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Großstudie zu "Wundermittel": Tiefschlag für Trump: Hohe Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten durch Hydroxychloroquin

Donald Trump preist Hydroxychloroquin als "Wundermittel" gegen das Coronavirus – und nimmt es vorbeugend selbst. Nun belegt eine groß angelegte Studie: Das Malaria-Mittel hilft nicht nur nicht, sondern erhöht die Todesrate unter Covid-19-Patienten.

Tropenmediziner Peter Kremsner erklärt, was wir über das Malaria-Medikament wissen

Covid-19-Patienten, die mit den Malariamitteln Hydroxychloroquin und Chloroquin behandelt werden, weisen einer groß angelegten Studie zufolge eine höhere Sterblichkeitsrate auf. "Hydroxychloroquin und Chloroquin zeigen keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten", erklärte Studienautor Mandeep Mehra vom Brigham and Women's Hospital der Harvard Medical School in Boston am Freitag. Vielmehr wiesen die erhobenen Daten auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Zudem erhöhten die Medikamente das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Das Ergebnis der Studie ist ein weiterer Tiefschlag für US-Präsident Donald Trump, der seit Wochen die beiden Malaria-Mittel im Kampf gegen das Coronavirus propagiert. Erst zu Beginn der Woche hatte er mitgeteilt, dass er Hydroxychloroquin vorbeugend sogar selber nimmt. Dabei vermittelte er den Eindruck, die Einnahme sei unbedenklich. Dafür wurde Trump massiv kritisiert – selbst von seinem Haussender Fox News, den der US-Präsident seither mit Beschimpfungen überzieht.

Donald Trump: Kritiker liegen richtig

Doch die am Freitag in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie gibt Trumps Kritikern deutlich recht – und es handelt sich dabei keineswegs nur um eine weitere Untersuchung. Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Herzzentrums am Universitätsspital Zürich hatte für die Studie die Daten von 96.000 Patienten in Hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet.

Dabei unterschieden die Forscher vier Gruppen: Eine Gruppe erhielt Hydroxychloroquin, eine weitere Chloroquin. Die dritte Gruppe wurde mit einem der beiden Mittel in Kombination mit Antibiotika behandelt und eine Kontrollgruppe erhielt keines der Medikamente.

Hydroxychloroquin: Sterblichkeitsrate am höchsten

Die Sterblichkeitsrate der Kontrollgruppe lag bei neun Prozent. Bei den Patienten, die mit Hydroxychloroquin behandelt wurden, waren es 18 Prozent, bei jenen, die Chloroquin einnahmen 16,4 Prozent. In Kombination mit Antibiotika lag die Sterblichkeitsrate sogar bei 23,8 Prozent (Hydroxychloroquin) beziehungsweise 22,8 Prozent (Chloroquin).

Bei einer Behandlung mit den Malariamitteln hätten die Patienten folglich ein bis zu 45 Prozent höheres Risiko zu sterben, erklärten die Studienautoren. "Für die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin und Chloroquin bei Covid-19 gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Im Gegenteil, insbesondere bei Covid-19-Patienten mit Herzerkrankungen beobachteten wir schwere Nebenwirkungen, vor allem lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen", sagte Frank Ruschitzka, Leiter der Kardiologie am Universitätsspital Zürich.

Brasilien empfiehlt Mittel, Großbritannien kauft groß ein

Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin werden seit langem als Mittel gegen Malaria-Infektionen eingesetzt. Insbesondere Chloroquin hat zahlreiche Nebenwirkungen. Ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Covid-19-Patienten ist bereits seit längerem umstritten.

Trotzdem hält sich in einschlägigen Kreisen die Ansicht, Covid-19 sei mit den beiden Mitteln beizukommen; sogar soweit, dass es keiner Einschränkungen wegen des Coronavirus mehr bedürfe. Neben Donald Trump empfiehlt Brasiliens Regierung die beiden Wirkstoffe offiziell zur Behandlung selbst leichter und mittelschwerer Fälle der Lungenkrankheit. Die britische Regierung hat Hydroxychloroquin im Wert von 35 Millionen Pfund bestellt.

dho / AFP

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