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Josef Stalins Tochter ist tot: Ein Leben gegen den eigenen Vater

Sie war Stalins "kleiner Spatz" und rebellierte zugleich gegen den sowjetischen Diktator. In den 1960ern zog es die gebürtige Swetlana Stalina ins US-Exil, zurück in die Sowjetunion und wieder in den Westen. Die sowjetische Regimegegnerin ist jetzt in den USA gestorben.

Die Tochter des früheren sowjetischen Diktators Josef Stalin, Lana Peters (gebürtig Swetlana Stalina), ist laut einem Pressebericht tot. Sie starb bereits am 22. November im US-Bundesstaat Wisconsin im Alter von 85 Jahren an Darmkrebs, wie die "New York Times" am Montag berichtete. Peters war eine scharfe Kritikerin der Sowjetunion, die ihr Vater fast drei Jahrzehnte lang mit harter Hand regierte.

Peters war im Jahr 1926 als Swetlana Stalina zur Welt gekommen. Die auch als "kleine Prinzessin des Kremls" bekannte Frau war die einzige Tochter Stalins. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1953 nahm sie den Nachnamen ihrer Mutter, Allilujewa, an. Im Jahr 1967 setzte sie sich in den Westen ab und nannte sich nach ihrer Heirat mit einem US-Architekten Lana Peters.

Über ihren Vater sagte Peters im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem "Wisconsin State Journal", er habe ihr Leben zerstört. Stalin selbst sei "sehr grob und sehr grausam" gewesen. Wo immer sie hingehe, "in die Schweiz, nach Indien, nach Australien oder auf irgendeine kleine Insel", werde sie eine "politische Gefangene" des Namens ihres Vaters sein, sagte Peters.

Streben nach Unabhängigkeit

Die Frage, ob ihr Vater sie geliebt habe, bejahte sie in der Zeitung mit dem Hinweis, sie habe ausgesehen "wie seine Mutter". "Er hat mich geliebt und wollte, dass ich bei ihm bin und eine ausgebildete Marxistin werde", fügte sie hinzu. Stalin sei "ein sehr einfacher Mann" gewesen. "In ihm gab es nichts, das kompliziert war", sagte Peters.

Vor ihrer Ausreise aus der Sowjetunion hatte Peters einen Sohn und eine Tochter zur Welt gebracht. Die Kinder stammten von zwei verschiedenen Männern, mit denen sie jeweils nur kurz verheiratet gewesen war. Sie bleiben in Russland und sahen ihre Mutter erst im Jahr 1984 wieder, als sie erstmals wieder in ihre Heimat reiste und etwa eineinhalb Jahre dort blieb.

Der bekannte russische Fernsehjournalist Nikolaj Swanidse sagte dem Radiosender Moskauer Echo in einem Gespräch über die Todesnachricht, Peters habe sich vor ihrem Vater gefürchtet. Daher habe sie "immer nach Unabhängigkeit gestrebt und sich nach einem eigenständigen Privatleben gesehnt". "Letzten Endes wollte sie unbedingt vor ihm weglaufen", sagte Swanidse.

hw/DPA/AFP / DPA