabei stellt sich der Präsident auch gegen seinen mittlerweile auch international bekannten Top-Virologen Anthony Fauci. Der mahnte immer wieder, erst klinische Studien abzuwarten, um die Sicherheit und die Wirksamkeit des eigentlich für andere Krankheiten freigegebenen Medikaments auch für Corona-Patienten garantieren zu können.

Nachdem sich Trumps Handelsberater Peter Navarro, der auch für den Einkauf von medizinischen Produkten zuständig ist, wegen des Medikaments öffentlich gegen Fauci gestellt hatte, sprang ihm laut dem "NYT" auch der Präsident zur Seite. Und erklärte ebenfalls, dass die von Fauci geforderten Studien zu lange dauern würden. "Wir haben keine Zeit", eilte Trump. "Wir haben nicht mal zwei Stunden. Die Menschen sterben jetzt."

Quellen: New York Times, Washington Post, Market Watch

mma