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Jennifer Garner: Bitte, lasst mich lustig sein!

"Alias"-Agentin Jennifer Garner kommt mit der charmanten Komödie "30 über Nacht" ins Kino. Der Rollentausch zeigt: Sie will Hollywoods Frau für alle Fälle sein.

Entschuldigung? Ist das nicht...? Doch, ganz richtig. Wir sehen hier die Frau, die auf Pro Sieben bösen Buben und schlimmen Mädchen das Handwerk legt, schießt, sich prügelt und auch verwundet noch attraktiv aussieht: Jennifer Garner, die Agentin Sydney Bristow aus der US-Serie "Alias".

Warum sie sich oben auf dem Foto an den Busen fasst und dazu ein Gesicht macht wie ein Schlumpf beim Onanieren? Gegenfrage: Wie würden Sie dreinschauen, wenn Sie feststellten, dass sich Ihre Brüste plötzlich wölben - obwohl sie vor einer Minute noch so flach waren wie die ostfriesische Marschlandschaft?

Wir haben es hier

mit einer romantischen Komödie zu tun, mit "30 über Nacht", spätsommerleicht und harmlos und vom 2. September an in den Kinos. Jennifer Garner, 32, spielt darin ein pubertierendes Mädchen, Jenna mit Namen. Die hat Stress mit ihren Eltern, wird vom Jungen ihrer Träume links liegen gelassen, sie trägt eine Zahnspange, von weiblichen Rundungen ist nicht das Geringste zu sehen. Jenna hat nur einen Wunsch: endlich 30 zu sein. Als sie am Morgen nach ihrem 13. Geburtstag aufwacht, ist er in Erfüllung gegangen. Fast. Ihr Körper ist auf 30 gealtert, ihr Verhalten aber noch das eines Teenagers. Klar. Sonst wär's ja keine Komödie.

Zur Vorbereitung auf die Rolle war Jennifer Garner viel mit Jugendlichen unterwegs. Und sie erinnerte sich an die eigene Pubertät in Charleston, West Virginia. "Ich war nicht gerade das hübscheste Entlein im Teich und ziemlich schüchtern", sagt sie. "Deshalb war ich auch nicht die erste Wahl der Jungs." (Dies zum Trost für heranwachsende Leserinnen.) Mit ihren riesigen Brillengläsern sah Jennifer aus wie eine Eule. Die Eltern erlaubten ihr weder Ohrringe noch Nagellack. Ihren ersten Kuss bekam sie mit 15, am Tag darauf wollte Matt, der Küsser, nichts mehr mit ihr zu tun haben und erklärte ihr, sie sei prüde. Und? "Ich wusste es damals noch nicht. Aber ich war prüde."

Und ehrgeizig. Teils aus eigenem Antrieb, teils anerzogen. Die Eltern drängten jede ihrer drei Töchter dazu, Klavier zu lernen und ein weiteres Instrument ihrer Wahl. Jennifer wählte gleich zwei: Saxofon und Geige. Sie nahm an Schwimmwettbewerben teil. Und ging zum Ballettunterricht. In nur einer Disziplin gut sein? Wie öde! Heute genügt es ihr auch nicht, die attraktivste, durchtrainierteste und angesagteste aller TV-Agentinnen zu sein. Man könnte sonst glauben, das sei ihr einziges Metier. "Bei fast allen Angeboten, die auf meinem Tisch landeten, war ich als Karatekämpferin, Agentin oder Polizistin vorgesehen", sagt sie. Zugleich denkt sie schon wieder einen Schritt weiter: "Ich hoffe, dass sich der Effekt nicht umkehrt. Nicht, dass ich jetzt nur noch romantische Komödien spielen soll." Wenn wir uns Hollywood vorstellen als eine Schulklasse - Jennifer Garner wäre darin die Streberin.

Ihr Vater war Chemiker

, und so studierte sie als pflichtbewusste Tochter zunächst ein paar Semester Chemie, schwenkte jedoch bald um auf Schauspielunterricht. Nach dem College flog sie nach New York und zog in eine WG; ihr Schlafplatz für die ersten Monate waren ein paar Quadratmeter in der Küche. Wer Karriere machen will, muss leiden. Schon nach kurzer Zeit hatte sie es geschafft: Sie war, wenn auch nur als Zweitbesetzung, am Broadway engagiert. Während ihre Kollegen hinter der Bühne Karten spielten, schaute Jennifer Garner sich die Aufführung an, "Ein Monat auf dem Lande" nach Iwan Turgenjew, jeden Abend, achtmal die Woche. Immer weiterbilden, immer dazulernen.

Sie spielte kleine Rollen in Fernsehserien - so lange, bis man ihr die Hauptrolle in "Alias" anbot: Sidney Bristow, die in der ersten Staffel für die CIA arbeitet und zum Schein für den privaten Geheimdienst SD 6, den gefährlichen Gegner. Die Serie wurde ein weltweiter Erfolg, verkauft in 140 Länder. Mittwoch vor einer Woche lief auf Pro Sieben die letzte Folge der zweiten Staffel. Die dritte wird derzeit synchronisiert, eine vierte ist abgedreht. Immer mittendrin: eine Agentin, die in die verschiedensten Verkleidungen schlüpft und auch vor den wüstesten Schlägereien nicht zurückschreckt. Die meisten Stunts macht Jennifer Garner, natürlich, selbst.

Die Frau, die in allem perfekt ist

- zermürbt einen so viel hausgemachter Stress nicht? "Ich verbringe oft zwölf bis 14 Stunden am Set", sagt Jennifer Garner. "Da bleibt nicht viel Raum für andere Dinge." Die schwierigste Rolle in ihrem Leben sei die Privatperson Jennifer Garner, sagt sie. Die Jennifer, die Zeit hat für ihre Freunde und für ihren Partner (aktuell angeblich nicht mehr ihr "Alias"-Agentenkollege Michael Vartan, sondern wieder mal Ben Affleck). Also, kleines Strebermädchen aus West Virginia: Schalt einen Gang runter. Du bist die tollste Agentin der Welt. Du musst nicht alles können. Wir haben dich trotzdem lieb.

von Alexander Kühn
Mitarbeit: Andreas Renner

DPA
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