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Interview Ralf Bauer: Vom Surfbrett auf die Yogamatte

Ralf Bauer ist ein Draufgänger, ein Frauenheld. Zumindest in den Fernsehrollen, die der 41-Jährige stets spielt. Dass er Yoga praktiziert und sich für die Unabhängigkeit Tibets engagiert, wissen wenige. Im Interview mit stern.de gibt er Tipps, wie Yoga gegen Rückenschmerzen hilft und berichtet von seiner Reise nach Indien, wo er körperlich an seine Grenzen gestoßen ist.

Herr Bauer, haben Sie heute schon Yoga gemacht?

Ja, heute morgen nach dem Aufstehen, 21 Mal den Sonnengruß.

Ich hatte die Hoffnung, dass wir zusammen ein paar Übungen machen können.

Dafür wäre die Jeans aber ganz schlecht. Aber wir können trotzdem etwas machen. Sitzen Sie viel?

Ja, sehr viel am Schreibtisch. Rückenschmerzen sind mir deshalb sehr vertraut. Gibt es da spezielle Übungen? Sie haben geschrieben, dass sie früher ständig Rückenschmerzen hatten.

Oft hilft es schon, sich einfach mal aufrecht hinzusetzen, die Arme auf dem Rücken zu verschränken und diese Position zu halten. Entscheidend ist dabei die Atmung, denn alle Yoga-Übungen sind immer mit Ein- und Ausatmen verbunden. Durch die Verbindung aus Bewegung und Atmung bildet sich eine Art Luftkissen, die im Rücken eine Art Schutzpolster aufbauen. Und das hat mir sehr geholfen gegen die Rückenschmerzen.

Seit wann und wie regelmäßig machen Sie Yoga?

Seit sechs Jahren mache ich jeden Morgen 21 Sonnengrüße. Wie lange ich dafür brauche, hängt von meiner Tagesform ab. Wenn ich gut drauf bin, dauert's nur elf Minuten, sonst so eine Viertelstunde.

Wie sind Sie denn zum Yoga gekommen? Das ist ja nicht gerade der typische Männersport.

Als Jugendlicher habe ich Judo gemacht und mich darüber mit der asiatischen Judophilosophie beschäftigt. So hat sich mein Interesse für die asiatische Philosophie weiterentwickelt. 1998 bin ich dann nach Thailand geflogen, um Tai-Chi zu erlernen. Mein Lehrer bestand darauf, dass wir morgens erst meditieren, dann Yoga machen und zum Schluss die Thai-Chi-Übungen. Am Anfang war ich etwas skeptisch, habe dann aber gemerkt, dass es mir und meinem Körper gut tut.

Zur asiatischen Philosophie gehören ja nicht nur bestimmte Bewegungsabläufe, sondern auch die richtige Ernährung. Wie halten Sie's denn mit Fleisch und Alkohol?

Ich glaube die eigenen Erfahrungen sind wichtig, weil es bei jedem individuelle Unterschiede gibt. Welche Wirkung Alkohol, Tee oder Kaffee haben, muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich verzichte auf Fleisch und trinke morgens lieber Tee als Kaffee, weil ich so sanfter wach werde. Und ich habe festgestellt, dass mir warmes Wasser gut bekommt. Ein gutes Glas Wein gönne ich mir allerdings ab und an schon. Was Ernähung angeht, sollte man wissen, was man isst. Wenn ich etwas Falsches für meinen Körper esse, werde ich müde. Das kann an der Qualität der Ware liegen, daran, dass mein Körper ein bestimmtes Produkt nicht verträgt, es kann aber auch sein, dass es der falsche Zeitpunkt ist. Daher versuche ich nach 20 Uhr nichts mehr zu essen.

Das ist doch im Alltag sicherlich wenig praktikabel.

Ich versuche es einzuhalten. Wenn ich Theater spiele wird es ein bisschen schwierig. Aber das sind Dinge von denen ich gemerkt habe, dass sie mir wirklich gut tun. Lieber verzichte ich auf ein Abendessen, als um Mitternacht noch etwas zu mir zu nehmen.

Merken Sie, dass Ihnen Yoga im Alltag weiterhilft?

Ja, auf jeden Fall. Man gewinnt ein besseres Gespür für seinen Körper. Wenn ich krank bin, kann sich mein Körper viel schneller regenerieren, als er das früher konnte. Auch viele Reisen und weite Flüge machen mir nicht mehr so zu schaffen. Früher brauchte ich oft einen Tag, um mich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Das habe ich jetzt gar nicht mehr.

Nun haben sie ein Buch zum Thema Yoga geschrieben. Warum?

Das habe ich mich zunächst auch gefragt, als ich das Angebot vom Verlag erhalten habe. Ich bin ja kein Yogi, der seine Lehre vermittelt. Dann dachte ich aber "Warum nicht". Yoga hat eine grundlegende Bedeutung für mein Leben gewonnen, warum soll ich meine Erfahrungen nicht an andere weitergeben. Ich will niemanden zum Yoga "bekehren", aber wenn jemand Fragen hat, beantworte ich die natürlich gern.

Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil berichten Sie in Tagebuchform von ihrer Reise nach Indien, im zweiten erklären Sie Übungen und Atemtechniken. In Indien haben Sie auf eigene Verantwortung gefastet. War das nicht ein wenig riskant in einer fremden Umgebung und geschwächt zu fasten?

Ich liebe gutes Essen, und wir hier in Europa sind so daran gewöhnt, in regelmäßigen Abständen etwas zu uns zu nehmen. Es ist spannend zu sehen, dass es auch anders geht. Dass man loslassen kann von dieser Routine und die Grenzen seines Körpers austestet. Ich dachte mir einfach, wenn ich in Indien das äußere Yoga praktiziere, also die Atemübungen und Dehnungen, dann brauche ich auch das innere Yoga, das meinen Körper reinigt, und habe begonnen zu fasten. Gut eine Woche habe ich auf feste Nahrung verzichtet, dafür literweise heißes Wasser getrunken. Es war schon hart, aber eine zentrale Erfahrung für mich.

Sie sprechen immer wieder von ihrer Faszination für Tibet. Berühren Sie die aktuellen Ereignisse dort und wie sieht ihr Engagement für Tibet aus?

Meine beste Freundin ist Tibeterin. Sie lebt in Wien und betreibt dort ein Restaurant, wo sich viele Exil-Tibeter regelmäßig treffen. Ihre älteste Tochter ist mein Patenkind, deshalb habe ich auch eine familiäre Anbindung. Gerade durch die Eskalation in den letzten Wochen, durch die Berichterstattung in den Medien, ist Tibet ja wieder im Gespräch. Aber was ich da so lese, ist für mich nichts Neues. Das sind Sachen, die passieren in Tibet seit 48 Jahren. Ich versuche die Exil-Tibeter in Deutschland zu unterstützen, in dem ich an Protestmärschen oder Demonstrationen teilnehme. Ich veranstalte Lesungen mit tibetischen Märchen, bin mit der tibetischen Fußball-Nationalmannschaft bei einer Pressekonferenz aufgetreten, habe Exil-Tibetern in München die Courtage für eine neue Wohnung gezahlt und so weiter. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Was sind nach dem Buch ihre nächsten Projekte?

Es stehen Dreharbeiten an – in Berlin und in Kanada – und im Herbst gehe ich mit meinem eigenen Programm, einer Mischung aus Literatur und Musik, auf Tour.

Interview: Julia Mäurer

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