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Jörg Kachelmann in U-Haft: Opfer-Anwalt: Mediziner stellten Vergewaltigung fest

Hat Jörg Kachelmann seine Ex-Freundin vergewaltigt? Der Moderator bestreitet die Vorwürfe. Doch der Anwalt des angeblichen Opfers behauptet, Gerichtsmediziner hätten die Vergewaltigung belegt.

Der Fall Jörg Kachelmann wächst sich zu einer Fernschlacht der Anwälte aus. Der ARD-Meteorologe sitzt derzeit in Mannheim in Untersuchungshaft. Der bekannte Wettermoderator wird verdächtigt, seine langjährige Lebensgefährtin vergewaltigt zu haben. Keine zwei Stunden, nachdem die Vorwürfe am Montagmittag bekannt wurden, bestritt Kachelmanns Anwalt Professor Ralf Höcker aus Köln die Anschuldigungen energisch: "Die Vorwürfe sind falsch und frei erfunden", sagte Höcker der Deutschen Presse-Agentur DPA. Die Beschuldigungen würden "jeglicher Grundlage entbehren". Der Anwalt des angeblichen Opfers wollte das nicht unkommentiert lassen. An diesem Dienstag bekräftigte Thomas Franz in der "Bild"-Zeitung: "Herr Kachelmann hat meine Mandantin vergewaltigt. Die Verletzungen und die Vergewaltigung wurden bei einer Untersuchung in der Gerichtsmedizin auch festgestellt." Kachelmann selbst will sich am Mittwoch gegenüber der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen äußern.

Die Frau sei sofort nach der Tat zur Polizei gegangen und habe dort Anzeige erstattet, erklärte der Anwalt weiter. Sie leide "stark unter den Vorkommnissen - schließlich war sie acht Jahre lang Herrn Kachelmanns feste Lebenspartnerin".

Wie schon Kachelmanns Anwalt bezweifelt auch die Firmensprecherin des Meteorologen den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe: "Wir halten das für ein Missverständnis, das sich sicherlich schnell aufklären wird", sagte Meteomedia-Sprecherin Stephanie Schleß. Unterstützung erhielt der Moderator laut "Bild"-Zeitung auch von einem "engen Geschäftspartner". Kachelmann habe in dem Ort, in dem das angebliche Opfer wohnt, niemals eine langjährige Bekanntschaft gepflegt. Er sprach von "Stalking".

Tatverdacht laut Staatsanwaltschaft erhärtet

Ohne den Namen Kachelmann zu nennen, hatte die Staatsanwaltschaft Mannheim am Montag berichtet, dass sie gegen einen 51-jährigen Journalisten und Moderator ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vergewaltigung führe. Nach den bisherigen Ermittlungen werde diesem vorgeworfen, Anfang Februar seine langjährige Freundin nach einem vorangegangenen Beziehungsstreit gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Tatort soll ihre Wohnung im Rhein-Neckar-Kreis gewesen sein. Im Februar hatte die Frau ihn angezeigt. Danach erhärtete sich der Tatverdacht laut Staatsanwaltschaft. Das Amtsgericht erließ Haftbefehl wegen Fluchtgefahr, denn Kachelmann hat keinen festen Wohnsitz in Deutschland.

Wie lange Kachelmann in U-Haft sitzen muss, ist noch nicht abzusehen. Sollte er vor Gericht kommen und wegen Vergewaltigung verurteilt werden, müsste der Moderator laut Staatsanwaltschaft mit einer Haftstrafe "nicht unter einem Jahr" rechnen.

Feste Größe im deutschen Fernsehen

Kachelmann hat in der Vergangenheit öffentlich Aktionen gegen häusliche Gewalt unterstützt. Noch Mitte Dezember präsentierte der Wetterkundler in Berlin beim Start einer Kampagne gegen die Misshandlung von Kindern ein Plakat mit der Aufschrift "Gewalt hinterlässt Spuren".

Im deutschen Fernsehen ist der 51-Jährige vor allem wegen seiner lockeren Wetterpräsentation eine feste Größe. Er produziert Wettersendungen in der ARD - seit 1994 vor der 20-Uhr-Ausgabe der "Tagesschau" und seit 2002 nach den "Tagesthemen". Seine Karriere bei der ARD hatte er 1990 als "Weatherman" beim Radiosender SWF 3 (inzwischen SWR) gestartet. Damals hatte er sich in Bächli bei St. Gallen mit seinem Hobby selbstständig gemacht und die Meteomedia gegründet.

Mit dem Start des ARD-Frühstücksfernsehens im Jahr 1992 begann seine Fernsehkarriere. In den 90er-Jahren machte er sich auch in der Fernsehunterhaltung einen Namen. Er war seit 1997 viele Jahre Moderator der MDR-Talkshow "Riverboat". Keinen Erfolg hatte er als Quizmaster, als er 1998 die Neuauflage der legendären Show "Einer wird gewinnen" übernahm, die Hans Joachim Kulenkampff berühmt gemacht hatte.

chs/APN/AFP/DPA / DPA