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Jennifer Aniston: Die "öde Blondine" wird 40

Als "ödeste Blondine von ganz Kalifornien" wurde sie beschimpft, die Trennung von Brad Pitt hat sie mit stoischer Ruhe ertragen: Jennifer Aniston hat mit 40 Jahren immer noch das Image, ein nettes, blondes Dummchen zu sein. Zu Unrecht, findet stern.de-Autorin Tina Epking.

Klein ist sie, nur 1,63 Meter. Wahrscheinlich wirkt sie auch deswegen so mädchenhaft. Auch mit 40. Ihre Haare sind lang und blond und sie fallen, als wäre sie gerade beim Friseur gewesen - das tun sie immer, diese berühmten Haare. Jennifer Aniston prägte diesen Look Mitte der 90er-Jahre, als sie mit der Sitcom "Friends" berühmt wurde. Amerikanische Frauen rannten scharenweise zum Friseur, weil sie so eine Mähne wollten wie die hübsche, leicht trottelige "Rachel Green", die von Aniston gespielt wurde.

Ihre Frisur ist heute anders, viel moderner, irgendwie jünger. Die prägnanten Nasen-Lippen-Furchen zeichnen sich etwas tiefer ab als noch vor zehn Jahren, ansonsten hat sich Jennifer Aniston nicht großartig verändert. Kaum zu glauben, dass dieses durchtrainierte, leicht gebräunte California Girl am 11. Februar 40 Jahre alt wird. Kaum zu glauben, dass Aniston bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich hat - fünf Jahre lang war sie mit Brad Pitt verheiratet. Und kaum zu glauben, dass diese immer so freundlich lächelnde, bescheiden und bodenständig wirkende Person steinreich ist. Zwischen fünf und zehn Millionen kassiert die Schauspielerin pro Film, ihr Gesamtvermögen wird auf 110 Millionen US-Dollar geschätzt.

Das alles ist hart erarbeitet. Über viele Jahre. Und eigentlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass Jennifer Aniston sich zielstrebig und mehr oder weniger "normal" verhält. Was in Hollywood aber nur heißt, dass sie eben nicht drogenabhängig oder magersüchtig oder schlichtweg irre ist. Doch ihr zurückhaltendes, diszipliniertes Verhalten wird ihr immer wieder negativ ausgelegt. Sie sei durchschnittlich, verbissen, zu ehrgeizig und außerdem langweilig, wird berichtet. Ildikó von Kürthy beschimpfte sie in einem Artikel in der "Park Avenue" gar als "ödeste Blondine von ganz Kalifornien". Fair ist das nicht. Wenn man die 40-Jährige als eines bezeichnen kann, dann wohl als die am kritischsten beäugte Frau Hollywoods.

Als sie sich im Januar freizügig und nur mit einem Schlips bekleidet als Covergirl auf der "GQ" zeigte, fragte sich alle Welt schockiert, was sie damit wohl beweisen wolle. Dabei ist es ja kein Verbrechen, sich nackt zu zeigen. Außerdem sieht Aniston ohne Klamotten grandios aus, da gibt es nichts zu meckern. Das Vier-Millionen- Folgeangebot des Playboys schlug Jennifer Aniston trotzdem aus. Aber die öffentliche Kritik erfüllte auch einen Zweck: Das Shooting passte perfekt zu dem Imagewechsel, den Jennifer Aniston seit einiger Zeit vollzieht. Schon kurz zuvor hatte sie zum ersten Mal nach der Trennung von Pitt in einem Interview ordentlich gegen die ehemalige Konkurrentin Angelina Jolie geschossen, ihr Verhalten darin als "uncool" bezeichnet. Nachvollziehbar, dass sie sich endlich mal wehrte. Wer möchte schon auf Dauer der Inbegriff der treudoofen, verlassenen immer traurigen Ex-Frau sein?

Eigentlich kann es Jen - wie sie gern von der Presse genannt wird - egal sein, was die Allgemeinheit denkt. Denn sie zählt seit fast 20 Jahren zu den erfolgreichsten, amerikanischen Schauspielerinnen. Aniston, deren Patenonkel übrigens Telly Savalas ist, hat ihr Talent anscheinend geerbt. Auch ihr Vater John, ein Grieche, war Schauspieler, musste aber lange Zeit als Staubsaugervertreter sein Geld verdienen. Ihm hat sie auch ihren echten, sehr griechischen Nachnamen "Anastassakis" zu verdanken. Nur ein Jahr ihrer Kindheit lebte Aniston in Griechenland. Als sie neun Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Der Vater zog nach Los Angeles, sie lebte seitdem mit ihrer schottisch-englischen Mutter Nancy in New York.

Staubsauger hat Jennifer Aniston nie verkauft. Und seit dem Start der Sitcom "Friends" ging es für sie durchgehend beruflich bergauf. Eine Million soll sie pro Folge "Friends" bereits in den 90er-Jahren bekommen haben. Nach dem Ende der Serie im Jahr 2004 trieb Jen ihre Kinokarriere an. Von den Kritikern wurde sie für "The Good Girl" gelobt, "Bruce Allmächtig" mit Jim Carrey und "…Und dann kam Polly" mit Ben Stiller waren kommerzielle Erfolge. Jeder dieser Filme vermittelte den Eindruck, Jennifer spiele sich selbst, ein nettes, freundliches und harmloses Mädchen. Auch wenn sie in "Trennung mit Hindernissen" mit Vince Vaughn einmal gänzlich nackt durchs Bild läuft, kommt sie so klinisch sauber daher wie kaum ein anderer Star. Selbst wenn sie in dieser Rolle ausnahmsweise auch mal hysterisch rum zickt, wirkt sie immer nett. Immer sympathisch. Weniger sexy. Trotz makellos gestähltem, wunderschönem Körper wird sie nie ein männermordender Vamp sein. Sie ist eher der Typ Freundin, mit dem auch Frauen ein Bier trinken gehen möchten. Eines ihrer Erfolgsgeheimnisse: Das weibliche und das männliche Publikum mag sie.

Sympathien und noch mehr Mitleid bekam sie für die Art, mit der sie von Brad Pitt abserviert wurde. "Team Aniston" und "Team Jolie"-T-Shirts wurden 2005 in den USA zum Verkaufsschlager. Gut, Jolie mochte aufregender sein, aber Jennifer war die Betrogene. Unfein wirkte die Art, wie Sexbombe Angelina sich an ihren Ehemann rangemacht hatte. Doch nicht alle waren auf Jennifers Seite, wieder zog das Ehrgeizargument, die Langweile. Zu allem Überfluss wurde gemunkelt, Pitt hätte sich von ihr getrennt, weil sie keine Kinder wollte, weil sie immer nur Arbeit, Arbeit und noch mal Arbeit im Kopf habe. Wenn der nicht vorhandene Wunsch nach Nachwuchs ein Trennungsgrund war, dann hat Aniston ihre Meinung geändert. Mittlerweile sagt sie: "Ich werde Kinder bekommen. Ich weiß es einfach."

Ihre letzten Beziehungen hielten allerdings nicht besonders lange. Die Liaison mit Vince Vaughn dauerte zum Beispiel etwa so lange an, wie man einen Film vermarktet. Model Paul Sculfor war im Gespräch, die Kollegen Orlando Bloom, Jason Lewis und Owen Wilson. Jen ließ nichts anbrennen. Zuletzt durfte sich dann der 31-jährige Musiker John Mayer an ihrer Seite präsentieren. Der planschte verliebt mit ihr im Pool und setzte sich dann auch schnell und ziemlich schmerzfrei wieder ab. Nur, um ein paar Wochen später für eine Wiedervereinigung vor der Tür zu stehen.

Die 40, sagt sie, ließe sie ziemlich kalt. Sie nennt es "Dreißigzehn". Und viel wichtiger als ihr Geburtstag ist ohnehin, dass sie bald mit zwei neuen Filmen in die Kinos kommt. Am 12. Februar läuft "Er steht einfach nicht auf Dich" in den deutschen Kinos an, am 5. März dann "Marley und ich". Mit knapp 40 läuft es für Jennifer Aniston im Job besser als je zuvor.

Tina Epking